An der Absperrung: Papstgucken in der Herrenstraße

Carolin Buchheim

In der Innenstadt herrscht am frühen Abend festtägliche Stille, die Bahnen stehen still am Bertoldsbrunnen. Und in der Herrenstraße drängeln sich Menschen, ganz sanft und leise, an einer Polizeisperre. Kommt er da etwa? Der Papst?



18:45 Uhr, Herrenstraße. SCHRAPP!- SCHRAPP!- SCHRAPP!- SCHRAPP! "Da oben!" Die Köpfe der rund achtzig Menschen, die an der weißen Plastikstraßenabsperrung auf der Herrenstraße stehen, recken sich zum Himmel. SCHRAPP!- SCHRAPP!- SCHRAPP!- SCHRAPP! macht dort oben ein Hubschrauber.


"Das war heute mittag auch so", sagt eine grauhaarige Frau. "Erst kam der Hubschrauber, und dann kam der Papst!"



"Darf ich eigentlich 'Buh'-Rufen, wenn er kommt?"
fragt ein großer dünner Mann seine Begleiterin in der Menge. "Würdest Du das machen, wenn der Dalai Lama käme?" "Ist der auch so ein Schwulenhasser?" entgegnet der Mann. "Okay, gewonnen", sagt sie.

Der Hubschrauber kreist weiter hoch oben am Himmel. SCHRAPP!- SCHRAPP!- SCHRAPP!- SCHRAPP! Auf der anderen Seite der Absperrung stehen einige Dutzend Polizisten, etwas weiter diverse große schwarze Autos, ein Krankenwagen, weitere Fahrzeuge. Plötzlich tut sich dort etwas, emsige Aktivität. Menschen laufen herum, sprechen in Funkgeräte, steigen in Autos. Die Zuschauer recken erst die Köpfe in die Höhe, dann die Hände, dann die Kameras.

Denn da ist er, der Papst, tatsächlich, im zweiten schwarzen großen Auto; es ist mit Vatikanfähnen dekoriert. Er winkt, ein Mal, zwei Mal in Richtung Absperrung. "Buuuuuuh!" ruft der große, dünne Mann, übertönt von den Klickimitatgeräuschen der Digitalkameras und dem freundlichen Grußjohlen der anderen Schaulustigen. Und dann ist er schon weg, der Papst, begleitet vom Hubschrauber. SCHRAPP!- SCHRAPP!- SCHRAPP!- SCHRAPP!