Angriff von Rechtsaußen: Ronny Blaschke über Rechtsextremismus im Fußball

Thalia Hirsch

Der Sportjournalist Ronny Blaschke (30) beschreibt in seinem Buch "Angriff von Rechtsaußen", wie Rechtsradikale die Fußballkultur für ihre politischen Interessen instrumentalisieren. Thalia hat für fudder mit ihm gesprochen.

Dass Ronny Blaschke 2001 anfing, Sport und Politik zu studieren, war kein Zufall. Er erkannte eine enge Verbindung zwischen diesen beiden Bereichen. Bald fiel ihm auf, dass rechte Parolen im Stadion selbst zum Ausdruck kommen – und nicht nur das, Rechtsradikale werben auch in der Fankurve neue Mitglieder.


Blaschke recherchierte über Jahre, beobachtete Vereine und deren Fangruppierungen und interviewte Neonazis, die den Fußball zu ihrer Angriffsfläche machen. Besonders den Verein 1. FC Lokomotive Leipzig nahm der freie Journalist genau unter die Lupe, um herauszufinden, wie Rechtsextremisten ihre Mitglieder und Wähler durch den Fußball anwerben können.
In einem Leipziger Fanprojekt beobachtete er, wie sich NPD-Mitglieder trafen und wie diese versuchten, politisch noch orientierungslose Jugendliche für ihre Zwecke zu gewinnen.

Blaschke sah, wie sich Fans während eines A-Jugend-Spiels zu einem Hakenkreuz formierten und bei Pflichtspielen Fankleidung mit rechtsextremen Symbolen und Schriftzügen verteilt wurden.
„Ich habe Zugehörigkeit gefunden, die ich woanders nicht bekommen konnte. In der Gruppe fühle ich mich immer etwas größer“, zitiert Blaschke einen ehemaligen NPD-Stadtratskandidaten Leipzigs und Mitglied bei den Ultras.



In „Angriff von Rechtsaußen“ hat Blaschke eine Vielzahl verschiedener Stränge zusammengeführt: Ein NPD-Funktionär, der gleichzeitig in der Kreisliga C als Schiedsrichter arbeitet und jede Woche gegenüber Vereinen mit hohen Ausländeranteilen als der Unparteiische auftritt. Der Versuch der NPD einen Fanklub in Lübeck zu gründen. Die Meinung von Spieler wie Halil Altintop, der türkische Wurzeln hat.

Blaschkes hat für sein Buch nicht verdeckt recherchiert, sondern potenziellen Interviewpartnern klar und deutlich gesagt, worum es geht. Trotzdem bekam er auf fast alle Anfragen positive Antworten, fast jeder Neonazi, den Blaschke ansprach, erklärte sich zu einem Interview bereit. Vielleicht noch überraschender: Nach dem Erscheinen des Buches gibt es keine Beschwerden über falsche Zitate oder Verfälschungen in der Aussage. Das mag daran liegen, dass Blaschke keine Dramatik, keinen Skandal dazugedichtet hat. „Die Wahrheit an sich ist doch schon krass genug“, findet er.

Sein Buch gibt ihm Recht, es erzählt davon, wie braune Politiker, oft unerkannt, aber vielmals nur ignoriert, fußballbegeisterte Jugendliche und junge Erwachsene über den Umweg des Sport-Events erreichen. Mit Grillfeiern, Musikfesten und einem Zusammenhalt, der über das Fußballschauen und Choreografie-Basteln hinausgeht, bieten viele Neonazis einigen Fans das Umfeld, das diese sich wünschen. Nebenbei vermitteln sie dabei braune Ideologien und bringen die Fußballfans oftmals dazu, bestimmte Rechtsextremisten zu wählen.

Blaschke ist der Meinung, dass jeder Verein die Chance nutzen sollte, ein Fanprojekt aufzubauen, um Jugendliche bereits vor dem Abdriften in schiefe Bahnen zu erreichen. Auch der SC Freiburg, so Blaschke, sollte sich dieses Thema eines potenziellen Fanprojekts trotz der vorherrschenden Diskussionen noch einmal genauer durch den Kopf gehen lassen.

Mehr dazu:

Ronny Blaschke
Angriff von Rechtsaussen - Wie Neonazis den Fußball missbrauchen
Verlag Die Werkstatt, 2011
224 Seiten
16,90 Euro
ISBN 3895337714