zur Startseite
Passwort vergessen?
 

 

Roboter retten verletzte Spielzeugpuppen

Freiburger Rescue-Roboter kämpfen um WM-Titel: Dass es im Büro eines Professors aussieht wie in einer Sportlerkneipe, kommt eher selten vor. Bei Professor Bernhard Nebel weht aber ein Hauch dieser Atmosphäre: Nicht nur, dass es einen Stehtisch mit zwei Barhockern gibt? in der Ecke häufen sich in einer Glasvitrine auch silberne und goldene Pokale.

Rescue-Roboter der Uni Freiburg

Genau 18 Stück sind es, im obersten Regal steht ein großer Fußball aus Glas, der aussieht wie eine Trophäe der FIFA. Bernhard Nebel spielt aber nicht Fußball, sondern er widmet sich einem ganz besonderem Sport: dem Robotersport. Mit seinen Schützlingen aus Metall hat er schon einige Titel gewonnen, vom 2. Platz in der “RoboCupRescue Real Robots Liga” bis hin zum WM-Titel im Jahr 2004.

Prof. Nebel, Universität Freiburg


In diesem Jahr soll es wieder ein Titel werden. Vom 14. bis zum 20. Juni findet in Bremen nämlich der RoboCup 2006 statt. Eine Woche lang trifft sich die Weltspitze der Roboterforscher und -konstrukteure in der Stadt an der Weser, um die besten Roboter zu küren.


Bernhard Nebel forscht an der Universität Freiburg mit seiner Arbeitsgruppe an den Grundlagen der Künstlichen Intelligenz. Dazu gehört auch, dass das 17-köpfige Team Roboter konstruiert und neue Mechanismen entwickelt. Bis vor einigen Jahren waren es humanoide Fußball-Roboter, mit denen sie auf Trophäenjagd gingen.

Der größte Feind der Roboter: Zeitungspapier

Dieses Mal tritt das Freiburger Team unter der Leitung von Alexander Kleiner aber in der Disziplin “RoboCupRescue” an. Dabei müssen die Roboter verschiedene Spielzeugpuppen finden, die verletzte Menschen simulieren. In drei verschiedenen Räumen müssen die elektronischen Retter Hindernisse umfahren, Treppen überwinden, sich einen Weg durch zerknülltes Zeitungspapier bahnen und steile Rampen befahren. “Der größte Feind der Roboter ist das Zeitungspapier, darin verfangen sie sich leicht”, sagt Teamleiter Kleiner.

Jede Runde wird ein neuer Parcours zusammengestellt, so dass Roboter und menschliche Betreuer vor immer neuen Herausforderungen stehen. Im ersten Teil des Wettbewerbs müssen die Roboter selbstständig durch einen Raum fahren. Es gibt keinen Piloten, der ihnen dabei hilft, die Verletzten zu finden. “Der autonome Einsatz der Roboter ist für die Forschung besonders interessant”, sagt Nebel.  Rescue-Roboter der Uni Freiburg

Im zweiten und dritten Teil werden die Roboter dagegen von einer Person gesteuert. Da der Pilot aber in einem Nachbarraum sitzt, muss er sich ausschließlich auf die Bilder und Daten des Roboters verlassen. Die Lebensretter aus Metall sind mit Kameras, Lage- und Drucksensoren, Laserscannern, CO2-Sensoren und Wärmebildkameras ausgerüstet. Bernhard Nebel berichtet: “Es ist ziemlich schwierig, sich nur anhand der Daten im Raum zurecht zu finden und dann den Roboter in kurzer Zeit zum Ziel zu lenken.”

Wenn das Team die Opfer in einer vorgegebenen Zeitspanne identifizieren und eine Karte des Raums erstellen konnte, gibt es Punkte. Wer dagegen von der Rampe herunterfällt oder gegen ein Hindernis stößt, bekommt Abzug. Nach mehreren Runden erhält das Team mit den meisten Punkten den begehrten Weltmeistertitel. Welche Ambitionen haben die Freiburger in diesem Jahr? Alexander Kleiner schmunzelt: "Wir hoffen natürlich, dass wir auch dieses Jahr wieder einen Pokal mit nach Hause bringen."

Die Freiburger Rescue-Roboter basieren auf einem industriell gefertigten Unterbau. Es ist ein Spielzeug aus den USA mit dem Namen “Tarantula”, das die Freiburger von Zeit zu Zeit bei eBay für etwa 100 Euro ersteigern. Das Plastikgehäuse wird entfernt und ein komplizierter Aufbau mit allerlei elektronischen Geräten installiert.

Mit Wärmebildkameras gegen “Staub-Tarnung”

Die Freiburger Roboter werden allerdings nicht bei echten Unglücken eingesetzt. “Dazu sind unsere Prototypen nicht robust genug”, sagt Bernhard Nebel. “Es geht uns nur darum, verschiedene Mechanismen auszuprobieren und zu erforschen.”Die Mechanismen, die Nebel und sein Team erforschen, kommen aber bei den industriellen Robotern zum Einsatz, die in Erdbeben- und anderen Krisengebieten Menschenleben retten.

Zum Beispiel die Wärmebildkameras stellen ihre Nützlichkeit immer wieder unter Beweis. Alexander Kleiner berichtet, dass nach den Anschlägen vom 11. Septembers in New York die Retter manche Opfer gar nicht erkennen konnten, da sie so gut durch Schutt und Staub “getarnt” waren. “Mit einer Wärmebildkamera hätte man solche Verletzten wunderbar finden können”, sagt er.

Rescue-Roboter der Uni Freiburg

Doch nicht nur Rettungsorganisationen haben Interesse an der neuen Technologie. So war das SEK der Polizei neulich zu Besuch in Freiburg. “Die schicken bei manchen Einsätzen einen Roboter voraus, um zu schauen, ob sich in der Wohnung böse Menschen aufhalten, die auf die Polizisten schießen wollen”, erzählt Nebel. Da die Polizei aber nur einen Roboter mit normalen Rädern besitzt, interessierte sich das SEK besonders für die Freiburger Fortbewegungstechnik, mit der auch Treppen und andere Hindernisse überwunden werden können.

Alexander Kleiner berichtet, dass die Entwicklung in der Roboterwissenschaft sehr schnell vorangeht: “Vor ein paar Jahren konnten die Roboter noch nicht einmal Treppen steigen. Ich erwarte, dass sich da in den nächsten Jahren weiterhin viel tun wird.” Das Prinzip sei so ähnlich wie bei der Jahrhunderttausende langen Evolution in der Natur. “Wir probieren ständig neue Mechanismen und Formen aus ? manche bewähren sich und manche stellen sich als untauglich heraus.” Der Freiburger Mechanismus des Treppensteigens mit Hilfe von vier beweglichen Raupenfüßen hat sich zum Beispiel inzwischen bewährt.

Weltherrschaft der Roboter?


Wo wird die Entwicklung hinführen, wenn sie weiterhin im selben Tempo voranschreitet? Bernhard Nebel sagt: “Vor 50 Jahren gab es noch nicht einmal ein Transistorradio. Wenn man sich einmal überlegt, was im vergangenen halben Jahrhundert passiert ist, kann ich mir schon vorstellen, dass im Jahr 2050 die Roboter rumlaufen wie Menschen”, sagt Nebel.Dass die Roboter wie in Science-Fiction-Filmen die Weltherrschaft übernehmen, davor hat Bernhard Nebel aber keine Angst. “In gewisser Weise hat die Technik nämlich schon heute die Weltherrschaft übernommen, wenn man sich vor Augen hält, wie abhängig wir von Autos und Mobiltelefonen sind.” Video (Hindernisüberwindung) und Foto-Gallerie mit Eindrücken aus dem "Trainings- und Bastelraum" des Roboter-Teams: 




Artikel als E-Mail verschicken Artikel auf Facebook weiterempfehlen Artikel twittern Diese Seite zu Mister Wong hinzufügen Diesen Artikel bei del.icio.us bookmarken
 
von cd | 02.06.06, 18:38 | Kommentare (4)
Weitere Artikel zu: Freiburg, RoboCup, Roboter, Künstliche Intelligenz, -cd



Kommentare
Anzahl der Kommentare: 4
Bettina
Freitag, 02.06.06 18:53
 

Ein interessantes Projekt und vor allem ein toller Artikel!

meike
Samstag, 03.06.06 15:21
 

find ich auch!

HC-Member
Sonntag, 04.06.06 04:01
 

Hoffentlich ist der Blick der Roboter bei dem Wettkampf nicht ver"nebel"t *bg*

wasn
Mittwoch, 14.06.06 13:26
 

ich mags irgendwie nicht, denselben Artikel 2mal im Netz zu lesen...: SPIEGEL ONLINE

Um einen Kommentar zu verfassen, benötigst du ein fudder-Profil. Registriere dich kostenlos oben rechts auf fudder.






Diese Funktion steht nur für eingeloggte fudder-User zur Verfügung.

» fudder-Netiquette





» Griptape

hat sich erledigt. bitte löschen
hat sich erledigt. bitte ...

» Hugi

Suche 2 Karten sc - hsv für Nord
Hallo, Bin auf der Suc...

» ShinjiIkari

re: Beitrag über Typisierung fehlt
so was bescheuertes von d...

» Wima9

Suche 1 Karte SC Freiburg - VFB 28.11. Südtribüne
Hallo zusammen, suche fü...

» Kathleen

re: Beitrag über Typisierung fehlt
Danke für das Feedback, d...

» Marius Buhl

re: Beitrag über Typisierung fehlt
Hej Kathleen, hej Lara ...

» Hugi

Suche 2 Karten sc - hsv für Nord
Hallo, Bin auf der Suc...

» Tatoocheck

re: Was hört ihr gerade?
Antilopen Gang - Beate Zs...

» Chinaski

re: Was hört ihr gerade?
Lucky