Am Donnerstag startet die Latenight-Show mit Passmann und Gralke: "Wir sind wie Joko und Klaas"

Christina Fortwängler

Sophie Passmann und Tobias Gralke sind Poetry Slammer, am Donnerstag werden sie zu Talkshow-Hosts. Dann führt das Duo am Theater Freiburg erstmalig durch ihre Show "Freiburg Latenight". Warum die beiden Moderatoren eine Joko-und-Klaassche Synergie ergeben und welche Gäste in die erste Show kommen, erzählen sie im fudder-Interview:



Am Donnerstag moderiert ihr erstmals "Freiburg Late-Night". Habt ihr genug von Slam Poetry?

Sophie Passmann: Nee. Ich habe nie genug von Slam Poetry, aber ich bin schon gerne auf der Bühne mit anderen Sachen. Es ist ein Traum von mir, mal eine Late-Night-Show im Fernsehen zu haben. ZDF klappt vielleicht nicht unbedingt, deshalb mache ich es im Theater. Und weil Tobias und ich heimlich eine Bühnenaffäre haben, dachten wir, machen wir das zusammen.

Tobias Gralke: Nein, auf keinen Fall. Es ist aber schön, etwas Neues auszuprobieren. Ich bin sehr gespannt.

Wie würdet ihr euer Showkonzept beschreiben?

Sophie: (lacht.) Haben wir ein Showkonzept?

Tobias: Wir füllen das Publikum innerhalb von zehn Minuten ab.

Also darf getrunken werden?

Tobias: Es soll bitte getrunken werden. Wir haben eine Bar auf der Bühne, es wird Wein, Bier und Schnaps geben. Der Plan ist, eine Show in und über Freiburg zu machen. Wir haben Gäste eingeladen, die wir interessant finden, die aus der Stadt kommen und irgendwas zu erzählen haben und mit denen wir Spaß haben möchten.

Sophie: Das Publikum wird auch miteinbezogen. Wir bitten um Zwischenrufe und wir werden auch Leute, die sich irgendwie profilieren mit Schnaps und anderen Getränken belohnen. Das wird eine sehr kommunikative Geschichte, aber nicht die klassische Standup- oder Schenkelklopfersache. Wir machen keine schlechten Witze über Freiburg, die Säule der Toleranz oder sowas. Wir nehmen uns ein bisschen auf die Schippe. Es wird ziemlich fresh und ein bisschen verrückt und ein bisschen selbstironisch.  

Wen habt ihr eingeladen?

Sophie: Die wunderbare Betty BBQ, für mich die beste Drag Queen Freiburgs. Ich glaube, sie lebt das Leben eines It-Girls in der Ortenau und im Breisgau. Sie ist auf jedem wichtigen Event, vom Presseball bis hin zu irgendwelchen Charity-Events und mehr, als dass sie 17,5cm Highheels tragen wird, kann ich gar nicht verraten. Ich bin sehr gespannt, was sie zu erzählen hat.

Dann werden wir noch einen Verbindungsstudenten da haben. Es ist tatsächlich so, dass Verbindungsstudenten so ein bisschen der elitäre Kitt zwischen dem Freiburger Kopfsteinpflaster sind. Jeder, der schon mal über die Baslerstraße gelaufen ist, hat diese schier unzähligen Verbindungshäuser gesehen und sich gedacht: Mein Gott, was machen die da drin. Wir dachten, das passt ganz gut.

Genau das möchten wir im Prinzip. Dinge, die Freiburger sich schon mal gedacht haben oder gefragt haben, ansprechen.

Tobias: Der Musiker Lukas Meister wird auch da sein, aber mehr spielen und ein bisschen weniger reden.

Sophie: Außerdem haben wir noch einen Überraschungsgast.

Steckt auch noch ein bisschen Poetry im Ganzen, gibt es Texte von euch zu hören?

Sophie: Nein, überhaupt nicht.

Tobias: Freiburger kennen uns zwar über Slam Poetry, das ist natürlich eine Hilfestellung. Die Show soll aber gar nichts damit zu tun haben. Wenn überhaupt dann nur damit, dass wir auch mal Slams moderieren.

Ich musste bei eurem Showtitel an die mittlerweile abgesetzte Talkshow "Roche und Böhmerann" denken. Habt ihr das gerne geguckt?


Sophie:
Ja. Ich gucke ausnahmslos jede Late-Night-Show gerne. Ich bin ein ziemlicher Junkie, aber auch ziemlicher Experte und auch sehr großer Nerd. Das habe ich im Zuge der Vorbereitung gemerkt. Ich kenne jede amerikanische und jede deutsche Late-Night-Show, die es im Moment gibt und habe, glaube ich, auch jede Folge davon gesehen. Roche und Böhmermann war sehr gut, wobei Tobias weniger zynisch ist als Jan Böhmermann und ich bin, glaube ich, etwas schlauer als Charlotte Roche.

Tobias:
Ich habe in meinem Leben vielleicht zehn Late-Night-Shows gesehen. Ich fand das immer nett, und habe gerne Harald Schmidt geguckt, mir aber nie die Zeit dafür genommen. Ich habe in etwa eine Ahnung, wie das aussehen soll, aber es ist vielleicht besser, wenn ich das gar nicht habe. Zumal ich ja auch als Sekundant Sophies da bin.

Als Sidekick?


Sophie:
Es gibt schon so eine Anker-Sidekick-Unterteilung in der Aufgabensache. Es ist aber nicht so, wie man das bei Harald Schmidt kannte mit Andrack, dass der alle Viertelstunde mal was sagt. Wir stehen schon beide zusammen auf der Bühne und bestreiten das zusammen. Ich werde mich vielleicht ein bisschen mehr mit den Gästen unterhalten und Tobias wird die Gäste ein bisschen mehr abfüllen.

Tobias:
Für mich ist es ein lustiges Experiment. Ich werde kluge, wahlweise dumme Kommentare von mir geben. Ansonsten mit allem, was ich kann, unterstützen.

Wer ist eigentlich euer Lieblingstalker in Deutschland?

Tobias: Ich habe Harald Schmidt immer sehr geschätzt.

Sophie: Ich liebe Benjamin von Stuckrad-Barre. Er ist ein unheimliches Arschloch in seiner Show und das mag ich sehr. Ich nehme mir vor, etwas weniger unhöflich zu meinen Gästen zu sein und ich werde auch weniger koksen, aber ich mag ihn schon gerne.

Wird es also auch ein bisschen provokativ werden?

Sophie: Diese provokativen Fragen, die auch so 'ne Roche immer gestellt hat, empfinde ich als Provozieren um jeden Preis. Da ist es natürlich leicht mit 'Hey Max Herre, du machst ja total Scheißmusik' Schlagzeilen zu bekommen oder die Leute zu bannen. Aber ich würde lieber auf einem ganz ehrlichen, uneinfältigen und unaffektierten Weg das Interview führen. Lustig auf jeden Fall, aber nicht irgendwie so: 'Hey ihr Verbindungsstudenten, ihr fechtet doch alle, ihr sauft doch alle und seid alle Nazis.'

Was gefällt euch besser, moderieren oder selbst mit euren Texten auf der Bühne stehen?

Sophie: Schwierig. Mir gefällt das Moderieren mittlerweile besser, weil ich das lieber mache und weil das beim Radio mein Job geworden ist. Ich mache auch gerne Texte, aber bei Slams ist der Rahmen von fünf bis sechs Minuten für mich schwierig. Ich werde nie damit aufhören, aber ich finde moderieren spontaner und intuitiver und mache das, glaube ich, auch besser.

Tobias: Ich mag beides total. Es ist aber abhängig von der Location. In manchen ist es angenehmer mit Texten aufzutreten, in manchen moderiere ich lieber, weil es ja unterschiedliche Arten sind, sich da zu präsentieren. Das kann beides total anstrengend sein, aber wenn es klappt, kriegt man bei beidem gleich viel Liebe zurück. Hier in Freiburg finde ich es mittlerweile ein schöneres Gefühl, Leute zu Besuch zu haben, die wir eingeladen haben, sich für sie verantwortlich zu fühlen, ihnen eine schöne Bühne zu bereiten. Wenn ich woanders hin fahre, dann stelle ich mich lieber mit Texten hin.

Eure Show findet im Theater Freiburg statt. Wie passen Talkshow und Theater zusammen?

Sophie: Den Input, den wir vom Dramaturgen und auch von der Bühnenbildnerin bekommen haben, ist gnadenlos wichtig für unser Konzept. Unser Late-Nght-Show-Ding würde ganz anders und nicht so gut, wenn wir nicht diesen künstlerischen und dramaturgischen Rahmen bekommen hätten. Durch den Theaterrahmen kriegen wir ein cooles, mondänes Beiwerk.

Tobias: Das ist aber auch nicht so theatermäßig, wie viele sich das vielleicht vorstellen, dass man eine Bühne und einen Zuschauerraum hat. Dann geht das Licht geht aus und sowas. Es ist tatsächlich einfach ein Raum mit einer Bar. Das ist total aufgelöst.

Als Moderator verkörpert man ja immer eine gewisse Rolle. Da lässt sich auch eine Verbindung zum Theater herstellen, oder?

Sophie: Das stimmt. In den Doppelmoderationen von uns hat sich immer gezeigt, dass Tobias der Ruhepol ist. Ich bin eher der Flummi, der Leute beleidigt und auch mal falsche Sachen sagt und er ist derjenige, der mich wieder auf den Boden zurückholt, wenn ich es zu weit treibe. Das klappt ganz gut.

Tobias: Dadurch, dass man auf der Bühne steht und angeguckt wird, ergibt sich automatisch eine Figur. Die variiert dann, wenn ich alleine moderiere. Dann bin ich völlig anders, als mit Sophie zusammen. Das kann man gar nicht beeinflussen.

Sophie: Wir sind wie Joko und Klaas, Tobias. Keiner von uns verkörpert Joko und keiner Klaas. Aber es ist schon eine Joko-und-Klaassche Synergie, wenn wir zusammen moderieren. Die beiden funktionieren alleine auch nicht so gut wie zusammen und so ist das bei uns auch.

Guckt ihr zur Zeit viele Talkshows oder wie bereitet ihr euch vor?

Sophie: Mit viel Eiweiß, täglich laufen, viel Ausdauersport und Krafttraining. 

Tobias: Ich wollte noch ein paar Late-Nights gucken. Aber ich glaube, das lasse ich lieber. Ich bereite noch ein kleines Spiel vor und Montag fangen die ganzen Vorbereitungen am Theater an.

Zu den Personen

Sophie Passmann, 20, kommt aus Münchweiher slammt seit sie 15 Jahre alt ist. 2011 gewann sie die Slam-Meisterschaften in Baden-Württemberg. Aktuell macht sie ein Volontariat bei Hitradio Ohr in Offenburg.

Tobias Gralke
, 22, ist Dichter und Slam-Veranstalter. Er studiert an der Uni Freiburg Germanistik und Philosophie.

Beide kennen sich über Poetry Slams seit etwa dreieinhalb Jahren und haben bisher einen Slam zusammen moderiert. Seit Februar moderieren sie die Veranstaltung "Slam Poetry" im Café Atlantik und haben damit Sebastian23 abgelöst.

Mehr dazu:


Was:
Freiburgs Latenight - die Show mit Passmann und Gralke
Wann: Donnerstag, 23.01.14, ab 20:30 Uhr
Wo: Theater Freiburg
Eintritt: 6 Euro, unermäßigt 8 Euro. Karten können unter 0761.201 28 53 bestellt werden
Facebook-Event: Freiburgs Latenight - die Show mit Passmann und Gralke  
[Disclosure: Sophie Passmann hat 2008 ein Praktikum bei fudder absolviert. Über die Veranstaltung hätten wir auch berichtet, wenn dem nicht so wäre.]