Anthony B im Jazzhaus: Pathos, Party, Botschaft und Booty

Janos Ruf & Daniel Weber

Zwischen Pathos und Party, Botschaft und Booty und das alles grundsympathisch und mitreißend präsentiert: Der jamaikanische Reggae- und Dancehall-Superstar Anthony B hat im Jazzhaus einen sympathischen Auftritt hingelegt. fudder-Autor Daniel und Fotograf Janos waren dabei.



Weiße Hose mit weißem Handtuch in einer Gesäßtasche, weiße Jeansjacke und natürlich der Turban, ebenfalls in Weiß. So kommt Anthony B auf die Bühne, nachdem er die erste Strophe seines Hits „Equal Rights“ noch aus dem Backstagebereich gesäuselt hat. Er singt den Text des Roots-Reggae-Stücks voller Inbrunst, während er dann auf der Bühne von rechts nach links und wieder zurück läuft. „There ain´t gonna be no peace / None at all / Till men get equal rights and justice“. Seine Songs handeln von Unterdrückung, Armut und der Kriminalität im jamaikanischen Bürgertum im speziellen und von Emotionen wie Hoffnung, Glauben, geistiger Stärke und vor allem der Liebe im Allgemeinen. Seine Botschaft ist klar: „Love Yourself“. Nur wer sich selbst liebt, kann die schönen Dinge im stetigen Auf und Ab des Lebens sehen und auch selbst geliebt werden, führt der 34-jährige Rastafari aus.

Seine markante Stimme ist ein ohrenschmeichelnder Mix aus einem Krächzen auf der einen und einem glasklarem Klang auf der anderen Seite. Als die Band, bestehend aus Gitarrist, Bassist, Drummer und Keyboarder, die letzten Klänge des Riddims spielt, steht er in der Bühnenmitte, schließt die Augen und verbeugt sich mit ausufernden Armbewegungen fast schon in majestätischer Art und Weise. Später kommt noch ein beidhändiger Handkuss für das Publikum hinzu. „Freiburg, I feel wonderful to be here“, sagt er nicht nur einmal. Man nimmt es ihm ab. Da steht einer auf der Bühne, der Spaß hat. Freiburg hat das auch und bedankt sich mit Applaus, Tanz und vor allem entspannten Gesichtszügen. Das Jazzhaus ist gut gefüllt, etwa 400 Menschen (meist jenseits der 20) sind da. Die Show ist einer von fünf Tourstopps, die Anthony B in diesem Jahr in Deutschland einlegt.

Im Wechsel zwischen donnerndem Dancehall-Sound und seichtem Roots-Reggae gibt es zwei Stunden lang auf die Ohren und in das Herz. Entweder singt sich Anthony B seine Seele aus dem Leib, während er stetig Augenkontakt mit dem Publikum hält und die ausgestreckten Hände ergreift oder er schmettert seine Reimsalven ins Mikrofon, während er wie wild auf einem Bein von einer Seite der Bühne zur anderen springt, mit dem anderen Bein Kicks in die Luft tritt und dabei immer wieder die geballte Faust erhebt. Der eher schmächtige Künstler strotzt auf der Bühne vor Energie. „Hands Up For The Warrior / Hands Up“. Man müsse da schon „physically fit“ sein, erkennt er dann auch mal und stiftet das Publikum dazu an, jetzt mal durchzudrehen wie ein kleines Kind.

In „Free-Burg“ oder „Fire-Burg“ spuckt Anthony B natürlich auch Feuer gegen das System Babylon. „Police“ und „One Spliff“ sind Songs, die etwa gegen die Staatsmacht und für die Legalisierung von Marihuana plädieren. Zwischen den Liedern schmettert Anthony B auch immer wieder ein „Jah Rastafari“ in das Mikrofon und verleiht seinem Glauben Ausdruck. Vom reggae-typischen Angriff gegen die Homosexualität hat Anthony B seit Jahren Abstand genommen, schon bevor dieser Bereich der vielfältigen und oft missverstandenen Reggae-Kultur in die Kritik geriet. Überhaupt: Reggae und Dancehall, das sei keine „violent Music“, sagt Anthony B. Als Rebel bekennt er sich, jedoch als einen mit einem Ziel im Sinn. Der Verbreitung von Liebe. So platt sich das vielleicht auch hier lesen mag. Dort auf der Bühne gelingt es ihm. „Love Yourself“.

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Foto-Galerie: Janos Ruf

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