Anke Dallmann, Gemeinderätin

Claudia Kornmeier

Das Durchschnittsalter im neuen Gemeinderat liegt bei 52 Jahren. Simone Ariane Pflaum (Junges Freiburg) und Anke Dallmann (Freie Wähler) liegen deutlich unter diesem Durchschnitt. 28 Jahre sind beide alt und beide das erste Mal im Gemeinderat. Anders als Simone ist Anke erst kurz vor der Kommunalwahl in die Politik eingestiegen. Wie sie dazu kam, welche Motivation sie antreibt und womit sie sich neben ihrer politischen Arbeit beschäftigt:



Anke Dallmann spricht laut. Energisch. Wortreich. Die Dame am Nebentisch fühlt sich gestört. Ob es denn nicht ein bisschen leiser ginge, sie bekäme ja fast schon Ohrschmerzen. Anke Dallmann geht nicht darauf ein. Sie lässt sich nicht irritieren. Unterbricht ihren Satz nur kurz. Und fährt fort. Hochspannend sei die Arbeit im Gemeinderat. Zuweilen stressig. Und ohne Terminkalender überhaupt nicht mehr denkbar.


Gemeinderätin ist Anke Dallmann neben ihrem Vollzeitjob als Ausbilderin in einem mittelständischen Unternehmen. Ob die beiden Tätigkeiten schwierig miteinander zu vereinbaren seien? „Ich bin Herausforderungen gewöhnt.“ Eine Herausforderung nennt Anke auch ihr Leben mit der Behinderung Cerebralparese. Nicht einmal in den Sitzungssaal des Gemeinderats könne sie eigenständig gelangen. Der Hausmeister müsse jedes Mal ihren Rollstuhl die Treppe hinauf tragen. „Das Rathaus ist alles andere als barrierefrei. Aber es wird daran gearbeitet. Die Umbaupläne werden geprüft.“ Mit einer Gemeinderätin, die im Rollstuhl sitzt, sei das Thema akuter als zuvor.

Statt Behinderung verwendet Anke lieber den aus dem Englischen entlehnten Begriff Handicap: „Der Begriff Handicap ist viel weiter gefasst und viel weniger negativ besetzt als der sonst übliche Begriff Behinderung.“ In der deutschen Übersetzung bedeutet der Begriff Handicap allerdings nichts anderes als Behinderung.

Im Wahlkampf ist Anke offensiv mit ihrer Behinderung aufgetreten. Auf Wahlplakaten war sie im Rollstuhl zu sehen. Auf Flyern machte sie ihr „Handicap“ zum Thema. Dennoch möchte sie nicht über ihre Behinderung definiert werden. „Sozialpolitik, und dabei vor allem die Integration behinderter Menschen, ist mein großes Thema. Es sollte aber nicht zu sehr oder alleine im Mittelpunkt meiner Arbeit stehen.“

Während der Schule hat Anke ein Jahr in den USA verbracht. In Green Bay, Wisconsin. Eine Stadt von der Größe Freiburgs. Dort habe sie einen anderen Umgang mit ihrer Behinderung kennen gelernt. „Der Umgang war viel selbstverständlicher. Weniger geprägt von Ängsten und Unsicherheiten als in Deutschland.“ Diese Erfahrung hat Anke dazu bewogen, sich für einen offeneren Umgang mit Behinderungen in Deutschland zu engagieren.

Dass dieses Engagement einmal in ein politisches Mandat münden würde, war nicht absehbar. Zwar hat Anke schon in der Schule Politik als Leistungskurs gewählt, und das Zeitunglesen habe in ihrer Familie immer „dazugehört“.

Auch über den Vater Bernd Dallmann, ein bekannter städtischer Wirtschaftsförderer, besteht durchaus eine familiäre Verbindung zur Kommunalpolitik. Zu den Freien Wählern ist Anke aber erst kurz vor der Kommunalwahl gestoßen. Für die Vereinigung entschied sie sich, weil dort lokale Themen unabhängig von parteipolitischen Vorstellungen im Vordergrund stünden. „Die interfraktionelle Arbeit ist mir sehr wichtig.“ Wichtiger als ideologische Richtungen.

Anke stand auf Listenplatz 6. Im alten Gemeinderat war die Fraktion mit vier Sitzen vertreten. „Da rechnet man nicht unbedingt damit, gewählt zu werden.“ Zur Verkündung des Wahlergebnisses sei sie ein wenig zu spät gekommen. Das Radio habe sie auf dem Weg dorthin ausgeschaltet. „Ich liebe Überraschungen“, sagt Anke. „Als ich ankam, kamen mir die Leute schon entgegen und gratulierten. Ich war völlig platt.“

Anke ist in Freiburg geboren. Sie ist in Freiburg zur Grundschule gegangen. Hat am Wentzinger Gymnasium Abitur und bei TV Südbaden ihre Ausbildung gemacht. In Freiburg ist Anke ins Berufleben eingestiegen. Und nun in die Kommunalpolitik. Ob sie jemals mit dem Gedanken gespielt hat, aus Freiburg wegzugehen? „Ja. Ich hatte das eigentlich fest vor.“ Für eine Ausbildungsstelle und auch für den späteren Job habe sie sich deutschlandweit beworben. Am Ende fiel die Entscheidung immer wieder für Freiburg aus. Unglücklich scheint Anke über diese Fügung nicht.

Die Arbeit im Gemeinderat ist nicht Ankes einziges Ehrenamt. Nebenbei engagiert sie sich bei der Waldkircher Beschäftigungsgesellschaft (Wabe). Anke unterstützt dort als Patin Jugendliche bei der Arbeitssuche. Sie kontrolliert Bewerbungsunterlagen, begleitet zum Bewerbungsgespräch, hilft Formulare auszufüllen.

Bleibt neben all den Ehrenämtern und dem Vollzeitjob überhaupt noch Freizeit? „Ja. Ich versuche sie mir zu nehmen.“ Zeit für Freunde und Familie stehe dann im Vordergrund. Und das Reisen. Die letzte große Reise ging in die USA, zur ehemaligen Gastfamilie nach Green Bay.

Ankes Fazit nach den ersten Monaten im Gemeinderat: „Politik macht Spaß.“ Wenn es nach ihr ginge, dann würde sie im nächsten Gemeinderat wieder sitzen. „Aber das ist die Entscheidung der Wähler. Alles andere wäre anmaßend.“