Am Samstag findet zum ersten Mal eine Lesung mit Techno im Theater statt

Laura Wolfert

Am Samstag findet die Premiere der Latenight-Performance "Marta" statt - eine Liebesgeschichte , vorgelesen von Autor Finn-Ole Heinrich mit Livesoundtracks von Hannes Winter. Warum Techno gespielt wird und sich der Musiker extra einen Sidecut schneiden lässt:



Euer Stück "Marta" wird als "Performance" bezeichnet. Was kann man sich darunter vorstellen?

Finn: Letzendlich ist eine Lesung, die wir mit einem Bühnenbild und sehr viel Musik – Livesoundtracks - erweitert haben. Wahrscheinlich geht man am Ende raus und weiß nicht, ob es eine Lesung, ein Theaterstück oder doch ein kleines Konzert war. Ich werde meine Erzählung "Marta" vorlesen. Marta ist die längste Geschichte aus meinem Buch "Gestern war auch schon ein Tag", die ich vor etwa neun Jahren geschrieben habe. Wenn man sie komplett vorlesen würde, ginge das etwa 80 Minuten. Wir mussten sie etwas kürzen. Jetzt geht das Stück mit Musik und Inszenierung etwa 70 Minuten.

Hannes:
Im Grunde sind nur wir zwei auf der Bühne. Finn ließt vor, ich bin für die Musik verantwortlich - vom harten Techno bis zu ruhigen Melodien.

Finn:
Das finde ich so erstaunlich. Er hat auf der Bühne gefühlt 50 Instrumente stehen – eine irre Klangvielfalt: von Gitarre, Klavier, einem Rechner mit programmierten Sounds, Harmonium, Harmonika bis zum Celo.

Um was geht es in der Erzählung "Marta"?


Finn:
Es geht es um Marta und Paul –  eine unfassbar traurige Liebesgeschichte. Sie kommt aus einer abgefuckten Drogenwelt, frühstückt Pflaumenkuchen mit Red Bull. Paul hingegen stammt aus einem kleinen Kaff an der Nordsee. Er ist - im Gegensatz zu ihr - sehr strukturiert, ein Student mit einer klaren Vorstellung vom Leben. Paul erkennt zwar etwas ganz besonderes in Marta, weiß aber von Anfang an, dass die Beziehung so nicht funktionieren kann.

Wahrscheinlich wird man mich mit Paul assoziieren, weil ich der Erzähler bin und aus seiner Perspektive lese. Hannes ist sozusagen der andere Teil – die Drogen-Technowelt.

Hannes: Daher sehe ich auch aus, wie ein kleiner Hipster. Damit das richtig wirkt, muss ich später noch zum Theater-Friseur. Wahrscheinlich bekomme ich einen Sidecut verpasst.

Wie seid ihr auf die Idee gekommen, eine Lesung mit Musik und Theater zu verbinden?

Hannes: Wir haben uns vor etwa sieben Jahren kennengelernt und beschlossen, dass wir zusammen arbeiten wollen. Ich habe damals als Singer-Songwriter "Spaceman Spiff" gearbeitet, Finn hat auf einer Veranstaltung vorgelesen.

Wie unsere Zusammenarbeit tatsächlich aussehen sollte, wussten wir selbst nicht so ganz. Ich habe probiert, zu seinen Geschichten ein paar Soundtracks zu erstellen. Das hat ganz gut funktioniert. Wir haben sogar eine CD aufgenommen und sind auf Tour gegangen – aber ohne Bühnenbild, ohne Theater. Das war die erste Idee, "Marta" ist jetzt die Weiterentwicklung.

Finn: Das mit dem Theater und der Inszenierung kam erst später. Benedikt Grubel, der für szenische Einrichtung und Dramaturgie verantwortlich ist, kennt mich noch von früher - wir kommen aus dem selben Kaff im Norden. Er hat gefragt, ob wir das Kinderbuch, dass ich vor drei Jahren geschrieben habe, mit unserem Programm auf die Bühne bringen wollen. Benedikt hat das Stück mit seinen Theaterideen angereichert. So kam es zu der Zusammenarbeit.

Hannes Winter als Singer-Songwriter "Spaceman Spiff" live:



Mehr dazu:

Was: Marta - Latenightperformance mit Finn-Ole Heinrich und Spaceman Spiff
Wann: Premiere, Samstag, 04. Juni 2016, 22 Uhr
Wo: Theater Freiburg, Werkraum
Karten: Theater Freiburg [Foto: Promo]