Am Samstag beginnt das Freiburger Jazzfestival 2015

Bernhard Amelung

Erdiger, schwarzamerikanischer Funk, Psychedelic Rock und elektroakustische Klänge: Das Freiburger Jazzfestival, das an diesem Samstag beginnt, macht vor Genregrenzen keinen Halt. Highlights und Geheimtipps im Überblick:



"Ich mag keinen Jazz, weil er mich an Leute erinnert, die in einem Kreis sitzen und reden." Das soll der US-amerikanische Komponist und Musiker John Cage (1912-1992) einmal gesagt haben. Ein Blick auf das Programm des Freiburger Jazzfestivals zeigt: Die Veranstalter, das E-Werk in Kooperation mit dem Jazzhaus, brechen mit diesem alten Vorurteil und Schubladendenken. Sie spannen einen Bogen von erdigem, schwarzamerikanischem Funk über Psychedelic Rock zu elektroakustischen Klängen.


Diese kommen am Donnerstag, 24. September, vom Trio Khalifé Schumacher Tristano. Das stellt im Jazzhaus sein Album "Afrodiziak" vor. Tristano, 1981 in Luxemburg geboren, dürfte dem einen oder anderen Liebhaber der elektronischen Musik bekannt sein. Im Mai diesen Jahres veröffentlichte der ausgebildete Pianist und Absolvent der Juilliard School seinen Beitrag für die "Body Language"-Reihe des Berliner Technolabels Get Physical. Ein Mix, der mit experimenteller Klassik und Fusion Jazz beginnt und mit dem Wild Pitch-Stil eines DJ Pierre endet. Auf "Afrodiziak" bringen Tristano, der Perkussionist Bachar Khalifé und Vibraphonist Pascal Schumacher elektronisch erzeugte Klangpattern mit cineastischen Melodien und repetitiven Grooves zusammen. Tief im klassischen Jazz verankert ist dagegen die Musik von Brad Mehldau. Der Pianist aus der US-amerikanischen Stadt Jacksonville kann aber auch Film und Lyrik. Er hat Gedichte von Rainer Maria Rilke vertont und Beiträge für große Filmwerke geschrieben, so zum Beispiel "Blame It On My Youth" für Stanley Kubricks "Eyes Wide Shut" aus dem Jahr 1999 oder Wim Wenders' "The Million Dollar Hotel" aus dem Jahr 2000 ("Tom Tom's Room"). In sein Spiel fließen auch Elemente aus TripHop und Alternative Rock ein. So verwandelte "Paranoid Android" von Radiohead in eine psychedelisch-vertrippte Jazzperle. Mehldau, der am Samstag, 26. September, ein Solo-Konzert im E-Werk gibt, regt zum Träumen an. Augen zu, Kopfkino an! Nah an den schwarzafrikanischen Wurzeln von Jazz, Funk und Soul arbeitet Lisa Simone. Die gebürtige New Yorkerin schließt das Freiburger Jazzfestival mit einem Konzert am Sonntag, 27. September, ab. Auf der 53 Jahre alten Sängerin und Musikerin lastet ein teures Erbe: Sie ist Tochter der legendären Jazzsängerin Nina Simone (1933 - 2003). Zu Beginn der Achtziger Jahre verdingte sie sich bei der US Air Force. Nach ihrer Zeit arbeitete sie als Sängerin am Broadway, bekam die Auszeichnung als "Best Musical Actress" und sang an der Seite von Lizz Wright und Angelique Kidjo. Erst spät hat sie sich musikalisch und persönlich von ihrer Erblast freigespielt. Das macht der Titel ihres 2014 erschienenen Debütalbums deutlich. Auf "All Is Well" zeichnet sie den Weg ihrer (Selbst)Erfahrung und -erfindung nach und zeigt sich versöhnt mit ihrer Geschichte. Beats und Klänge mit dem Mund erzeugt Andreas Schaerer, der mit seinem Trio Rom Schaerer Eberle im Jazzhaus gastiert (20. September). Psychedelischen Rock, von akustischen Instrumenten eingespielt, gibt's bei "The Dark Sidee Of The Moon" im E-Werk (22. September). Damit nicht genug. Damit nicht genug. Zwölf Konzerte, zwölf Bands und Einzelkünstler, zwölf Lokalitäten in der Freiburger Innenstadt und eine musikalische Bandbreite von Balkanmusik über Folk bis Electric Jazz bietet der Minigipfel. Er findet am Samstag, 19. September, in verschiedenen Stühlinger- und Sedan-Kneipen statt. Zum Beispiel im Egon54 (mit The Cherry Chords), Café POW (J&JJ), im Babeuf (Forró de Hermeto) oder im Litfass (Michael Morissey).  

Mehr dazu:

Was: Freiburger Jazzfestival.
Wann: Samstag, 19. September 2015 - Sonntag, 27. September 2015.
Wo: Verschiedene Veranstaltungsorte in Freiburg. [Foto/Grafik: Jazzhaus/Promo]