Art Basel 2012: Wo ist denn hier die Kunst aus Freiburg?

Nadja Röll

Gleich um die Ecke findet die weltweit bedeutendste Kunstmesse statt. Was liegt da näher, als eine Freiburger Galerie beim Packen, Verfrachten und Aufbauen zu begleiten? – Denkste! Keine einzige ist dabei. Ist die Art zu teuer oder Freiburgs Kunst zu provinziell? fudder-Autorin Nadja hat eine Tour durch Freiburger Galerien gemacht und nachgefragt.

„Hier gibt es das Münster, die Bächle und Würstle, aber keine Kunst.“ Der Galerist Albert Baumgarten lacht und fügt hinzu: „Spaß beiseite. Die Stiftungen Bürkle und Morat sind auch von internationaler Bedeutung und die beiden Freiburger Kunstklassen toll - aber viel zu avantgardistisch. Das Freiburger Publikum ist seriös, sehr gebildet, aber behäbig.“


In der Galerie Albert Baumgarten sind gerade alle Wände weiß, Umbauarbeiten. In den hinteren Räumen hängen und stehen aber keine alte Schinken, sondern junge Kunst. Könnte so etwas nicht auch auf der Art gezeigt werden? „In den 90er Jahren wäre ich sehr gerne hingegangen. Damals kam ich nicht rein, obwohl ich zwei Fürsprecher hatte. Ich war fürchterlich gefrustet. Im Nachhinein muss ich aber sagen, das war gut so. Ich hätte mich finanziell völlig ruiniert.“ Denn: Die Art Basel ist eine der teuersten Kunstmessen der Welt. Und junge Kunst hat noch keinen Preis. „Für mich sind Messen aber unheimlich wichtig, da ich meine Galerie von Freiburg aus nicht unterhalten kann. Ich war in Toronto, jahrelang auf der Art Cologne und seit einiger Zeit leiste ich mir auch die Art Paris.“ Aber die Art Basel lohnt sich für Albert Baumgarten trotzdem nicht.

Über aktuelle Eintrittspreise möchte die Messeleitung der Art Basel nicht sprechen. Für Horst Dieter Meier, Inhaber der Galerie Meier, sind diese auf jeden Fall auch zu hoch: „In den letzten Jahren musste man für einen Stand in Basel etwa 30.000 bis 50.000 Euro zahlen. Wenn man da keinen Kirchner für zwei Millionen in der Hinterhand hat, sondern nur Bilder, die etwa 1000 bis 5000 Euro einbringen, ist das Risiko einfach zu groß.“



Horst Dieter Meier (Bild oben) fährt seine Galerie in der Gerberau zweigleisig: Im Erdgeschoss und im Schaufenster sind „die Toten“ ausgestellt, denn die werden gekauft. Und im 1.OG leistet er sich den Luxus morderner Kunst, wie er selbst sagt. Messen sind für ihn nicht so wichtig: „Ich stelle zwar auf der Art Karlsruhe aus, um mein Einzugsgebiet Richtung Frankfurt auszuweiten, aber die meisten Bilder verkaufe ich doch während einer Ausstellung hier in der Galerie.“

Auch für Gudrun Selz aus der galerie g ist Basel weit weg: „Die Art Basel ist nur räumlich um die Ecke. Mit ihrem Anspruch ist sie aber meilenweit davon entfernt, Galerien aus Freiburg zuzulassen.“ Wilfried Post von der Galerie Post Fine Arts kritisiert nicht so sehr Anspruch und Eintrittspreis, sondern vielmehr den „Kunstaktien-Charakter“ der Basler Kunstmesse. „Von Qualitäten ist hier nicht die Rede. Kunst nur für Finanzeliten, das bleibt und fremd. Lebensmittel bitte für alle!“

Und was sagt die Art Basel selbst dazu? - Nach Angaben der Pressesprecherin Britta Fischer hat eine Jury aus Galeristen für dieses Jahr aus über 1000 Bewerbern rund 300 Galerien ausgewählt. „Ich bin sicher, dass auch in Freiburg und Baden-Württemberg sehr interessante Galeriearbeit geleistet wird. Die Kunstmesse versteht sich aber als internationale Veranstaltung und ist auf Qualität fokussiert.“