Interview

Anti-Trump-Demo: "Der Women’s March hat mir neue Hoffnung geschenkt"

Florian Kech

Dieser Protest geht in die US-Geschichte ein: Mehr als eine Million Menschen haben sich am Women’s March beteiligt – mit dabei: Jackie Boone. 15 Jahre lebte sie in Freiburg, im Herbst kehrte sie zurück nach Indiana.

BZ: Warum haben Sie sich dem Protestmarsch angeschlossen?

Jackie Boone: Man darf jetzt nicht ruhig bleiben und zuschauen. Noch ist zwar nichts passiert, aber allein die Art und Weise, wie Trump spricht, ist beängstigend. Vor Jahren dachte ich, Bush sei schlimm, jetzt kommt er mir beinahe eloquent vor. Ich hatte die Hoffnung, Trump würde auf der Inaugurationsrede versuchen, die gespaltene Nation wieder zu versöhnen. Denkste!


"Wir wollten zeigen, dass wir uns von Angst und Hass nicht besiegen lassen." Jackie Boone
BZ: Wie viele Menschen haben an der Demo in Indianapolis teilgenommen?

Boone: Es gibt keine genauen Zahlen. Aber ich habe in meinem ganzen Leben noch nie so viele Demonstranten gesehen – hauptsächlich Frauen, aber auch viele Väter, die sich für die Rechte ihrer Töchter einsetzen. Vertreter aller möglichen Minderheiten trafen zusammen: Schwarze, Homosexuelle, Mexikaner, Muslime.

BZ: Was waren Ihre eindrücklichsten Erlebnisse auf dem Marsch?

Boone: Mir fiel sofort auf, wie friedlich die Veranstaltung ablief. Auch die Polizisten waren super entspannt. Es ist so viel Hass gepredigt worden. Mit dem Women’s March wollten wir zeigen, dass wir uns von Angst und Hass nicht besiegen lassen. Am Ende siegen Liebe, Akzeptanz und Respekt füreinander. Die Demo hat mir neue Hoffnung geschenkt. Wenn wir zusammenhalten, können wir die nächsten vier Jahre durchstehen. Amerikaner gelten ja als politisch desinteressiert. Am Samstag habe ich das genaue Gegenteil erlebt.

BZ: Glauben Sie, aus dem Protest kann sich eine echte Bürgerrechtsbewegung entwickeln?

Boone: Ich denke schon. Vielleicht gibt es die ja bereits. Die verschiedenen Protestgruppen sind jedenfalls dabei, sich zu einem riesigen Netzwerk zu verknüpften.

"Als Andersdenkende hat man es schwer in Indiana." Jackie Boone
BZ: In Ihrer Heimatstadt hat die Mehrheit Trump gewählt. Wie kommen Sie damit klar?

Boone: Als Andersdenkende hat man es schon schwer hier in Indiana. Man wird oft verhöhnt. Ich habe mich jedenfalls nicht getraut, im Wahlkampf ein Hilary-Schild im Garten aufzustellen.

BZ: Finden im Alltag Diskussionen statt?

Boone: Oh ja. Nur leider habe ich sehr häufig die Erfahrung gemacht, dass sich Trump-Unterstützer vor einer offenen Diskussion drücken. Das finde ich sehr bedauerlich. Man kann ja unterschiedlicher Meinung sein, sollte seinem Gegner aber wenigstens zuhören.

BZ: Trump ledert in seinen Reden oft gegen Merkel. Wie denkt man in Ihrem Umfeld über die Deutschen?

Boone: Viele halten die Deutschen für verrückt, weil sie so viele Flüchtlinge ins Land gelassen haben. Trump-Anhänger haben für Merkel nicht viel Respekt übrig. Wie könnten sie auch? Sie ist ja eine Frau.

BZ: Sind nach dem Women’s March weitere Aktionen geplant?

Boone: Das wird sich zeigen. Fürs Erste war es einfach wichtig, Solidarität und Zusammenhalt zu zeigen.
Zur Person: Jackie Boone, Jahrgang 1980, kam 2002 zum Studium nach Freiburg. Später arbeitete sie als freie Kamerafrau – unter anderem für TV Südbaden. Im vergangenen Herbst zog sie zurück zu ihrer Familie nach Indiana.