Am Samstag feiert die Kunst Geburtstag im E-Werk - mit Live-Set von Mouse On Mars

Bernhard Amelung

Will man dem Franzosen Robert Filliou Glauben schenken, gibt es seit 1.000.053 Jahren Kunst. Das muss man natürlich feiern, erst recht, wenn die Kunst an diesem Samstag Geburtstag hat. Das E-Werk richtet dazu eine große Party aus - mit Installationskunst, Performances und Musik.



Die Anregung, die Geburt der Kunst überhaupt zu feiern, hat Robert Filliou gegeben. Der Franzose, 1926 in der südfranzösischen Region Languedoc geboren, gehörte bis zu seinem Tod im Jahr 1987 zu den bedeutendsten Anregern und Vertretern der Fluxus-Bewegung; eine Kunstbewegung, die in den 1960er Jahren "Dada" aufgegriffen hat und bei der die Grenzen zwischen Alltag, Performance, Happening, Musik, Text, Bild, Installation, politischer und gesellschaftlicher Aktion verwischen. Alles ist Aktionsraum. Nichts ist Aktionsraum. Alles hat und macht Sinn. Nichts hat und macht Sinn. Frei nach John Cage: "Alles, was wir machen, ist Kunst."


Filliou, von 1943 bis 1945 Mitglied der Résistance in Frankreich, legte am 17. Januar 1963, seinem eigenen Geburtstag, fest, dass fortan der Geburtstag der Kunst zu feiern sei. Eine Million Jahre zuvor, so Filliou, ließ ein Urahn einen trockenen Schwamm in ein Gefäß voller Wasser fallen. Die Kunst war geboren. Nachlesen kann man dies auf der offiziellen Webseite des Art's Birthday.

Vielleicht nicht ganz so radikal treten die Künstlerinnen und Künstler auf, die der Kunst als solcher an diesem Samstag im E-Werk huldigen. Den Auftakt mach die in Straßburg lebende Künstlerin Zahra Poonawala mit "D'accord", ein Projekt, bei dem zahlreiche Musikerinnen und Musiker das E-Werk in einen Klangraum verwandeln. Aus allen Räumen treten sie hervor und treffen sich im Foyer des E-Werks. Währenddessen und dort spielen sie eine einzige Note - den gemeinsamen, einen Raumklang.

Im Anschluss laden Künstlerinnen und Künstler im Foyer und im Kammertheater, in der Galerie und in der Bilderhalle ein, ihre Performances, Videos, Installationen und Klangarbeiten zu entdecken. Dazu gehört zum Beispiel das Hörspiel "Die Gegenwart Gottes als Vogelgezwitscher im rechten Ohr" von Thomas Knoefel und Jan St. Werner; Stimmen, Geräusche, Tonfragmente werden mal entspannt, mal hysterisch durch den Raum flirren. Wer will, darf ein UKW-Radio mitbringen und Teil dieses auf Interaktion mit dem Publikum angelegten Hörspiels werden.

Wer dies und anderes gemäß dem ursprünglichen Wortsinn von Fluxus als "fließende Darmentleerung" bezeichnet, darf dies tun. Fluxus als Kunstbewegung lässt auch diese Interpretation zu. Das unterstreicht eine Aussage Larry Millers, selbst aktives Mitglied der Fluxusbewegung: "Fluxus hat das Nichts zur hohen Kunst gemacht und vice versa."

Highlight der Kunstgeburtstagsparty ist mit Sicherheit der Auftritt des Elektronikduos Mouse On Mars. Seit 1993 machen Jan St. Werner und Andi Thoma, so Mouse On Mars mit bürgerlichem Namen, Musik, die eine Positionsbestimmung zwischen Avantgarde und Tradition schwer macht. Mal Techno, mal Noise, mal Pop, mal Weißes Rauschen. Experimentell und unfertig, dann wieder kompakt und tanzbar klingen ihre Sets und Stücke, die sie seit 2012 auf dem Modeselektor-Label Monkeytown veröffentlichen. Matt Wand, Mitglied der Electronica- und Experimentaljazz-Band Stock, Hausen & Walkman, schließt den Abend mit einem DJ-Set ab. Der Eintritt ist frei, der SWR überträgt die Veranstaltung mit einem Livestream ab 19 Uhr.

Mouse On Mars - Live at Boiler Room CTM (2014)

Quelle: YouTube


Mehr dazu:

Was: Art's Birthday
Wann: Samstag, 16. Januar 2016, 19 Uhr
Wo: E-Werk [Foto: Mouse On Mars/Promo]