Am Samstag spielt Oskar Offermann in der Passage46

Bernhard Amelung

Oskar Offermann ist für fudder-Redakteur Bernhard Amelung einer der weltbesten DJs. Am Samstag spielt Offermann in der Passage46. Bernhard freut sich - und erinnert sich an seine liebste Offermann-Geschichte. Damals, als der DJ ihm harte Drogen aus der Schweiz andrehen wollte...



"Willst du ein Ricola? Alle nehmen das." Der Kerl, der mich das fragt, lacht. Aus seinem Lachen spricht Warmherzigkeit. Es schafft sofort Vertrauen. Stunden zuvor haben wir uns über Facebook verabredet. Berlin, Watergate, Waterfloor, vorne, beim DJ-Pult. Dort, wo die Stimmung immer auf dem Höhepunkt ist. Auch an diesem Samstagabend im Februar 2010.


Um mich herum tanzen und schreien die Leute. Jungs und Mädels ziehen ihre Oberteile aus. Manche tanzen fast nackt. An den Plattenspielern steht Dor Levi, Wahlberliner aus Tel Aviv, Betreiber des Houselabels Laid. Er legt knochentrockenen House auf. Die Bassdrums drücken und pumpen. Sogar der Nerd in mir will tanzen.

"Willst du wirklich kein Ricola? Hier geht nichts ohne Ricola." Da ist sie wieder, die warme Stimme des baumlangen Kerls mit dem Rasputinbart, der Oskar Offermann heißt und mit WHITE ein Liebhaberlabel für elektronische Musik führt. Was meint er nur mit Ricola? Darunter kann ich mir nichts vorstellen. Zuletzt war ich vor einem halben Jahr in Berlin. Damals, im September 2009, waren alle auf Keta. Und jetzt ist Ricola der neue heiße Scheiß? Vielleicht sollte ich das auch nehmen, was auch immer es ist. Mit diesen Gedanken stehe ich da. Auf der Tanzfläche des Waterfloor, im Watergate.

Ich schaue durch die Panoramafenster, raus auf die Spree. Ich bin gerade 30 Jahre alt geworden, habe groß gefeiert. Mit Freunden. In einer kernsanierten Wohnung irgendwo zwischen Prenzlauer Berg und Mitte. Danach im Berghain, zu DJ-Sets von Moodymann, Actress und Joy Orbison. Oben, in der Panoramabar, die ganze Perlon-Clique. Ricardo Villalobos, Bruno Pronsato, Sammy Dee, Zip. Bester Disc Jockey der Welt, der Zip, der eigentlich Thomas Franzmann heißt. Zwei Platten, und er bringt die Tanzfläche zum Ausrasten.

Auch Dor Levi schafft es, dass uns die Jungs und Mädels am DJ-Pult ekstatisch-orgiastisch umtanzen. "Lass nach hinten gehen, ans Fenster", sagt Oskar. Ich sehe mich um. Suche meine Freunde. Ich finde sie nicht mehr. Sie sind weg. Auf- beziehungsweise untergegangen in den wild tanzenden Leibern. Was nun?

"Was ist denn das, Ricola", frage ich Oskar. "Du kennst das wirklich nicht? Mann, dabei liegt doch Freiburg so nahe an der Schweiz", sagt er und lacht. Er holt eine Dose aus seinem Rucksack. Er öffnet sie und hält sie mir hin. Ich zögere. Was, wenn mir das Zeug nicht gut tut? Was, wenn ich mich dabei verliere? Diese Fragen gehen mir durch den Kopf. Verunsichern mich. Dann die tiefen Kickdrums. Azymuth. Jazz Carnival. Global Communications Remix. Klassiker.

Jetzt drängt es mich wirklich auf die Tanzfläche. Ich greife in die Dose. Ich fühle Plastik. Ich lange zu, ziehe das Teil heraus. In der Hand halte ich Ricola. Das Schweizer Original, mit seiner Kräutermischung.

Oskar Offermann - Felt Comfy Right Away

Quelle: Soundcloud


Zur Person: Oskar Offermann

"Do Pilots Still Dream Of Flying." So lautete der Titel des Albums, das Oskar Offermann 2012 veröffentlicht hat. Der gebürtige Frankfurter und heutige Wahlberliner zeigt sich darauf von einer verträumten Seite, die trotzdem Zug auf die Tanzfläche hat. Groß geworden ist er mit Hiphop und Disco, Musik, wie sie die Radiosender der US-Basen in und um Frankfurt gesendet hatten, wie sie in den G.I.-Discos gespielt wurden.

Mitte der Nullerjahre zieht Offermann nach Berlin, veranstaltet Partys und kümmert sich um das Artwork des Plattenlabels SonarKollektiv. 2008 gründet er mit Edward sein eigenes Plattenlabel WHITE. Dort veröffentlicht er seine persönliche Vorstellung von elektronischer Musik. Heute, rund 26 Maxisingles und zwei Alben später, ist es für die Houselandschaft unverzichtbar.

Der Freiburger Musikliebhaber Bernhard Amelung hat WHITE und das Schaffen von Oskar Offermann von Anfang an begleitet. Zum ersten Mal hat er ihn 2009 an der Seite von Maayan Nidam und Moomin im Berliner Club Horst Kreuzberg auflegen hören; seither unter anderem in der Panoramabar und im ://about blank. Für ihn gehört Oskar Offermann zu den besten Disc Jockeys überhaupt.

Mehr dazu:

Was: Allure w/ Oskar Offermann, Myny, Bobsket, Jeremaier.
Wann: Samstag, 21. Februar 2015, 2
Wo: Passage46. [Foto: Privat]