Amon Amarth erobert die Schweiz

David Weigend

Amon Amarth, Obituary und Legion of the Damned - ein gewichtiges Dreierpack, das gut 1500 Metalfans gestern Abend im ausverkauften Z7 bei Basel abgefeiert haben. Auch wir waren bei dieser "Full of Hate"-Tour zu Gast - um einmal mehr festzustellen, dass sich in der Welt des Heavy Metal kaum etwas ändert, zur Freude der Zuschauer.



Legion of the Damned

Das niederländische Thrashquartett Legion of the Damned wird momentan rege beworben. Im Februar durfte Sänger Maurice Swinkels mit Mille von Kreator und blutigem Metzgerbeil auf dem Cover des Metal Hammer posieren, das Label Massacre Records lässt im Z7 Gratis-CDs der Verdammtenlegion verteilen.

Optisch setzen die vier Männer auf Bewährtes. Wie sie auf besagter Promo-CD als Gehängte am Galgenstrick posieren, das kennt man schon von der 1990er Scheibe „Cause of Death“ von Obituary, die später noch auftreten werden. Die zwei Gekreuzigten im Bühnenbild hat man auch schon bei so manchen Dimmu Borgir-Shows rumhängen sehen.



Was die vier bangenden Wischmopps bieten, ist einfacher Thrash der alten Schule. Einen Innovationspreis werden sie dafür nicht kriegen, dafür den Zuspruch vieler Hörer, die auf Titel wie „Malevolent Rapture“ und „Feel the Blade“ abfahren. Schlagzeuger Erik Fleuren hat einen ordentlichen Bums, aber die Songs wirken mit der Zeit arg monoton. „I feel fuckin’ aggressive. Are you guys in the same mood?“, vergewissert sich Frontkreischer Swinkels beim eher verhaltenen Auditorium.

Immerhin der Besucher mit dem T-Shirt „I don’t discriminate – I hate everyone“ dürfte diese Frage bejahen. Eine zweite Gitarre würde der Legion gut tun. Wenigstens beim Abschluss „Bleed form me“ vibriert wieder die leere Bierbüchse in der Metalfanhand. So muss es sein.



Obituary

Der Floridafünfer schlachtet sich seit nunmehr 20 Jahren durch die Untotengruft des Death Metal und hat ein, zwei Meilensteile abgeliefert, etwa das Album „Slowly we rot“, einen Titel, der auch im Z7 zum Abschluss kredenzt wird. Davor liefern die Tardybrüder ein meistenteils provozierend schleppendes Set. Fast schon Doom.

Obituary 2009, das klingt wie eine Walze, die langsam, aber unerbittlich eine Horde Zombies plattmacht. Ein vorübergehend invalider Zuschauer hebt anerkennend seine Krücken, für andere hätte die Songauswahl insgesamt etwas schneller ausfallen dürfen. Dennoch: die Bissigkeit und die Rotzigkeit der Riffriesen Santolla und Peres sind immer noch etwas Besonderes. Vor allem Santolla erweist sich nach dem Gig als Strahlemann und posiert bestens gelaunt für Fotos mit Fans.



Amon Amarth

Bevor der Headliner auftritt, ziehen die Fans noch mal ihre Kriegsbemalung unter den Augen nach und füllen die mitgebrachten Trinkhörner. Amon Amarth haben sich spätestens mit der Veröffentlichung ihres aktuellen Albums „Twilight of the Thunder God“ in die erste Härtnerliga gespielt.

Die fünf Schweden sind nicht nur begabte Musiker, sie vertreten auch das Image ihrer Vorfahren, also der schlachtentrunkenen Wikinger, die mit Odin an ihrer Seite in den Kampf ziehen. Man bedient sich thematisch der nordischen Mythologie und der reichen Bilderwelt der Edda – Asgard, Walhalla, Loki, Hermoor, das alldies gern angenommen wird bei Metalfans wissen wir nicht erst seit dem Erfolg von schwedischen Bands wie Unleashed.



Die Wikingerkogge nimmt im Laufe des Gigs ordentlich an Fahrt auf und schippert vor ausverkaufter Halle auf einem 90-minütigen Eroberungskurs. Sänger Johan Hegg hat sich, ganz Rübezahl, seit geraumer Zeit nicht mehr rasiert, weder unter den Armen noch im Gesicht. Der Aggrogimli brüllt, raunzt und growlt, betont das Wort „Pratteln“ mit der Grandezza des Warmasters, der vom Schauplatz einer siegreichen Schlacht spricht.



Das gefällt den Zuschauern. Sie stimmen ein: „Fate of Norns“, „Ride for Vengeance“, „Death in Fire“ und natürlich „Pursuit of Vikings“. Eine Götterdämmerung mit gutem Sound und beachtlicher Lightshow. Das Gitarrenduo Mikkonen/Söderberg posiert in bester Maidenmanier und platziert die Soli punktgenau auf 100 Dezibel. „Superkonzert. Schade nur, dass Amon Amarth nicht ihr Schiff auf der Bühne hatten. Na ja, in Wacken dann wieder.“



Verbieten?

Auf der Full of Hate-Tour wird so viel Gewalt und Blutvergießen kommuniziert, dass es nicht mal ins Komplettangebot des gutsortierten Horror-DVD-Verleihs passen würde. Eigentlich wäre es zu befürchten gewesen, dass gerade jetzt, nach den Morden von Winnenden, einmal mehr die Jugendschützer auf den Plan treten würden mit der Forderung nach Zensur.



Man kommt jedoch nach dem Besuch in Pratteln nicht umhin, die friedlich-freundschaftliche Atmosphäre zu betonen, in der das in erster Linie junge Publikum die Auftritte der vermeintlichen Hass-Schürer zelebriert hat. Harte Musik mit derben Texten, ja. Aber gleichzeitig auch Sanftmut im Umgang miteinander. Ein Widerspruch, der auf Metalkonzerten in der Regel zu beobachten ist.

Sicherlich auch wieder am 18. Juli. Den Organisatoren von "Baden in Blut" ist es heuer gelungen, die großartige Band Benediction als Headliner zu buchen. Darauf heben wir schon jetzt das Horn!