Antwort auf einen Hasskommentar - von einer Mutter aus Syrien

Daniel Laufer

Unter einem Beitrag zu einer Demo hetzte ein fudder-Leser mal wieder gegen Flüchtlinge. Womit er wohl nicht rechnete: einer Antwort aus Syrien.



Am Mittwoch haben wir in einem Videobeitrag von einer Flüchtlingsdemo in Freiburg berichtet. Die Flüchtlinge leben in der Gemeinschaftsunterkunft im Gewerbepark Breisgau und warten seit Monaten auf ihren Aufenthaltsstatus. Erst wenn sie diesen haben, können ihre Familie nachkommen.


Ein fudder-Leser schrieb darauf diesen Kommentar:

"Alles nur Männer ????? Werden da nur Männer verfolgt, wo die herkommen ????? Und, sie leben und denen gehts gut !! also was ?????"

Unter den Männern in dem Videobeitrag ist auch der Mann von Reem. Um sie zu schützen, haben wir ihren Namen geändert. Sie ist Mitte dreißig und lebt in Latakia, einer syrischen Hafenstadt.

Reem hat dem fudder-Leser geantwortet. Wir haben ihre Antwort aus dem Englischen übersetzt:

"Ich lebe noch immer in Syrien, aber mein Mann ist nach Deutschland gegangen. Ich habe ihn nicht begleitet, weil ich die gefährliche Reise mit meinen drei Kindern nicht auf mich nehmen wollte.

Mein jüngster Sohn ist sechs Jahre alt. Fünf davon herrschte der schlimmste Krieg, den man sich vorstellen kann. Oft sind wir nur knapp dem Tod entkommen.

Ich muss meiner Tochter, einer Teenagerin, erklären, warum sie mit ihren Freunden nicht campen gehen kann, wie ich es getan habe, als ich in ihrem Alter war. Warum die Terroristen ihr die Kindheit rauben. Wir hoffen auf ein besseres Leben. Meine Kinder verdienen es, in Frieden zu leben und eine Kindheit zu haben.

Glaubt mir, niemand will unser geliebtes Syrien verlassen. Aber der Krieg zwingt uns, nach einem besseren Leben zu suchen. In meinem Dorf haben sie die Kirche zerstört, mitsamt dem Kreuz und den Heiligenbildern. Dreimal haben sie den Pfarrer entführt.

Sie haben die Menschen gezwungen, ihre Heimat aufzugeben, ihr Land und ihre Höfe. Die meisten von uns sind gute, gebildete Leute.

Ich hoffe, bald wieder bei meinem Mann zu sein. Ein weiteres Weihnachten ohne ihn verbringen zu müssen, wäre sehr traurig.

Ich hoffe, dass Du uns verstehst. Vielen Dank für Deine Geduld."

Wir haben Reem um ein Foto gebeten. Das oben hat sie uns geschickt. In der Ferne sieht man das Mittelmeer. "Ein Sonnenaufgang an einem Ort, den ich sehr mag."

Video: Flüchtlinge demonstrieren in Freiburg für Bearbeitung ihrer Asylanträge



Mehr dazu:

[Foto: privat, Video: Daniel Laufer, Susanne Ehmann, Sebastian Wolfrum]