Antiker Samenraub

Lorenz Bockisch

Schon gewusst, wie der zweite Sohn Judas zu zweifelhafter Berühmtheit gelangte? Im ersten Buch Mose wird von den zwölf Stämmen Israels berichtet, von denen einer Juda bzw. Jehuda ist. Da der Stammbaum fortgeführt werden musste, suchte Juda selbst für seinen ältesten Sohn eine Frau. Leider verstarb der Stammhalter, bevor er seiner genetischen Pflicht nachkommen konnte.

Diese Witwe aber hieß Thamar. Zur damaligen Zeit war es Sitte, dass der nächste Bruder die so genannte Schwagerpflicht erfüllen musste: Wenn der ältere starb, muss der jüngere Bruder mit der Witwe für Nachwuchs sorgen. Offiziell blieben aber alle aus dieser Verbindung hervorgegangenen Kinder die Kinder des ersten Mannes.


Nachdem Gott seinen älteren Bruder Er getötet hatte, musste Onan seine Schwägerin zum Weibe nehmen. Es war ihm jedoch nicht recht, dass seine Kinder ihm dann nicht zugerechnet werden, also "verdarb er es zur Erde, um nicht Samen zu geben seinem Bruder". In moderneren Worten ist das ein Coitus Interruptus. Und da er seinen Samen nicht an die dafür vorgesehene Stelle verbrachte, wurde die Onanie nach ihm benannt, obwohl er selbige nicht wirklich durchgeführt hatte.

Und wie im Alten Tastament üblich, wurde Onan wegen dieser Verschwendung auch dahingestreckt. Nur Thamar blieb kinderlos zurück. Leider bekam sie von Juda nicht dessen dritten Sohn zum Manne, wie es ihr zugestanden hätte. Um sich zu rächen und trotzdem noch an den Samen Israels zu gelangen, verkleidete sie sich mittels Schleier als Dirne und ließ sich von Juda, ihrem eigentlichen Schwiegervater, für diverse Dienstleistungen bezahlen.

Als Juda herausfand, dass seine verwitwete Tochter Buhlerei betrieben hatte und schwanger war, sollte sie natürlich verbrannt werden. Doch Thamar konnte durch die erhaltene Bezahlung beweisen, dass niemand anderes als Juda ihr Freier gewesen war. Juda sah ein, dass er im Unrecht war und Thamar bekam Zwillinge.

Und wer die Geschichte etwas anders formuliert lesen will, kann das hier in 30 Versen tun.