Am Dienstag starten die Aktionstage "16 Tage gegen Gewalt gegen Frauen"

Carolin Buchheim

16 Tage lang wollen sie gemeinsam informieren, demonstrieren, diskutieren und sich mit Frauen auf der ganzen Welt solidarisieren: 33 Frauen- und Menschenrechtsgruppen aus Freiburg veranstalten gemeinsam "16 Tage – Stopp Gewalt gegen Frauen". Die Aktionstage starten am Dienstag - dem Internationalen Tag der UNO zur Beseitigung von Gewalt gegen Frauen.

1377 Polizeieinsätze wegen häuslicher Gewalt gab es im Jahr 2013 in Freiburg – rund 300 mehr als im Jahr zuvor. Martina Raab-Heck vom Freiburger Interventionsprojekt gegen häusliche Gewalt  erfüllt der Anstieg nicht nur mit Sorge: „Dass Frauen sich vermehrt wehren und die Polizei rufen, dass Nachbarn aktiv werden, wenn sie etwas bemerken – das zeigt, dass die Hemmschwelle sinkt, gegen häusliche Gewalt aktiv zu werden.“ Das Interventionsprojekt ist eine von 33 Organisationen, Institutionen und Gruppen, die sich zum Aktionsbündnis „16 Tage gegen Gewalt an Frauen“ zusammengeschlossen haben.


Zum dritten Mal veranstaltet das Bündnis die Aktionstage mit Vorträgen, Filmen, Ausstellungen und Kursangeboten. „Es geht nicht nur um häusliche Gewalt, sondern auch um die große weite Welt“, sagt Raab-Heck. Die 16-Tage-Aktion wird seit 1999 weltweit begangen, um auf sexuelle Gewalt und Missbrauch, ökonomische Ungleichheit, Zwangsheirat, Zwangsprostitution und die vielen weiteren  Gewalterfahrungen von Frauen auf der ganzen Welt aufmerksam zu machen. Frauen aus Bosnien,  Tschetschenien, Nicaragua, Syrien, dem Kosovo und dem Libanon werden als Rednerinnen und Gäste nach Freiburg kommen. „Das zeigt, wie vielfältig unsere Themen sind“, sagt Heide Serra von Verein Amica, der sich für Frauen und Mädchen in Krisenregionen und Nachkriegsgebieten engagiert.

Martina Backes vom Informationszentrum Dritte Welt ergänzt: „Die Aktionstage zeigen aber nicht nur die Probleme auf, die Frauen und Mädchen weltweit haben, sondern auch ihre kreativen Widerstandsformen.“ Sie  verweist auf Frauen, die in den Slums von Nairobi Selbstbehauptungskurse absolvieren. Die Erfahrungen von Frauen, die sich gegen Unterdrückung wehren und mit aller Kraft engagieren, werden unter anderem beim Vortrag „Starke Frauen“ des Migra-Zentrums Freiburg am 2. Dezember erzählt.

Widerstand zeigt auch die Beratungsstelle „Frauenhorizonte“, die Frauen nach sexueller Gewalt begleitet und berät, mit der Fotoausstellung der US-amerikanischen Fotografin Grace Brown im Amt für Bürgerservice. Browns „Project Unbreakable – Der Beginn der Heilung durch Kunst“ porträtiert Frauen, die sexuelle Gewalt erfahren haben. Auf selbst beschriebenen Schildern halten sie dem Betrachter vor, welche Sätze die Täter oder wenig hilfreiche Freunde und Verwandte nach der Tat gesagt haben: „Kennst Du kein anderes Wort als Nein?“ oder „Warum beschwerst Du dich? Du hast ihn doch in dein Zimmer gelassen!“

Frauenhorizonte setzt seinen eigenen Schwerpunkt für die Aktionstage auf die Bestrebungen, die Gewaltqualifizierung aus dem „Vergewaltigungsparagraphen“ § 177 StGB zu streichen. „Die wenigsten Menschen wissen, dass es in Deutschland für eine Verurteilung nicht ausreicht, wenn man einfach nur Nein sagt“, sagt  Bettina Patzelt. „Jede nicht-einvernehmliche sexuelle Handlung muss endlich strafbar werden.“

Die Aktionstage starten am Dienstag, 25. November um 12 Uhr auf dem Augustinerplatz mit einem Maskenumzug. Alle Frauen und Männer sind eingeladen.