Antrittsbesuch von Duttufner im SWR

David Weigend

Gestern Abend hat der SWR-Rundfunkjournalist Uli Homann ein öffentliches Interview gemacht. Seine Gesprächspartner waren Robin Dutt und Dirk Dufner, die neuen Strippenzieher beim SC Freiburg. Inhaltlich erfuhr man nicht viel Neues. Warum es dennoch ein bereichernder Besuch war, steht im Folgenden.



Schenkelklopfer

Die ersten drei Eindrücke: Fragensteller Uli Homann trägt eine launige Krawatte mit Fußbällen drauf; Dirk Dufner haut sich bei jedem zweiten Satz mit seinen Pranken auf die Oberschenkel; Robin Dutt hat traurige Augen.

Uli Homann, der schon bei der letzten Vorspielspressekonferenz von Volker Finke ungefragt den spokesman unter den SC-Journalisten gegeben hat, ist bei diesem Heimspiel ein redegewandter Gastgeber, der sich um Hartnäckigkeit bemüht: Stimmt es, Herr Dutt, dass Sie ihren neuen Trainervertrag bereits im Januar unterschrieben haben? Erkennen Sie eine "Wir-sind-Finke-Fraktion" im aktuellen Kader? Wer entscheidet im neuen Führungsduo Dutt/Dufner über Neuzugänge? Wie schwer wiegt der Schatten Volker Finkes als "Guru"?



Bilanz und Gegenbilanz

Dutt und Dufner sind zwei Männer, die sich gut verkaufen können. Dufnersätze wie "Sorry, aber für mich heißt das Dreisamstadion immer noch irgendwie Dreisamstadion" plus Langzeitfancredibility à la "Ich hatte schon während meiner Studienzeit in Freiburg eine Dauerkarte" entfachen beim größtenteils ergrauten SWR 4-Auditorium Miniapplaus und Bravorufe. Dutt hingegen erweist sich als relativ schlagfertig. Als Homann vorrechnet: "58 Prozent der Tore in der vergangenen Saison haben die Abgänge geschossen und vorbereitet", sagt Dutt: "Prima, dann stehen uns ja noch 42 Prozent zur Verfügung."



Lob für die Neuen

Von welcher Seite Homann auch bohrt - zu den vergangenen sechs Monaten, zum hirnrissigen Lavieren des Vorstands in der Rückrunde, zu den daraus vermutbaren Zweifeln an der eigenen Akzeptanz will sich Dutt nicht äußern. Nach wie vor, verständlich. Stattdessen preist er die Neuverpflichtungen in den höchsten Tönen, die dem kritischen Beobachter angesichts der jüngsten Testspielergebnisse (SSV Reutlingen, Stuttgarter Kickers) ein wenig schrill im Ohr klingen.

"Jäger ein absoluter Glücksfall, eiskalt vorm Tor, kaum zu trennen vom Ball; Butscher ein hervorragender Linksfuß, kann hervorragende Flanken schlagen; Schlitte, einer der Schnellsten der Zweiten Liga; Günes, ein Sonderfall, dass der nicht in die erste Liga gewechselt ist; Banovic, ein exzellenter, erfahrener Spieler, der die 10 spielen kann..." usw. Das schürt die Erwartungen, auch wenn Dutt nicht auf dem Zampano-Ticket des Aufstiegskandidaten fahren will.



Natürliche Hackordnung

Wo sind die Lücken im Kader? Der Abgang von Riether schmerzt sehr, sagt Dutt, und: "Günes wird die 6 anders spielen." Nach Mohamads Abreise gen Köln (Dufner konspirativ: "Es gab Gründe, ihn ziehen zu lassen") suchen Dufner und Dutt einen neuen Innenverteidiger.

Und einen Torwart. Alex Walke leidet an den Folgen seines Unfalls und wird noch mindestens zwei Monate ausfallen. Carsten Nulle hat zwar gute Chancen, Walke zu vertreten, entschieden ist aber noch nichts. Den neuen Kapitän wird der Spielerrat nächste Woche wählen. "Die Hierarchie im Team muss sich auf natürliche Weise bilden", findet Dutt. Die Anfangsformation für die Pokalbegegnung gegen den FC 08 Villingen stehe fest, aber Dutt verrät sie nicht.



Symphatiebonus

"Das Kurzpassspiel wird bei uns weiterhin nicht verboten sein", sagt Dutt auf die Frage nach Neuerungen in der Spielphilosophie. Darüberhinaus trage im Training keiner seiner Akteure "Wir-sind-Finke"-Shirts. Gelächter.

Fazit: Freundliches Geplauder, bei dem die heiklen Fragen gestellt, aber nicht beantwortet wurden. Der Symphatiebonus für die zwei Neuen ist da, weil sie einen seriösen, komptenten und sachlichen Eindruck machen. Die Fans werden erst dann wieder nach Finke schreien, wenn die Kicker der "Familie SC" ihren Vorschußloorbeeren nicht gerecht werden.