Café

Am Freitag schließt die Heldenbude in der Wiehre

Linda Baumgartner

Die von Claudia Held betriebene Heldenbude hat am Freitag, 23. Dezember, ihren letzten Öffnungstag. Die 45 Quadratmeter großen Räumlichkeiten an der Freiburger Langemarckstraße werden künftig als Wohnraum genutzt.

"Im Sandkasten darf man nicht trinken und essen, sonst wird man gefressen", mahnt ein Gedicht an der Wand augenzwinkernd die kleinen Besucher der Heldenbude. Tatsächlich wird man allerdings bald gar nichts mehr in dem detailverliebten, familienfreundlichen Café in der Unterwiehre konsumieren können, denn am 23. Dezember hat es zum letzten Mal geöffnet. Die Schließung erfolge jedoch einvernehmlich, berichtet Pächterin Claudia Held.


Beim BZ-Besuch in der letzten "Heldenbuden"-Woche ist gerade Wurzelsuppen-Tag, und einige Stammgäste schlürfen in ihrer Mittagspause genüsslich das warme Gemüse, um sich gegen die eisigen Temperaturen draußen zu wappnen. Auch der orientalische Teppich, die Stehlampe und die Tapete mit goldenem Vintage-Muster sorgen für eine warme, wohlige Wohnzimmeratmosphäre, der Indoor-Sandkasten dürfte dem Quartiers-Café sogar ein Alleinstellungsmerkmal in Freiburg verschafft haben.

Gäste bedauern die Schließung

Einstimmig bedauern die Gäste die Schließung der "Heldenbude" nach nur zwei Jahren. Vor allem die Nähe zum Arbeitsplatz und die nette Stimmung schätzten zum Beispiel drei Frauen von einer nahe gelegenen Bildungsinstitution, die regelmäßig auf einen Kaffee herüberspazierten. Auch die Pächterin Claudia Held (40) ist wehmütig: "In den vergangenen Tagen kamen viele Gäste, um die Mitarbeiter bei einer ihrer letzten Schichten zu verabschieden.

Trotz der guten Kooperation mit verschiedenen Foodtrucks, die an bestimmten Tagen neben der Bude Leckeres aus dem Laster feilboten, habe sich das Café finanziell nicht halten können. Zuletzt machten an der Langemarckstraße die rollende Sandwich-Bude "Frachtgut Brooklyn" und der italienische Imbisswagen "Micheles Panzerotti e Pizza" Station.

Konzerte waren wegen der Nachbarn nicht möglich

Um sich zu rentieren, hätte man regelmäßig auch abends geöffnet haben müssen, was sich allerdings aufgrund der Lautstärke nicht mit dem familienreichen Wohngebiet vereinbaren ließ, meint Claudia Held. Sie selbst hätte gerne öfter Bands eingeladen, doch bereits mit den wenigen Live-Musik-Abenden habe man sich an der Grenze der nachbarschaftlichen Toleranzschwelle bewegt.

Auch hätte man aus ihrer Perspektive das Café in seiner abgelegenen Lage stärker bewerben müssen, um noch mehr Gäste anzuziehen. Aus der schwierigen Situation heraus erfolgte nun im Einverständnis mit dem Verpächter die Abmachung, dass dieser zum Jahresende selbst in die 45 Quadratmeter großen Räumlichkeiten einzieht. In denen hatte sich bis vor einigen Jahren die von Wirtin Hertha Gnisce betriebene Kneipe "Höllentalstüble" befunden, dann gab es einen längeren Leerstand.

Betreiberin ist auf der Suche nach einer neuen Bude

Ist das nun das Aus für die Heldin und ihre Gastro-Ideen? Sie hofft nicht und ist bereits auf der Suche nach einer neuen "Bude". "Vor allem ausgefallene Lokalitäten interessieren mich, wobei man auch gewöhnliche Räume in etwas Besonderes verwandeln kann", verrät die dreifache Mutter über ihre Pläne.

Im Mittelpunkt stehe weiter die Idee, ein kinderfreundliches Café anzubieten. Davon gebe es in Freiburg eindeutig zu wenige. Aber nicht nur junge Mütter, sondern ein gemischtes Publikum aus Studenten, jungen Familien und betagteren Gästen möchte sie ansprechen. Dass die Pläne bei dem derzeitigen Freiburger Mietmarkt jedoch auf wackligem Grund stehen, darüber ist Claudia Held sich im Klaren.