App-Check: Wegeheld

Moritz Kraus

Einmal selbst Ordnungshüter sein! Für Besitzer von Android-Smartphones kann dieser Traum mit der neuen App "Wegeheld" wahr werden. Denn mit der App kann jedermann mit wenigen Klicks Verkehrssünder melden.



Ein Auto blockiert den Radweg. Auf dem Behinderparkplatz steht ein Fahrzeug ohne Berechtigungsplakette. Ein Lieferwagen parkt in zweiter Reihe mitten auf der Hauptstraße.  Was tun? Einfach weiterfahren oder dem Falschparkern einen (un)freundlichen Gruß hinterlassen? Die App „Wegeheld“ will eine Lösung für die ärgerlichen Momente des Verkehrsalltag bieten. Mit ihr kann man falsch parkende Autos fotografieren und melden.


Die Erfinder von Wegeheld wollen mehr Fairness im Verkehr - und deshalb den Falschparkern an den Kragen.Für aufmerksame Wegeheld-Nutzer ist es ganz einfach, Wildparker zu melden: Per GPS ermittelt das Smartphone den Standort des Nutzers. Der kann den Ort des Vorfalls jetzt auf einer Karte in der App markieren und eine von zehn möglichen Vergehensarten auswählen – von „Fahrzeug parkt vor Bordsteinabsenkung“ bis hin zu „Fahrer hupt, schimpft oder beleidigt“.

Der Nutzer kann außerdem Automarke und -farbe, KfZ-Kennzeichen  oder einen „netten Spruch“ ergänzen. Wer handfeste Beweise liefern will , kann auch ein Foto vom Tatfahrzeug machen. Der Eintrag erscheint auf der „Wege-Alarm-Karte“ auf wegeheld.org; außerdem können Nutzer den Vorfall auf Facebook teilen, twittern oder direkt per Email ans Ordnungsamt schicken.



Zum institutionalisierten Verpetzen soll die App aber nicht animieren. „Eine offizielle Kooperation mit den Ordnungsämtern gibt es noch nicht“, sagt Heinrich Strößenreuther, Geschäftsführer der Betreiberfirma von Wegeheld. Diese sei allerdings auch nicht unbedingt nötig, weil Wegeheld bereits über 100 Email-Adressen von Ordnungsämtern in die App eingespeist hat.

Datenschutzrechtlich sei alles korrekt, versichern die Macher auf ihrer Website unter dem Punkt „Datenschutz“. Hier findet sich außerdem eine Rechtsbelehrung zur Benutzung der App. Die Macher der App weisen darauf hin, dass man Nummernschilder von fotografierten Autos nur geschwärzt hochladen darf. Das sieht auch der Waldkircher Fachanwalt für Verkehrsrecht Werner Karlin so: „Die Angaben, die man in der App mache und an die Behörde weiterleitet müssen der Wahrheit entsprechen, sonst wäre es eine falsche Anschuldigung.“

Im Google Playstore häufen sich schon eine gute Woche nach dem App-Start  Kommentare von verärgerten Rezensenten, die die Nutzer der App als „Stasi-Jünger“ oder „NSA-Möchtegernspione“ beschimpfen. Für die Stadt Freiburg und das hiesige Ordnungsamt kommt eine Kooperation mit der App derweil nicht in Frage. Edith Lamersdorf, Pressesprecherin der Stadt Freiburg sagt, dass das Ordnungsamt Freiburg der hoheitlichen Aufgabe, Falschparker zu melden, nachgehe. „Das geschieht auch mit Hilfe von Hinweisen aus der Bevölkerung, aber das Öffentlichmachen machen auf Facebook oder Twitter, wie es diese App tut, davon distanziert sich die Stadt.“Wer also in seiner Freizeit den Sheriff spielen möchte, hat mit „Wegeheld“ die Möglichkeit.

Ob das wirklich heldenhaft ist, sei dahingestellt. Wegeheld gibt es für Anrdoid-Smartphones im GooglePlayStore. Mehr Infos gibt’s auf wegeheld.org

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