Ani DiFranco: Die Musik in den Knien

Gina Kutkat

Ganz schön kompakt war das Musik-Paket, das es gestern Abend im Jazzhaus live zu sehen und zu hören gab. Ani DiFranco spielte in Freiburg und brachte ihre Lieblingsmusiker Hamilton On Trial und Anais Mitchell gleich mit. Beide sind bei DiFrancos Label unter Vertrag. Gina war für fudder dabei.



Ani DiFranco steht da, lächelt, nein strahlt. "I love my job. I am a lucky girl." Sie hat eine ihrer vielen Akustikgitarren umgehängt, die sie so klein und zerbrechlich aussehen lassen. Das Jazzhaus, das an diesem Abend zu gut zwei Dritteln gefüllt ist, hat eine Musikerin zu Gast, die ganz im Reinen mit sich selbst und mit ihrer Band ist. Das ist auch im Publikum zu spüren. Der Frauenanteil im Jazzhaus ist erwartungsgemäß hoch, schließlich ist DiFranco eine Frau, die man bewundern, anhimmeln und auch lieben kann.


Drei tolle Acts – Anais Mitchell, Hamilton On Trial und Ani DiFranco – spielen hintereinanderweg und überzeugen allesamt. Da fiel es am Merchandise-Stand schon schwer, nur mit einer CD nach Hause zu gehen. Anais Mitchell wärmte das Publikum mit ihren akustischen Songs auf. Süß und verspielt die Musikerin, sensibel und keck ihre Musik. Ihre Kindchen-Stimme passt zu den trippelnden Füßen, die nicht stillstehen können und den Lyrics Ausdruck verleihen.

Hamilton on Trial, der sympathische Spoken-Word-Rocker, der mit Mitte fünfzig mit Geist, Witz und großem Showtalent überzeugte und den Laden in Schwung brachte, spielte als zweiter. Seine One-Man-Show bestand aus bluesigen Rockstücken an der Akustikgitarre, Komödie und Theatralik. Mit dem Pussy-Song und der Werbung für seine Pro-Pussy-T-Shirts ging er an die Grenzen einiger Zuschauer.

Ani DiFranco, der Hauptact des Abends, spielt einige Songs ihres 2006er Albums "Knuckle Down" (Manhole, Sunday Morning, Modulation), "Alla This" und Emancipated Minor" des aktuellen Albums "Red Letter Year". Größtenteils Folksongs sind das, die mal intim von kleinen Geschichten des Lebens erzählen, mal offiziell die Missetaten der Politik anprangern. Ausbrüche in rockige und poppige Stilecken nicht ausgeschlossen. DiFranco, die ihre Technik als Gitarristin mit Fingeraufsätzen verfeinert, beherrscht ihr Instrument aus dem Effeff. 18 Jahre Live- und Studioerfahrung haben ihre Spuren hinterlassen.

Ani DiFranco und ihre Art sich zu bewegen sind ein Kapitel für sich. Jede Note, jeder Taktwechsel und jede andere Überraschung in den Songs werden von ihr durch Bewegungen verstärkt. Ihre markanteste Geste ist das Knie, das sie karatemäßig in die Höhe kickt, um sich im nächsten Moment voll und ganz den Sounds ihrer Band hinzugeben. Ruckartig springt sie vorm Mikrofon zurück und rockt mit Schlagzeugerin Alison oder ihrem Kontrabassisten, oft auch mit dem Rücken zum Publikum.

Die Rhythmusgruppe besteht aus einem Percussionisten, der außerdem ein Vibraphon bedient. Die vier Musiker spornen sich gegenseitig zu ausgiebigen Instrumentalmomenten an und spielen mal forte, mal piano um sich anzuheizen. Ein bisschen zu viel des Guten, denn weniger ist manchmal eben mehr. In manchen Momenten wünscht man sich eine Reduzierung der Instrumente, denn schließlich reicht Anis Stimme aus, um einen Raum zu füllen.

"Both Hands", die schöne Ballade von DiFrancos erstem Album, verschwindet fast hinter den lauten Drums und die wunderschönen Zeilen "I am writing
graffiti on your body/ I am drawing the story/ of how hard we tried/ your bones have been my bed frame/and your flesh has been my pillow" gehen ein wenig unter.



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