Am Morgen aus dem Fenster hängen

Lorenz Bockisch

Schon gewusst, warum manche Menschen morgens nach dem Aufstehen ihre Bettdecke aus dem Fenster hängen? An wenigen Häusern kann man heute noch die früher viel weiter verbreitete Sitte beobachten: Die weißen Federbetten quellen über die Fensterbank. Der Zweck des Ganzen ist natürlich das Entfernen des muffigen Schlafgeruches. Und das klappt auch, jedenfalls teilweise.

Dieser „Schlafgeruch” ist nichts anderes als der nächtliche Schweiß, beziehungsweise dessen Abbauprodukte. Neben dem Wasser befinden sich darin nämlich noch Fettsäuren, die auf der Haut lebenden Bakterien sehr gut schmecken. Und diese wiederum scheiden dann riechende Substanzen aus, wie etwa Ameisensäure oder Buttersäure.


Diese vor sich hin duftenden Flüssigkeiten ziehen in die Bettdecke, die Kissen und auch in die Matratze ein – durch die Kapillarwirkung zwischen den Fasern geht das ziemlich tief. Wenn man die Bettdecke nun zum Lüften raushängt, will man damit erreichen, dass diese Säuren möglichst schnell verdunsten. Das funktioniert am besten bei warmem Wetter mit etwas Sonnenschein und einer gesunden Portion Wind.

Allerdings klappt das nur oberflächlich. In den tieferen Schichten der flauschigen Decke bleibt der Geruch weiterhin haften. Deshalb sollte man diese Gerüche und deren ausgetrockneten Reste mit dem einzig adäquaten Mittel entfernen: mit Wasser. Wenigstens ein Mal pro Jahr sollte ein Oberbett gewaschen werden, auch um kleine Parasiten wie die allergieauslösenden Milben und deren Hinterlassenschaften in ihre Grenzen zu weisen. Echte Federbetten sollten allerdings professionell gereinigt werden, ihr Inneres verklumpt beim normalen Waschen; mal abgesehen davon, dass eine normale Waschmaschinentrommel einfach zu klein ist für eine dicke Daunendecke.