Anna Ternheim im Jazzhaus: Ein Abend mit der Stockholm-Nashville-Kooperation

Carolin Buchheim

Von einer einzelnen Glühbirne beschienen steht Anna Ternheim am Dienstagabend auf der Bühne des Jazzhaus und lässt ihre Stimme den Raum erfüllen. Wie der Gig der Schwedin war:



Hübsch heimelig ist die Jazzhaus-Bühne am Dienstagabend für Anna Ternheim hergerichtet. Im Goldrahmen steht das Cover ihres aktuellen Albums 'The Night Listener', davor ein Tisch mit Weingläsern und Kerzen, eine Oma-Wohnzimmer-Lampe, zwei samtbezogene Sessel. Ohne Band ist die Schwedin auf ihrer aktuellen Akustik-Tour unterwegs. Begleitet wird sie von Dave Ferguson, einem Country-Musik-Mann aus Nashville, Tennessee, wo gute Country-Musik-Männer nun einmal herkommen.

Mit Ferguson hat Anna Ternheim das Album in seiner Heimat aufgenommen, und in den Vorbereitungen zur Tour noch einmal eine kleine EP. "Only on vinyl, we're those kind of people!" sagt sie irgendwann. Und gut klingen sie, gemeinsam. Klang, Gefühl, Chemie zwischen der Schwedin an Gitarre und Klavier und dem Amerikaner an Kontrabass und Gitarre stimmen; Harmoniegesang, Wärme. Respektvoll sind sie miteinander, insiderisch in Witzen und Geschichten, zärtlich; irgendwann streicht Ternheim Ferguson im vorbeigehen vertraut über den Kopf.

Es ist ein Konzert ohne Schnickschnack, keine Show. Ternheims Stimme, weich, samtig, voll, erfüllt das volle Jazzhaus bis in den hintersten Winkel. "There will be a lot of sad songs tonight" erklärt sie eingangs, und das stimmt. Traurig sind die Lieder, von verlorenen Lieben und Einsamkeit, Musik von fünf Alben, ein paar Country-Klassiker. Das Publikum schmiegt sich aneinander, Paare üben sich im Heavy Petting und streicheln im Takt der Musik über ihre Körper.

Weit weg vom Mikro, fast unverstärkt und mit erfreulich wenig Hall singen Ternheim und Ferguson "Black light shines" als letzten Song gemeinsam, wieder nur beschienen von der einzelnen Glühbirne über der Bühne. Der Applaus danach ist wohlverdient, andauernd, Ternheims Freude darüber nahe gehend, ehrlich, ungefiltert. Anna Ternheim geht von der Bühne, das Licht geht an, Musik kommt aus den Lautsprechern, doch das Publikum klatscht und johlt und klatscht, bis Musik und Licht wieder aus sind, und sie dann doch noch eine allerallerletzte Zugabe spielt. Hach.

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