Am Samstag findet die letzte Disco-Bohème-Party im Bambii statt

Laura Wolfert

Man hat Taschenmuschis geklaut, Tennisoutfits getragen und zu Haftbefehl getanzt: Die Disco-Bohème-Partyreihe stand für bunte Deko und verschiedene Indiemusik-Spielarten. Am Samstag findet sie zum letzten Mal im Bambii statt. Laura Wolfert hat mit Veranstalterin Meike Teske gesprochen - über heiße Knutschszenen, betrunkene Gäste und ausgefallene Outfits.



Warum endet die Veranstaltungsreihe jetzt?


Meike Teske:
Es mangelt an Kapitänen. Die Mitglieder unserer Veranstaltungscrew sind alle anderweitig ziemlich beschäftigt. Die Organisation nimmt viel Zeit in Anspruch. Der Tag hat aber nun mal nur 24 Stunden. Da kommt man manchmal an seine Grenzen – gerade wenn man selber Veränderungen im Arbeitsleben hat.

Ich hätte liebend gerne meinen Job als Sozialpädagogin auf 50 Prozent reduziert und noch weiter Partys organisiert. Man bekommt aber leider wenig bis keinen Support der Subkultur in diesem Bereich von städtischer Seite. Auch die Werbeflächen für Plakate sind sehr begrenzt und einfach viel zu teuer, wenn man nicht dicke Kommerzveranstaltungen macht. Da ist man sehr auf sich alleine gestellt. So mussten wir uns leider eingestehen, dass das weiterhin nicht so funktioniert.

 

Disco Bohème stand für wilde Motti und ausgefallene Deko. Was war denn euer krassestes Motto?

 
Artcore. Eine Schnapsidee. Wir wollten das Pornothema in die Kunst packen, aber das alles trashig. Wir waren häufig trashig, haben das gemacht, worauf wir Bock hatten. Haftbefehl-Songs um vier Uhr morgens? Das ist dann eben auch mal passiert.

Die Artcore fand noch im Schmitz Katze statt. Wir haben im Auditorium verschiedene große Prints aufgehängt – Softpornobilder aus den 20ern bis heute. Darunter 70er-Tennis-Pornobilder mit ekligen Bärten. Von Sexshops haben wir sogar ein paar Sachen gesponsert bekommen. Die hat man dann dem Partyfotograf im Bauchladen hinterher getragen. Die Leute haben dann mit den Sextoys Bilder gemacht.

 

Wie kam es eigentlich zum Wechsel von Schmitz Katze zum Bambii?

 
Das war eine Kostenfrage. Verschiedene Clubs haben verschiedene Kostenstrukturen. Das macht es natürlich auch lokalen Veranstaltern, mit einem geringen Kostenbudget, manchmal nicht leicht. Wir haben Schmitz Katze geliebt, waren im Bambii aber auch sehr glücklich.

Das neue Konzept vom Bambii hatte uns sehr überzeugt: Weg vom Schlagerschuppen und hin zum geilen, dunklen, liebevoll gestalteten Club. Das neue musikalische Konzept hat definitiv auch mehr Sexappeal. Das Bambii hat außerdem eine tolle Haltung - gerade lokalen Veranstaltern gegenüber.

 

Wie hat alles angefangen?

 
Angefangen hat die Freiburger Disco Bohème im Oktober vor zweieinhalb Jahren. Mein Bruder hat die Partyreihe vor sechs Jahren mit zwei Freunden in Bonn ins Leben gerufen. Seit dem fanden die Partys regelmäßig in Bonn, Köln, Wuppertal, Düsseldorf und Aachen statt. Aber auch in Berlin, Hamburg und Karlsruhe waren wir schon zu Gast.

Ich habe dann die Veranstaltungsplanung für Freiburg übernommen. Ich sehe mich immer noch mit wehendem Haar auf dem Fahrrad durch die Stadt düsen, um Kontakte zu knüpfen. Ich hatte anfangs schließlich null Ahnung in der Szene.

 

Lass uns noch ein wenig zurück blicken. Wer trug das geilste Outfit auf eurer Party?

 
Verkleidet wurde sich nicht immer, aber Glitzer war häufig ein großes Thema. Bei der Party „Ganz großes Tennis“sind viele kleidungstechnisch auf das Motto angesprungen. Das war schon witzig. Die meisten hatten Sportanzüge oder Tennisdresses an. Gerade im Schwarzlicht kam das super rüber. Häufig haben wir mit unserer eigenen Schminkecke für die Verkleidung der Leute gesorgt.

 

Wer war der betrunkenste Besucher?

 
Ich nicht, weil ich noch die Abrechnungen machen musste. Aber häufig wir als Veranstalter selber. [lacht]

 

Was war die heißeste Knutschszene?

 
Auch bei der Artcore. Eine Frau hat mit den Spielzeugen posiert. Ich dachte mir nur „Mädchen das kommt ins Internet!“.  Auf dem Klo hatten wir auch total viele Sexheftchen und haben die Wände damit tapeziert. 70 Prozent der Toys hat man uns aber geklaut. Die Taschenmuschi war als erstes weg.

 

Was habt ihr für die letzte große Abfahrt am Ostersamstag geplant?

 
Eine dicke, letzte, schallernde Fete. Wir zaubern alles aus dem Hut was geht und feiern dazu mit unserer Crew und unserem Lieblingsfreund, dem Ahoii Club, die gemeinsame Schaffenszeit in Freiburgs wunderschönem Nachtleben.

 

Was wird folgen?

 
Die anderen Partys finden weiterhin statt, nur nicht in Freiburg. Teils auch größere Events wie die Indietanic, die auf einem Schiff einmal im Jahr auf dem Rhein in Bonn stattfindet.

 

Zur Person



Als "Tier und Wunderwaffe" wird Meike Teske auf der Webseite der Disco Bohème-Partys beschrieben. Die studierte Sozialpädagogin ist Mitveranstalterin dieser Veranstaltungsreihe, die ihr Bruder Julius 2010 in Bonn gestartet hat. Seit 2014 kümmert sie sich um die Organisation und Deko der Disco Bohème-Partys in Freiburg.

Mehr dazu:

Was: Disco Bohème - Bohème Ahoii. 
Wann: Samstag, 26. März 2016, 23 Uhr
Wo: BalzBambii