Instrumente aus Bierflaschen und Co.

Am Dienstag führt das Philharmonische Orchester das Müll-Konzert vor

Simone Lutz

Am Dienstag, 10. April, erklingt im Freiburger Konzerthaus das Müll-Konzert des Finnen Jan Järvlepp. Die Schlagwerker des Orchesters haben ihre Instrumente selbst gesammelt und gebastelt.

Tilman Collmer, Alexander Lang, Klaus Motzet, Adrian Romaniuc und Thomas-Anton Varga sind eigentlich ganz seriöse Menschen, professionelle Musiker im offiziellen Orchester der Stadt Freiburg. Seit einiger Zeit jedoch befassen sich die fünf Schlagwerker mit einem schrägen Projekt, mit den Müllfraktionen Blech, Glas, Plastik und Metall und was man damit machen kann. Daraus nämlich haben sie sich die Instrumente gefertigt, die am Dienstag zum Einsatz kommen. Einfach war das nicht.


Das Konzert ist lustig, aber anspruchsvoll für die Musiker

Thomas-Anton Varga zum Beispiel gehört zur Abteilung gelber Sack. Er hat in letzter Zeit hinter Hotels die Mülltonnen durchforstet und geeignete Blechdosen mitgenommen, darunter ein Sauerkrautfass. Alexander Lang hat in der Küche des Theatercafés Plastikflaschen und die leeren Riesen-Olivendosen eingesammelt. Klaus Motzet hat sich erstmal ans Telefon gesetzt und überall rumtelefoniert, wer denn wohl noch alte Radkappen hat – neue sind aus Plastik und konzertant unbrauchbar –; in der Tullastraße wurde er schließlich fündig. Nun macht er Musik mit einer Mercedes- und zwei Audi-Radkappen, "BMW hätte besser ausgesehen, ich fahre selbst einen, aber der Klang war nicht so gut". Adrian Romaniuc hat ein Plastikfass organisiert, 150 Liter, und dabei auf die Materialdicke geachtet, denn "ich haue so richtig drauf". Tilman Collmer schließlich, Abteilung Recycling, hat über den Orchesterwart, der gleichzeitig Winzer ist, Weinflaschen bekommen. Einige, erklären die Musiker, habe man im Dienste der Kunst vorher aufopferungsvoll geleert.

Lustig sei es, das Konzert zu spielen, sagen sie, wenn auch ganz schön anspruchsvoll. Der Komponist Jan Järvlepp hat nämlich genaue Anweisungen gegeben, welchen Müll die Musiker zu Instrumenten umzuformen haben; eine Tonhöhe hat er allerdings nicht definiert. Deshalb sahen sie sich einige früher gespielte Müll-Konzerte auf Youtube an und Tilman Collmer mailte ein paar Mal mit Järvlepp hin und her, bis alles ungefähr hinhaute.

Ein recyclebares Konzert passt zur Green City

Ihre neuen Instrumente mussten die Musiker erstmal putzen – allein das Öl im Olivenkanister! – und dann irgendwie befestigen. Auch Strapse sollen zum Einsatz gekommen sein, um Plastikflaschen und Blechbottiche an ihrem Platz hinterm Notenständer zu fixieren. "Es hat sehr viel Zeit gebraucht, bis der Müll in einer bespielbaren Form war", so Alexander Lang. Während des Konzerts werden alle irgendwann gleichzeitig auf gestimmten, mit Wasser gefüllten Glasflaschen blasen.

"Für uns ist das Neuland", sagt Alexander Lang. Dirigent Simon Gaudenz hatte schon Erfahrung mit dem Müll-Konzert, jetzt wird das Opus aus dem Jahr 1996 in Freiburg zur Aufführung gebracht. "Das Orchester spielt den ganzen Abend mit normalen Instrumenten, und das wird mit Müll kombiniert", so Klaus Motzet. "Vielleicht macht das den Reiz aus."

Was sich der Komponist dabei gedacht hat? "Wissen wir auch nicht", sagt Alexander Lang. Aber für Freiburg, die Green City, passe ein recyclebares Konzert doch ganz prima, meinen die Musiker und grinsen. Am Dienstag also erst die Festouvertüre von Schostakowitsch, dann Jan Järvlepps "Garbage Concerto" und zum Abschluss noch die Sinfonie G-Moll von Ernest John Moeran. Es wird bestimmt ein Kunstgenuss und ein Spaß. Hoffentlich halten die Strapse.
5. Sinfoniekonzert am Dienstag, 10. April, um 20 Uhr im Konzerthaus; Einführung 19 Uhr. Karten von 14 bis 44 Euro, ermäßigt 8 Euro.