Nachtleben

Am Wochenende steigt das erste Freiburger Festival der elektronischen Kulturen

Valentin Heneka

Techno, Psytrance, Drum’n’Bass und mehr: Am Wochenende wird Freiburg um ein Festival reicher – dem ersten Festival der elektronischen Kulturen im Freizeichen und im Südufer. Die Organisatoren erklären im Interview, was es damit auf sich hat.

Was ist die Idee hinter dem Festival der elektronischen Kulturen?

Benedikt Heudorfer: Die Idee ist angelehnt an den Karneval der Kulturen, bei dem unterschiedliche künstlerische Ausdrucksformen aus diversen Kulturkreisen verbunden werden. Das übertragen wir auf die Welt der elektronischen Musik, deren Diversität wir feiern wollen.

Wie kam das Line-Up zustande?

Dennis Schwaiger: Wir wollten hinsichtlich der Genres ein breitgefächertes Angebot bieten, statt uns wie andere Festivals auf spezielle Subgenres zu konzentrieren. Wir haben uns überlegt, welche Genres vertreten sein sollen und die entsprechenden Freiburger Crews angehauen. Sie sind ja auf ihrem Gebiet schon Experten, also übernehmen sie autonom die Ausgestaltung eines Floors für einen Abend. Wie das Artik ist das Festival als Plattform konzipiert.

Benedikt: Gerade vor dem Hintergrund der Diskussion um fehlende Räume und subkulturelles Potential wollen wir auch das vielfältige Engagement der lokalen Crews hervorheben.

"Es bietet auf jeden Fall die Chance, elektronische Genres kennenzulernen, die man bisher noch nicht kennt." Dennis

Also richtet sich das Festival auch an Leute, die bisher nicht so tief in der lokalen Szene stecken?

Dennis: Es bietet auf jeden Fall die Chance, elektronische Genres kennenzulernen, die man bisher noch nicht kennt. Fans der Bretterbude können am selben Abend beim Dub-Floor der Digital Steppaz hineinschnuppern.

Benedikt: Wir hoffen, dass auch Leute kommen, die sich noch nicht so gut auskennen und Orientierung im Freiburger Nachtleben suchen oder selbst aktiv werden wollen. Für sie bieten wir auch die DJ- und Live-Performing-Workshops am Samstagnachmittag an.

Was gibt es sonst im Tagesprogramm?

Benedikt: Der Hof wird tagsüber vom Traumschmiede-Kollektiv bespielt, drinnen finden die Workshops statt. Neben DJing und Performing gibt es einen Bewegungsworkshop sowie eine Kampfkunstshow mit Kalaripayattu, einer Kampfsportart aus dem indischen Kulturkreis, am frühen Abend.

Dennis: Beim Siebdruck kann man selbstmitgebrachte Kleidungs- oder Stoffstücke mit verschiedenen Festival-Designs, den Logos verschiedener Crews und dem Artik bedrucken. Es gibt aber auch Shirts vor Ort. Kulinarische Unterstützung kommt von Mohrentopf und RoR-frei, einen Eisstand vom Café Ruef gibt es auch.

Benedikt: Nicht zu vergessen den Salon der Liebe, bei dem man sich massieren und Glitzertattoos und viele weitere Überraschungen machen lassen kann.

"Wenn Freiburg es will, wird ein regelmäßiger Termin."Benedikt

Auf Facebook gab es vor einigen Wochen Kritik daran, dass die Crews überwiegend aus männlichen DJs bestehen. Wie viele Frauen legen letztlich auf dem Festival auf?

Dennis: Im Line-up stehen momentan zwei Frauen. Zudem sind, wenn ich richtig überschlagen habe, sechs nicht-cis Männer vertreten. Es gab interne Diskussionen, aber uns war wichtig, den Crews nicht von oben vorzugeben, wen sie zu buchen haben.

Benedikt: Ich kann in diesem Zusammenhang nur mein Statement auf Facebook wiederholen. Das Festivalkonzept basiert auf den autonomen Crews, auch um Orga-Aufwand zu sparen. Für die hatten wir gewisse Vorgaben, wie ihre Größe, Professionalität und eine einheitliche Linie in der Musik. Da gibt es einfach keine weiblich dominierten Crews. Zu dem Zeitpunkt, als wir bei den anderen Crews angefragt haben, hat auch das femBPM-Kollektiv noch nicht existiert. Es gibt aber generell nicht genug weibliche DJs.

Wird das Festival ein regelmäßiger Termin oder eine einmalige Sache?

Benedikt: Schauen wir mal, wie es läuft. Wenn Freiburg es will, wird ein regelmäßiger Termin.
Zu den Personen:

Dennis Schwaiger, 27, legt als Dubisfaction auf, ist Mitglied der Mighty Pressure Crew und arbeitet als Veranstaltungsmanager im Artik.

Benedikt Heudorfer, 31, ist Initiator des Festivals der elektronischen Kulturen und Mitglied des Kollektivs Southern Sessions.

Was: Festival der elektronischen Kulturen mit Mighty Pressure Crew, Van Goetz & Michael Ellis, Bretterbude, Digital Steppaz, Traumschmiede, Bam Records, Southern Sessions und Reach Another System
Wann: Freitag, 24. Mai 2019, 23 Uhr und Samstag, 25. Mai, 14 Uhr
Wo: Freizeichen (Artik) und Südufer

Facebook-Veranstaltung: Festival der elektronischen Kulturen