Interview

An der Uni Freiburg gibt’s am Mittwoch erstmals ein "Historisches Quartett"

Fabian Vögtle

Ein bisschen TV-Atmosphäre im Hörsaal gibt es am Mittwochabend an der Uni Freiburg. Zum "Historischen Quartett" lädt Ulrich Herbert zwei Historiker und einen Publizisten. Es geht auch um die RAF.

BZ: Das Literarische Quartett ist Kult. Jetzt probieren Sie an der Uni mit dem Historischen Quartett eine Kopie davon. Vier Historiker sitzen auf Sesseln und streiten über Werke von Kollegen. Das wirkt auf den ersten Blick ein bisschen wie aus der Zeit gefallen.

Herbert: Das sehe ich nicht so. Das ist ein abwechslungsreiches Format, um über zeitgeschichtliche Themen zu diskutieren und es unterscheidet sich eben vom klassischen Vortrag oder von einem Kolloquium. In München und Potsdam ist das bereits auf großes Interesse gestoßen – sowohl bei Studierenden als auch älteren Semestern. Das klappt in Freiburg sicher auch. Übrigens gibt es in der Uni gar keine Sessel. Wir sitzen auf Stühlen.

"Das soll durchaus kritisch sein und auch polarisieren."


BZ: Wie genau läuft der Abend ab?
Herbert: Das klassische Vorbild ist natürlich das Literarische Quartett mit Marcel Reich-Ranicki. Aber ich werde ihn weder imitieren noch kann ich ihm das Wasser reichen. Jeder der vier Teilnehmer stellt ein aktuelles Buch zur Zeitgeschichte vor, über das wir im Anschluss rund 20 Minuten diskutieren. Was sind die offenen Fragen? Wo sind die Leistungen und Defizite der Publikation? Das soll durchaus kritisch sein und auch polarisieren.

BZ: Welche Themen stehen diesmal im Mittelpunkt und wird das Historische Quartett zur Freiburger Institution?
Herbert: In unserem Rezensionsgespräch bewegen wir uns zwischen den beiden Polen 100 Jahre Oktoberrevolution und 50 Jahre 68er-Bewegung. Ich freue mich besonders auf die Debatte über das Buch von Gerd Koenen zur Geschichte des Kommunismus und die Arbeit von Petra Terhoeven über die RAF im internationalen Kontext. Wenn es klappt und interessant ist, machen wir das in Zukunft gern häufiger. Das ist nur der Aufschlag.
Termin

Das Historische Quartett findet am heutigen Mittwoch, 24. Januar 2018, um 18 Uhr im Hörsaal 2004 im KG II, Platz der Alten Synagoge 1, statt. Mit Ulrich Herbert vom Lehrstuhl für Neuere und Neueste Geschichte diskutieren die Historiker Dietmar Neutatz (Freiburg) und Christina Morina (Amsterdam) sowie der Journalist Stefan Reinecke (Berlin).