Am Mittwoch eröffnet Freiburgs erste Craft-Beer-Garage - mit Decker-Bier aus Literflaschen

Inka Rupp

Blondie, Mr T., Redneck, Banana Joe: So heißen die Biere, die 3 Freiburger unter dem Namen Decker in 1-Literflaschen verkaufen. Das Bier stammt von Kleinstbrauern aus dem Umland - und war bislang nur in der Erika, im Puzzles und Schmitz Katze erhältlich. Am Mittwoch eröffnen sie nun Freiburgs erste Craft-Beer-Garage. Wie das Bier schmeckt:



Eine kleine Garage neben dem Gelände der Schmitz Katze. An den holzverkleideten Wänden hängen gerahmte Fotos, den Tresen schmückt ein Kühlergrill aus den 30er Jahren und ein Teppich sorgt für Wohnzimmeratmosphäre. Vor ein paar Wochen stand der kleine Raum noch voller Gerümpel –  nun soll er zum Treffpunkt für Freiburger Bierfreunde, Neugierige und Hobbybrauer aus der Region werden.


Die Idee für das Projekt stammt von Daniel bin Johari (33) und David Schneider (31), die zusammen die Firma Aimbush gegründet haben. Eine ihrer ersten Ideen: ein eigenes Bier. Da die beiden selbst keine Ahnung vom Bierbrauen haben, besuchten sie Hobbybrauer aus dem Freiburger Umland. „Das ist hier eine Region, in der es wahnsinnig viele kleine Brauereien gibt, die gutes Bier machen“, erzählt Daniel. Unter dem Namen Decker wollen sie den Facettenreichtum an handgemachten Bieren aus der Region nach Freiburg bringen.

Das heißt konkret: David und Daniel wollen kein eigenes Bier brauen, sie bringen verschiedene Biere aus dem Freiburger Umland unter neuem Namen zusammen. Das erklärte Ziel ist es, ein Netzwerk der lokalen Braukultur zu schaffen, in dem es nicht um Gewinnmaximierung, sondern um den Genuss und die Vielfalt handgemachter Biere geht. Unterstützt werden sie von Markus Gut (36, alias Emmes), der als Mitinhaber der Schmitz Katze Gastro-Erfahrung mit ins Projekt bringt.

„1 Liter Decker“ prangt in großen Lettern weiß auf schwarz auf den großen Flaschen mit Bügelverschluss. Und tatsächlich ist Decker-Bier kein Bier, das man eben schnell an der Bar trinkt. Für ein Decker-Bier bedarf es Sitzgelegenheiten, Gläser und einer Runde Freunde. „Bier ist ja etwas wahnsinnig Soziales“, sagt Daniel „Die Idee ist, dass man sich am Abend drei, vier Flaschen teilt, verschiedene Sorten ausprobiert und sich über das Bier unterhält.“ An Gesprächsstoff mangelt es sicherlich nicht - momentan gibt es schon sechs verschiedene Decker-Biere mit jeweils besonderem Aroma. Im Gegensatz zum experimentellen Craftbeer des Freiburger Braukollektivs, orientieren sich David, Daniel und Emmes an den klassischen Biersorten und haben diese mit neuen Namen versehen:

„Blondie“, ist das Helle unter den Decker-Bieren. Mit seinem leichten, fruchtig-frischen Aroma ist es ein Sommerbier. „Derb“ heißt das Pils im Decker-Sortiment: Es ist von einem dunklen Goldgelb und hat ein volles, herbes Aroma. Im „Banana Joe“, dem Weizen unter den Decker-Bieren, ist - entgegen allem Anschein - keine Banane enthalten. „Wir sind bei der Namensgebung nach dem Geschmack gegangen“, erklärt Daniel, „Bananengeschmack hat man eigentlich in jedem Weizen, das macht die Hefe. Bei den Industriebieren ist dieser Geschmack leider fast bis zur Unkenntlichkeit herausgefiltert“. Und tatsächlich breitet sich nach einem Schluck Banana Joe ein fruchtiger Geschmack auf der Zunge aus, der an Bananen erinnert. Echtes Bananenweizen finden die drei Bierliebhaber aber verabscheuungswürdig: „Eigentlich ist das Vergewaltigung, so wie Cola-Weizen“, sagt Emmes.

Neben den drei Standardsorten Blondie, Derb und Banana Joe, die ganzjährig im Angebot sind, gibt es im Decker-Sortiment ein Schwarzbier namens „Mr. T“. „Das schmeckt nach herber Schokolade, malzig, nach Kaffeearomen“, beschreibt David den Geschmack des Schwarzbieres, das nur im Winter erhältlich ist. Ein rotes Export namens „Redneck“ komplettiert das Sortiment. „Das ist ungewöhnlich, weil das Gerstenmalz leicht angeröstet wurde. Diese Röststoffe machen die Farbe und auch den Geschmack“, erzählt David. Und tatsächlich ist das Redneck rötlich-bernsteinfarben  und vereinigt ein würziges, erdiges Aroma mit einer leichten, fruchtigen Süße.



Weil das 1Liter-Format der Decker-Biere auch manchmal seine Nachteile hat, zum Beispiel beim Tanzen, gibt es bald auch ein Decker-Bier im 0,3-Liter-Format. Sein Name: „Øl“ - nach dem dänischen Wort für Bier „und weil das Bier tatsächlich runtergeht wie Öl“, lacht Daniel.

Das Besondere am Decker-Bier ist, dass die Hefe in der Flasche noch lebt und nicht wie beim Industriebier durch Pasteurisieren abgetötet wird. „Durch diese Wärmebehandlung geht unheimlich viel Geschmack verloren“, erklärt Daniel. Die Decker-Biere sind wegen der lebenden Hefe nicht so lange haltbar wie pasteurisiertes Bier – gekühlt halten sie sich jedoch gut zwei Monate. „Und auch danach ist das Bier nicht schlecht“, meint David, „das einzige, was sich verändert, ist der Geschmack.“

Mit ihrer Marke Decker wollen David, Daniel und Emmes ein Lebensgefühl jenseits von Bierzelt und Oktoberfest vermitteln und das Bier von seinem verstaubten, urigen Image befreien. Decker soll das Freiburger Lebensgefühl aufgreifen und in Zusammenarbeit mit Freiburger Künstlern, Skateboardern, Bikern und regionalen Hobbybrauern gestaltet werden.

Für August ist ein Bierfest in Schmitz Katze geplant, auf dem sich Bierliebhaber kennenlernen und vernetzen können. Und auch die Biergarage folgt diesem Konzept: Im Laden wird kein Bier ausgeschenkt wie in einer Kneipe, aber er soll auch nicht bloßer Verkaufsort sein. Was David, Daniel und Emmes vorschwebt ist, ein Forum und einen Treffpunkt zu schaffen - für alle, die gerne gutes Bier trinken. Dabei soll nicht die Marke Decker allein im Vordergrund stehen, in der Garage werden auch Biere des Freiburger Braukollektivs angeboten.

Den Namen „Decker“ haben die drei Gründer wegen seines derben Klangs und der Assoziation mit dem Beruf des Dachdeckers ausgewählt. „Wir wollen unter dem Dach der Marke Decker eine Community  gründen“, erklärt Daniel. „Ein Bier Feenstaub zu nennen, würde auch einfach nicht funktionieren“, sagt Emmes abschließend, „gerade in einer Literflasche."

Mehr dazu:

  Was: Eröffnungsfeier der Decker-Bier-Garage
Wann: am Mittwoch, den 27.05.2015 um 18 Uhr
Wo: Decker-Garage, rechts neben Schmitz Katze, Haslacherstraße
 
[Foto: Promo]