Am Samstag gehen Freiburger auf die Straße - für Gras

Konstantin Görlich

Markus Scheidecker organisiert den "Global Marihuana March 2015" in Freiburg. Er fordert eine Legalisierung von Cannabis. Wie sich der 20-Jährige das vorstellt:



Kiffst Du?

Markus Scheidecker: Wenn wir eine andere Gesetzeslage hätten, würde ich da gerne drauf antworten, aber aus Solidarität mit den ganzen heimlichen Kiffern antworte ich da jetzt nicht drauf.

Oh, ein Tabu! Darum die Demo?

Das Facebook-Event wächst zwar erstaunlich schnell, aber bei dem Thema kann man davon ausgehen, dass zwar viele zusagen, weil es sie interessiert, dann hinterher aber wenige tatsächlich kommen, weil es ihnen dann im letzten Moment unangenehm ist. Es ist ja auch ein heikles Thema für manche. Einige haben gesagt, dass sie da ungern gesehen und dann auf Fotos als Kiffer abgestempelt werden wollen. Dabei muss man ja nicht mal Kiffer sein, um da hinzugehen!

Was willst Du erreichen?

Wir wollen eine Diskussion anregen, ob die bestehenden Gesetze sinnvoll sind, oder ob es Veränderungen braucht - so wie wir meinen. Wir wollen eine Legalisierung, dass man Marihuana in Coffeeshops kaufen kann oder in Abgabestellen. Am wichtigsten ist uns aber, dass die Konsumenten nicht mehr verfolgt werden.

Das ganze natürlich staatlich reguliert und mit Werbeverbot. Eigentlich darf ein Gesetz nur Sachen einschränken, die anderen Leuten schaden können. Und das ist bei Besitz und Konsum die Frage, ob das jemandem schadet. Ich finde, es soll jeder für sich selbst entscheiden können. Diese Entscheidung sollte man den Leuten nicht wegnehmen. Gerade bei Cannabis - das ist viel risikoärmer als andere Drogen.

Regulierung und Werbeverbot - weil's doch nicht so ungefährlich ist?

Es geht nicht um die Gefährlichkeit. Alkohol und Nikotin sind auch gefährlich. Das bestehende Gesetz will ja erreichen, dass weniger Leute konsumieren, aber das schafft es nicht. In Holland sind die Gesetze lockerer und es kiffen weniger Jugendliche als in Deutschland. In Frankreich sind die Gesetze strenger als in Deutschland, und es gibt trotzdem mehr Konsumenten. Es gibt keinen Zusammenhang mit der Gesetzeslage und dem Konsumverhalten.

Aber es gibt ja Freimengen, mit denen man nicht verfolgt wird, oder?

Das denkt man oft, aber wenn man zum zweiten mal erwischt wird, passiert schon was. Viele verlieren den Führerschein, obwohl sie gar nicht bekifft am Steuer erwischt worden sind. Das kann sich auch auf den Job auswirken, und es wird gespeichert. Das ist schon nicht ganz ohne.

Ans Steuer sollte man sich bekifft wirklich nicht setzen, aber es gibt ja nicht mal objektive Grenzwerte für die Fahruntüchtigkeit - es wird pauschal gesagt: Kiffer sind grundsätzlich fahruntauglich. Ich würde aber sagen, dass man schon nach einem Tag, auf jeden Fall nach einer Woche, wieder autofahren kann.



Zur Person

Markus Scheidecker, 20, macht an der Akademie für Kommunikation in Freiburg eine Ausbildung zum Grafikdesigner. Scheidecker stammt aus Rickenbach im Hotzenwald. "Ich war dort in der Feuerwehr. Da wird soo viel getrunken, aber wenn mal das Thema Cannabis aufkommt, ist das ganz gefährlich: Kiffer wollen die da nicht. Gerade auf dem Land merkt man, wie man noch immer ausgeschlossen wird. Darum ist so ein Marsch auch wichtig, um die Akzeptanz zu erhöhen und Diskussionen anzuregen."

Mehr dazu:

Was: Global Marihuana March 2015 Freiburg (Facebook-Event)
Wann: Samstag, 16. Mai, 16 Uhr
Wo: Karlsplatz [Foto  1: dpa Picture Alliance, Foto 2: Konstantin Görlich]