Amie Street: Unbekannte Musik für Umsonst

Carolin Buchheim

Musik bekommt man Online entweder für umsonst von illegalen p2p-Netzwerken; Filesharing Services oder Musikblogs oder man kauft sie, legal, bei einem der vielen Online-Musik-Läden. Im Online-Musik-Laden Amie St hingegen gibt es Musik für Umsonst. Zumindest so lang, wie ein Song noch unentdeckt ist. Gerade ist Amie Street in die Beta-Phase gestartet.

Auf den ersten Blick sieht Amie Street nur wie eine weitere mp3-für-Umsonst-Websites von unentdeckten Künstlern aus; Davon gibt es viele, und die Musik die man dort findet, gehört meist in die Kategorie ‚Manche Dinge dürfen gerne unentdeckt bleiben’.


Amie Street unterscheidet sich von diesen Börsen in einem grundlegenden Punkt: Ein Track ist bei Amie Street nur so lange umsonst, bis er von ausreichend Usern entdeckt wird.
Je mehr User einen Track kaufen, desto teurer wird er; Der Höchstpreis beträgt dabei pro Track 98 Cent (US$). Bei Amie Street kann man daher eine unbekannte, legale mp3 für 1 Cent und ein mp3-Album auch einmal zu 15 Cent kaufen. Bevor man kauft kann man lange Samples hören, und, besonders toll: Alle Tracks sind DRM-frei. Hurra.

Wie jedes Web 2.0-Ding hat auch Amie Street einen Community-Aspekt: Man kann ein Profil erstellen, ‚Freundschaften’ schließen, die selbst gekauften Tracks empfehlen und erhält, wenn der Song nach der Empfehlung vermehrt gekauft wird, im Gegenzug Credit. So erhält ein User für die Empfehlung eines Songs, den er umsonst herunter geladen hat, und der auf 98 Cent angestiegen ist, 98 Cents Credit, mit dem er Songs bei Amie Street kaufen kann.



Auch für Musiker und Bands ist Amie Street interessant: Jeder Künstler kann Tracks zur Verfügung stellen, die unmittelbar danach zum Download für User zur Verfügung stehen. Er muss sich nicht exklusiv an Amie Street binden, kann die Tracks nach belieben entfernen und erhält 70% des Erlös, der mit dem Verkauf seiner Musik erzielt wird.
Neben Plattenlabels wie die Nettwerk Music Group (Sarah McLachlan, Barenaked Ladies) nutzen auch semi-bekannte, durch Blogs gepushte Bands wie Asobi Seksu Amie Street.

Leider ist die Amie Street Website nocht nicht sonderlich hübsch und eher unintuitiv gestaltet, man verirrt sich zwischen lauter Kategorien Seiten, die wie Blogs aussehen. Es fällt als neuer User schwer, all’ die kostenlose, unbekannte Musik auch tatsächlich zu finden. Solche Mängel kann man in der Beta-Phase aber noch hinnehmen.

Zwei Sachen scheinen die Betreiber wohl nicht bedacht zu haben: Zum Einen kann eine Musik-Community wie Amie Street, deren Musikauswahl begrenzt ist, nie so lebhaft und interessant werden, wie eine 'grenzenlose' Musik-Community wie last.fm. Zum Anderen: Je besser, je bekannter und je öfter verkauft ein Track ist, desto leichter ist er illegal im Netz auf p2p-Systemen oder Musikblogs zu finden, und desto weniger dringend muss man ihn für 98 Cent bei Amie Street kaufen. Nun ja.

Interessante ist das Konzept von Amie Street auf jeden Fall. Jetzt muss nur noch Etwas interessanteres 'draus werden.

Mehr dazu:


Amie Street:
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