Andachtsvoller Operngesang

Lorenz Bockisch

Am Morgen des Finales haben die zwei Freiburger Opernsänger Nicole Chevalier und Derrick Lawrence zur Matinee "From Händel to Harlem" geladen. Die beiden diesjährigen ZMF-Klassik-Preisträger taten im ersten Teil das, was sie am besten können: Arien aus Opern darbieten.Zur Begleitung des sehr guten Pianisten Johannes Knapp begannen sie mit Stücken von Händel, Puccini und dem in diesem Mozartjahr unvermeidbaren Salzburger. Mal abwechselnd, mal im Duett, füllten sie das voll besetzte Spiegelzelt mit ihrem strahlend-mitreißendem Gesang.Der Übergang zur im Programmtitel angekündigten Gospel-Moderne lief über textlich unterhaltsame Lieder von Aaron Copland ("I bought me a cat") und Leonard Bernstein ("I hate music"). Dort angekommen überraschten die beiden mit swingfrei arrangierten Klassikern wie "This little light of mine" und "He's got the whole world in his hands", deren liederabendhafte Darbietung sehr ungewohnt war. Einzig bei einem Song brachte der gebürtige US-Amerikaner Derrick Lawrence ein paar Füße zum Wippen, während der Rest des zweiten Teils eher andachtsvoll war und dafür entschädigte, nicht in einen Gottesdienst gegangen zu sein.Durch mimik- und gestenreich dargebotene Oldies wie das oscarprämierte "Somewhere Over The Rainbow" und den unverwüstlichen Gershwin-Schlager "Summertime" bewiesen die beiden zwar ihr umfangreiches Repertoire, aber stellten auch klar, dass ihre musikalische Heimat eindeutig auf der Opernbühne ist. Gospellieder, die mit arienhaftem Vibrato gesungen werden, schmeicheln in einem tropischen-warmen Zelt zwar den noch nicht ganz erwachten Ohren, hinterlassen aber den Eindruck, dass zwei klassisch ausgebildete Sänger dem Publikum beliebte Stücke verkaufen wollten, die einfach einzustudieren sind.