Anni Hellstern startet beim härtesten Mountainbike-Rennen der Welt

Fabian Voegtle

Das Cape Epic in Südafrika gehört zu den härtesten Mountainbike-Rennen der Welt. Am kommenden Sonntag gehen über 1000 Starter in Zweierteams an den Start des 7-Tage-Rennens. Mit dabei:Anni Hellstern aus Freiburg. Im vergangenen JAhr fiel am dritten Tag Annis Mitfahrerin aus - Anni fuhr die restlichen Etappen außer Konkurrenz. Diesmal startet die 26-Jährige im Mixed mit dem Slowenen Peter Vesel. Warum sie sich sich gute Chancen ausrechnet:

 

Das Cape Epic rennen steht unmittelbar bevor. Am Sonntag geht’s mit dem Prolog los. Schon nervös?

Anni Hellstern: Ich bin schon nervös, weil wir zu den Favoritenteams gehören. Aber ich bin fit und richtig gut drauf. Deshalb freue ich mich auf das Rennen.

Im vergangenen Jahr bist Du bei deiner ersten Teilnahme am härtesten MTB-Rennen der Welt nach dem Ausfall deiner Teamkollegin alleine bis ins Ziel gefahren. Wie sind deine Erinnerungen an 2012?

Das war 'ne super gute Erfahrung und es war wirklich hart, weil man jeden Tag an sein Limit gegangen ist. Der Ausfall meiner Teamkollegin war Nachteil und Vorteil zugleich - weil ich außer Konkurrenz gefahren bin, musste ich nicht alles geben. Ohne Wertung ging es dann nur darum, ins Ziel kommen.

Dennoch waren es super harte Rennen, die man nicht mit Mountainbike-Marathons hier in Europa vergleichen kann. Bei einer Etappe hat es nur geregnet, so was hatten die in Südafrika noch nie. Auf einer anderen Etappe hat es so stark gewindet, dass es mich immer umgeblasen hat. Das war alles ganz schön heftig.

Geschlafen haben wir in Zelten, das war recht laut, und morgens um 5 Uhr wurden wir vom Dudelsack geweckt, weil um 7 Uhr schon Start war. Es war einfach eine Grenzerfahrung, aber es hat auf jeden Fall super viel Spaß gemacht.

Das Rennen geht eine Woche lang über mehrere Etappen. Ihr bewältigt dabei rund 700 Kilometer. Wie muss man sich den Streckenverlauf vorstellen?


Der Prolog ist mit 23 Kilometern recht kurz und wird so 'ne gute Stunde dauern. Das ist eine Cross-Country-Strecke, was einfach heißt, dass es recht technisch ist.

Die anderen Etappen sind meistens um die 100 Kilometer. Es sind ziemlich krasse Sandpisten und man muss zwischendurch auch immer mal wieder wo hochlaufen, weil es mit dem Bike nicht geht. Wenn man einen Defekt hat, gibt es nicht irgendwo ein Depot wo man die Reifen wechseln kann und auch keine Mechaniker. Man muss also wirklich alles mitnehmen und dann auch selber reparieren. Und bei den Verpflegungsstationen muss man sich auch alles selber holen, da wird nichts reingereicht.

Wie verläuft der Renntag insgesamt, wie sieht die Regeneration nach den Etappen aus?

Der Startschuß fällt halt schon früh um 7, damit auch die Hobby-Mountainbiker, die ja neben den Vollprofis mitfahren, auch noch bei Tag ans Ziel kommen - die brauchen einfach über zehn Stunden brauchen. Wenn man es geschafft hat, wird einem gleich das Rad abgenommen, das dann gepflegt und geputzt wird. Man bekommt auch gleich eine Zielverpflegung und ein Tuch zum Abwischen und Kühlen. Nach der Dusche gibt es eine Massage und dann ist einfach nur noch Relaxen angesagt. Es ist natürlich sehr wichtig, dass man sich gut erholt, gerade wenn man jeden Tag an sein Limit geht.

Neben Mountainbike-Rennen startest Du hin und wieder auch bei Laufwettbewerben. Welche Schwerpunkte setzt Du in deinem Training und wie viel Zeit hast Du in die Vorbereitung auf Südafrika gesteckt?

Laufen mache ich eigentlich nur im Winter, weil es ein guter Ausgleich zum Mountainbike und Radfahren ist - und weil es mir einfach auch draußen zu kalt ist. Ich friere relativ schnell, und durch das Lauftraining kriegt man richtig gute Kondition.

Außerdem sitze ich im Winter oft im Cycling-Raum im Fitnesscenter. Im November hab ich mal drei Wochen Pause gemacht und von da an gezielt auf dieses Event in Südafrika einen Trainingsplan geschrieben, mich mit meinem Trainer zusammengesetzt und noch ne Leistungsdiagnostik gefahren, damit ich einfach weiß auf welchem Stand ich bin.

Man muss dann halt noch schauen, wenn man Vollzeit arbeitet, wie man das unter einen Hut bekommt. In der Vorbereitung bestand mein Leben dann eigentlich aus Arbeiten, Essen und Trainieren - Freunde und Privatleben kamen in dieser Zeit schon ziemlich kurz. Aber wenn man ein Ziel hat und was erreichen will, muss man eben auch mal da einen Schwerpunkt legen.

Die Zeit, die Du im vergangenen Jahr als Individual Rider erreicht hast, hätte im Teamwettbewerb zu Platz 5 gereicht. Dein Partner in diesem Jahr hat 2011 den dritten Platz erreicht und Du hast vorhin gesagt, dass ihr euch zu den Favoriten zählt. Das heißt das Ziel ist mindestens ein Podestplatz?

Ich weiß nicht ob wir uns selbst zu den Favoriten zählen, aber die Veranstalter machen das. Aber klar: wir haben schon hohe Ziele, wir wollen unter die Top 3 fahren. Aber bei der Cape Epic kann eben auch soviel passieren mit Defekten und anderen Sachen, dass man das nie so vorher sagen kann. Aber wir sind beide fitt und wenn wir gut durchkommen, ist auf jeden fall eine Top-Platzierung drin.

Das Rennen wird auch "Tour de France der Mountainbiker" genannt. Wie stark spielt das Thema Doping eine Rolle rund um das Cape Epic?

Es gibt jeden Tag Doping-Kontrollen. Die Etappensieger werden immer kontrolliert, dass heißt einer aus dem Team muss dann da hin. Zusätzlich werden noch Fahrer ausgelost. Letztes Jahr wurden die Zweitplatzierten in der Männerkategorie auch erwischt. Sie waren gedopt. Es ist im Radspot halt leider immer noch so, dass viele zu Mitteln greifen um Leistung zu bringen.

Gibt es während der Zeit in Südafrika auch mal Zeit zum Abschalten und als Belohnung im Anschluss ein paar Urlaubstage?

Wir sind natürlich ein paar Tage vorher da um uns an das Klima zu gewöhnen, denn da ist natürlich Sommer. Dann haben wir auch noch die Pressekonferenz am Freitag, wo die Top-Teams eingeladen sind. Während der Rennwoche kann man eigentlich gar nicht richtig entspannen, da steht man echt unter Dauerstrom. Nach der Rundfahrt sind wir noch ein paar Tage dort um einfach die Zeit zu genießen, noch mal runterzukommen und Südafrika noch ein bisschen anzuschauen.



Zur Person

Ann-Katrin Hellstern, genannt Anni, kommt aus Freiburg ist Ausdauersportlerin aus Leidenschaft. Als Läuferin und Mountainbikerin ist die 26-jährige seit Jahren aktiv. Neben ihrer Sport-Karriere arbeitet sie als Sportökonomin in einem großen Freiburger Sport- und Fitnesscenter.

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  [Fotos: via Anni Hellstern]