Antifa-Demo: gestoppt, gekesselt, getanzt

Till Neumann & Janos Ruf

Bei der heutigen Antifa-Demo am Schwabentor kam es zu heftigen Auseinandersetzungen zwischen Demonstranten und der Polizei. Die stundenlang umzingelten Demonstranten tanzten zum Trotz im Regen. Hier eine Chronologie der Ereignisse.



14 Uhr. Am Schwabentor, wo die Demo beginnen soll, sind nur vereinzelt Demonstranten. Polizisten und Passanten prägen das Bild. Erst gegen 14:30 Uhr füllt sich der Platz um den Brunnen in der Salzstraße. Die Stimmung ist zu diesem Zeitpunkt noch ziemlich entspannt. Etwas Ungeduld macht sich breit. "Langsam wird's langweilig", meint einer der Wartenden.

14:50 Uhr. Die Demo-Organisation erklärt durch die Lautsprecher des Demowagens, dass noch Verhandlungen mit der Polizei laufen. Geklärt werden muss, ob der Demo-Zug durch durch die Innenstadt ziehen darf.

15 Uhr. Der Demonstrantenzug setzt sich in Bewegung. Circa 800 Demonstrierende laufen skandierend Richtung Bertoldsbrunnen. Der vordere Teil des Demozugs hält Transparente hoch. Die Köpfe der Demonstrierenden sind so nicht zu sehen.

Schon nach fünf Metern stoppt die Polizei den Zug. Über Mikrophon erklärt Harry Hochuli, Einsatzleiter der Polizei, dass die Demonstranten erst weiterlaufen dürften, wenn keine Vermummten mehr im Demo-Zug sind (siehe Video). Das stößt auf Unmut. "Haut ab", tönt es aus der Menge Richtung Polizei.



15:05 Uhr. Es kommt zu ersten Rangeleien zwischen Polizei und den Demonstranten an der Spitze des Zuges. Vereinzelt werfen Demonstranten Böller und Bierflaschen auf die Polizisten. Stinkefinger werden gezeigt. Dazu gibt's HipHop-Musik aus der Anlage des Demowagens.

15:30 Uhr. Noch immer steht der Zug still. Und es ist keine Änderung in Sicht. Die Polizei will keine Vermummten, die Vermummten sehen nicht ein, ihre Gesichter zu zeigen. Eine klassische Patt-Situation. Mittlerweile regnet es. 15:35 Uhr. Die Demonstranten verkünden, dass sie am 12.12. erneut demonstrieren werden, wenn sie jetzt nicht weiterlaufen dürfen. Ein als Clown verkleideter Demonstrant verschenkt kleine Blumen an Polizisten.

16 Uhr. Die Polizei verkündet, dass sie die Vermummten und andere "Störer" aus dem Demonstrantenzug entfernen werde. Die "friedlichen" Demonstranten werden gebeten zu gehen. "Ihr seit nur gut bezahlte Hooligans", antworten die Demonstranten. 16:07 Uhr. Gepanzerte Polizisten gehen jetzt in die Menge der Demonstranten und nehmen die sogenannten Störer fest (siehe Video). Diese wehren sich, Schlagstöcke kommen zum Einsatz. Der Demo-Zug wird somit dezimiert und ein paar Meter zurückgedrängt.

16:17 Uhr.
Der Demo-Zug ist jetzt in der Salzstraße von Polizeikräften eingekesselt. "Die friedlichen Demonstranten können gehen", verkündet der Einsatzleiter. "Wir gehen zusammen oder gar nicht", lautet die Antwort der Demonstranten.

16:50 Uhr.
Die Polizei fordert erneut die Demonstranten auf zu gehen. Von jedem würden die Personalien aufgenommen, heißt es. Die Demonstranten fordern derweil das Recht auf ein Dixiklo.




17:40 Uhr.
Die Demonstranten sind nach wie vor von der Polizei umzingelt. Aus den Boxen des Demowagens kommt HipHop und Reggae. Dazu wird ausgiebig getanzt. Das Ganze gleicht jetzt eher einer Party. "Das ist die best bewachteste Party, die ich je erlebt habe", ruft der als Clown verkleideter Demonstrant, der selbst frenetisch tanzt. Mittlerweile regnet es in Strömen.

18:15 Uhr.
Noch immer sind um die 50 Demonstranten eingekesselt. Die Polizei holt jetzt einzeln Leute aus dem Demozug, um deren Personalien aufzunehmen. Jeder einzelne Festgenommene wird von Kopf bis Fuß gefilmt.

19 Uhr.
Die immer kleiner werdende Demonstrantengruppe tanzt noch immer zur Musik. Den Polizisten zeigen sie zwei Finger - das Peacezeichen. Mittlerweile laufen französische Chansons. Im Minutentakt werden Demonstranten abgeführt.


19:45 Uhr. Die Polizei holt die letzten Demonstranten zur Personalienaufnahme aus dem umstellten Kreis. Die Musik wird abgestellt. Zum Schluss wird der Demonstrationswagen gründlich durchsucht.

20 Uhr.
Der Pressesprecher der Polizei zieht Bilanz: "Es gab 250 Platzverweise, und 30 vorläufige Festnahmen. Wir versuchen immer angemessen zu reagieren." Im Gegensatz dazu steht das Fazit des Sprechers der Antifa: "Die Polizei hat heute in der Stadt eine Art Armeestützpunkt aufgebaut, um ihre Macht zu demonstieren. Die Demo war für uns kein Erfolg, wir wurden von der Polizei blockiert."

[Fotos: Janos Ruf]

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