Anklage im Leerlauf

Jan Beck

Vorm BZ-Haus in der Bertoldstraße ist heute Mittag ein Aktionist auf der Stelle getreten. Frank Paul balanciert sein Rennrad auf drei Rollen und schimpft nebenher über die Tour de France. Jan hat zugeschaut.



Frank Paul war bereits badischer Meister (Querfeldein) und fährt in einem regionalen Team. Mit Dopingfahrern wie Matthias Kessler (von Astana am 11. Juli entlassen) hat Paul schon im Schwarzwald trainiert.


Der Aktionist bringt nach eigenen Aussagen eine Leistung von über 300 Watt und wäre somit in der Klasse der Tourstarter. Ist er aber nicht. Den Radsportfan macht die aktuelle Entwicklung der Tour de France wütend.



Zwischen gut und böse“ steht auf einem Schild vor den Rollen, auf denen er fährt. Böse ist, was Paul in diesem Sport erlebt haben will. Er bezeichnet sich zwar nicht als Insider, aber er habe genug gesehen: Dopende Profis, dopende Amateure, Gehaltsklasse egal, regional und international; Frauen mit tiefen Stimmen und extremer Behaarung. Matthias Kessler habe im Training aggressiv und überheblich reagiert. Paul führt das auf Kesslers erhöhte Testosteronwerte zurück.



Was will Paul mit dieser Aktion bezwecken? Das weiß er nicht. Er kann keine Antworten geben und hat keine Beweise für das, was er sagt. Immerhin bleiben einige Passanten stehen und begutachten Paul, der auf der Stelle tritt.

Er macht einen deprimierten und enttäuschten Eindruck. Den Sportgeist sieht er in Gefahr. Auf seinem Schild steht ziemlich kryptisch: „Aktuell 8 der Ehrenkodexe.“

Frank Paul fragt sich, was die Tour de France noch mit Sport zu tun hat. Mitte der 1990er-Jahre moserten manche Medien, die Tour sei zu lasch, woraufhin die Veranstalter mehr „Action“ forderten und die Tour erschwerten. Viele meinen nun, dass sie ohne Doping gar nicht mehr zu bewältigen sei. „Wie im alten Rom“, sagt Paul. „Brot und Spiele! Das wollen die Zuschauer, drum wird’s geliefert.“ Seine Bücher, Autogramme und Fanartikel zur Tour hat Paul weggeschmissen.