Am Wochenende ist "Rock am Bach" in Kirchzarten – Erinnerungen ans erste Festival

Benjamin Wissing

Am Wochenende findet "Rock am Bach" in Kirchzarten statt. Das Festival zweier Jugendzentren gibt’s seit 11 Jahren. Fudder-Autor Benjamin Wissing war beim ersten Mal dabei – und erinnert sich.

Über ein Jahrzehnt ist es her, dass das erste Rock am Bach Festival auf dem Engenwaldgelände in Kirchzarten vom Autonomen Jugendzentrum (AJ) Kirchzarten und dem Autonomen Jugendcenter (AC) Burg auf die Beine gestellt wurde.


Vor ziemlich genau 11 Jahren traf ich mich mit meinen damaligen besten Freunden in einer Dachgeschosswohnung in der Günterstalstraße. Bewaffnet mit Rasierer, Haartrockner, Bleiche, Haarfarben und zig Dosen des stärksten Haarsprays, das der Drogeriemarkt hergab, frönten wir einem Ritual, das wir so beinahe jedes zweite Wochenende zelebrierten.

Die einen rasierten sich nur die Seiten nach, während sich andere gleich ihres gesamten Haupthaars entledigten. Gestylt wurden die Irokesen-Schnitte mit dermaßen viel Haarspray, dass der Look problemlos mehrere Tage und Nächte überstand – vorausgesetzt, man achtete penibel auf die richtige Schlafposition.

Verdammt, sahen wir gut aus!

Treffpunkt für die gemeinsame Anreise nach Kirchzarten war der Hauptbahnhof. Schon von Weitem konnte man ein ganzes Rudel Bunt- und Kurzhaariger auf dem Bahnsteig sehen. Kassettenrecorder, Bierdosen, laute Musik und verstörte Blicke der Bahnangestellten – unbezahlbares Gefühl.

Ob wir uns bei dieser und anderen "Auswärtsfahrten" einen Fahrschein kauften? Sagen wir mal so: Welcher Schaffner kontrolliert schon ein ganzes Abteil mit angetrunkenen Punks – wegen drei Stationen?

Entgegen der sonstigen Gepflogenheit, irgendwie umsonst auf das Konzertgelände zu kommen, bezahlten wir in Kirchzarten brav unseren Eintritt. Schließlich waren die Organisatoren Teil unseres Freundeskreises und wir hatten aus erster Hand erfahren, mit wie viel Herzblut die Jungs und Mädels vom AJ Kirchzarten und AC Burg bei der Sache waren. Warum gerade dieses Festival ein derartiges Highlight darstellte, hatte mehrere Gründe.

Erstens war es in unserer Nähe – normalerweise mussten wir jedes Wochenende mehrere Stunden in Regionalzügen verbringen, um einigermaßen gute Konzerte besuchen zu können, denn schon damals war das Angebot an Punk-Konzerten in Freiburg und Region sehr überschaubar.

Der zweite Grund hieß RubberSlime. Ein Zusammenschluss der Deutschpunklegende Slime (Deutschland muss sterben, Bu****schweine, 1,7 Promille Blues) mit den Rubber Dolls (völlig unwichtig). Als Schmankerl gab es die Broilers obendrauf, die damals allerdings noch keinen Rock-Indie-Liedermacher-Sound fabrizierten, sondern feinsten Oi-Proll-Punk spielten.

Das Festival hielt, was es versprach

Dorfjugend mischte sich mit Auswärtigen, Bier war billig, Pogo und Moshpit war geil, die Mukke laut und alle waren furchtbar betrunken und gut gelaunt.

Das Rock am Bach wird nach wie vor vom AJ Kirchzarten und vom AC Burg in Eigenregie organisiert, vielleicht etwas professioneller und mit weniger Punk-Faktor als in den Anfangstagen, aber immer noch vom Do-it-yourself-Gedanken getragen.

Wie es mittlerweile ist, kann ich ich nicht sagen. Mein erstes war auch mein einziges Mal auf dem Festival. Warum ich dennoch eine Empfehlung zum Besuch des Festivals ausspreche? Ganz einfach: Hier organisieren Jugendliche selbstständig ein Festival, das regionalen Bands die Möglichkeit eines Auftritts gibt und gleichzeitig immer mal wieder einige Kracher-Acts ins Dreisamtal holt.

Für ein mehrtägiges Festival ist das Rock am Bach ziemlich günstig. 16,50 Euro für zwei Tage und zehn Bands können sich durchaus sehen lassen.
Der erste Festivaltag steht unter dem Motto "Modern Friday" der Zweite unter "Rock'n'Roll Saturday". Es spielen zum Tanze auf:
  • Freitag, 2. September - The Fat Badgers (Elektro-Funk-Soul Mix), FABER (Folk/Singer-Songwriter), Brothers of Santa Claus (Indie), East Sister (Indie-Pop), The Skaletons (Ska).
  • Samstag, 3. September - The Caezars (50s Rockabilly & 60s Garage R'n'R), The El Sonno Brothers (50"s Rock'n'Roll), King Automatic (One Man Rock'n'Roll), Mini Magnet (GitarrengottSurfTapeRecorderRock), Michael Oertel Trio (Blues, Pop, Rock).
Zum ersten Mal gibt es in diesem Jahr einen Shuttle Bus, der um 1 Uhr vom Festivalgelände direkt zum Freiburger Hauptbahnhof fährt.