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Altholz-Kunst und Vinyl-Schmuck: Zu Besuch im Pop-Up-Store an der Salzstraße

Antonio Jung

Am Samstag hat ein Pop-Up-Store in der Freiburger Salzstraße eröffnet. Ob Bilder auf Altholz, Geldbeutel aus Fahrradschläuchen oder Schmuck aus Vinyl: Das Geschäft bietet Unikate. fudder war dort und hat mit einem der Künstler gesprochen.

"Aufbau und Aufteilung des Raumes sind gut überlegt", erklärt der Streetart-Künstler Steffen Heisch die Inneneinrichtung des neuen Pop-Up-Stores "Die Nische – Unikate von hier" in der Salzstraße 26 in Freiburg. Für das Gründungsmitglied des Vereins Kulturaggregat ist es nicht die erste Eröffnung eines Pop-Up-Stores in Freiburg: Im Mai eröffnete am Rotteckring schon ein Pop-Up-Store, ebenfalls mit Beteiligung des Kulturaggregats. Wenn er bei der Planung für einen Pop-Up-Store involviert ist, folge auf eine erste Raumbesichtigung immer ein Brainstorming mit Ideen zur Gestaltung, danach stehe das Grundgerüst. Mit der Frage "Was passt wo hin?" im Hinterkopf, hätten die Künstler ein bis zwei Wochen vor der Eröffnung mit dem Raum und den vorhandenen Materialien gearbeitet. "Wir acht Künstler funktionieren mittlerweile gut zusammen und auch die Labels müssen zusammen passen", erzählt Steffen.


Charme durch Holz

Seit vergangenen Samstag hat der neue Pop-up-Store "Die Nische – Unikate von hier" vom Verein Kulturaggregat in der Freiburger Salzstraße geöffnet. Insgesamt acht Künstlerinnen und Künstler stellen dort ihre Selfmade-Werke aus. Ob Ohrstecker aus Holz, Ketten aus Schraubenmuttern, Vinylschmuck , Geldbeutel aus Fahrradschläuchen, alte Möbel kombiniert mit neuen, Vespertaschen aus Baumwolle, die gleichzeitig auch als Tischset funktionieren oder bunte Bilder im Schablonenstil auf Altholz – das Spektrum der Gegenstände ist groß.

Beim Betreten des Raumes begrüßt den Besucher ein zentrales Podest aus Holzpaletten, auf dem einige der Unikate ausgestellt sind. "Holz macht einfach viel mehr Charme aus", erklärt Steffen. Deshalb seien viele Unikate auf Holzpaletten ausgestellt. Wichtig sei auch, dass man mit Belichtung arbeite, weshalb viele der Holzpaletten von unten herauf belichtet sind. Dazu ertönt entspannte Musik – so entsteht eine Wohlfühl-Atmosphäre.

Upcycling als Lebenseinstellung

Im rechten Teil des größten Raums, teils an der Wand, befinden sich die Bilder auf Altholz von Steffen Heisch. "Für eines dieser Bilder im Schablonenstil benötige ich zwischen zwei und zehn Stunden", sagt Steffen. Das sei auch abhängig davon wie aufwendig die Schablone sei. Das Altholz gewinne er überwiegend aus alten Weinkisten. "Das Holz wird geschliffen und aufgewertet, einzelne Bretter werden zusammen getackert", sagt der Streetart- Künstler. "Man muss jagen und sammeln, stellt Steffen fest und zeigt ein größeres Bild, bei dem er das Holz aus einer Tür vom alten Güterbahnhof verwendet hat.

Schon mehrere Jahre arbeite er als Streetart-Künstler. Auf die Idee kam er versehentlich. "Früher habe ich auf Leinwand gemalt, die Schablone deshalb auf Pappe gefertigt. Irgendwann habe ich dann gemerkt, dass das Bild auf der Pappe viel besser aussieht als auf der Leinwand." Seitdem male er nur noch auf älteren, billigeren Materialien. Upcycling sei bei ihm, wie auch bei den anderen Künstlern, zur Lebenseinstellung geworden, sagt er. "Wir leben, was wir machen und lassen uns von anderen Eindrücken und Erfahrungen in unserer Arbeit inspirieren", erzählt der 38-Jährige.

Kombination aus Altem und Neuem

Ein Beispiel dafür bietet die linke Seite des Hauptraumes: Dort wird Schmuck wie Ohrstecker aus Holz, ebenfalls auf Paletten, ausgestellt. Zwischen Unikaten und Paletten befindet sich eine Glasplatte. Die war vorher als Raumteiler genutzt worden – Recycling war für Heisch und seine Kollegen schon bei der Raumgestaltung wichtig. Und auch der Kassentisch ist besonders: Das Untergestell bildet eine alte Nähmaschine, die zugesägte Tischplatte wurde mit Zeitungspapier collagiert. "Die Unikate aus Kombination von altem und neuem kommen bei den Besuchern sehr gut an", sagt Steffen, "das Feedback ist super". Vorbeilaufende waren schon vor der Eröffnung neugierig. Im hinteren Nebenraum fällt neben Schmuck- und Holzunikaten ein kleines Tischchen auf, dessen Tischplatte eine alte Filmrolle bildet, auf der eine Schallplatte in Schalenform steht. Stellt man die Schallplatte in einer Backform in den Ofen, wird durch die Hitze die gewünschte Verformung erreicht. "Eigentlich ist es ganz einfach", meint Steffen.

Nicht einfach hat sich aber die Suche nach einem passenden Raum gestaltet. Deshalb sei ein solches Geschäft mit Unikaten im Stadtzentrum schon etwas besonderes, weil es nicht nullachtfünfzehn sei. "Dies ist nur durch die Unterstützung und der vergünstigten Miete des Vermieters möglich gewesen", sagt der Künstler.
Was: Pop-Up-Store

Wo: Salzstraße 26

Wann: bis zum 22. Dezember 2018, montags bis samstags von 11 bis 19 Uhr geöffnet

Preise: 5 bis 5000 Euro

  • Kulturaggregat: Web



Info:

Am Samstag, 10. November, findet im Kulturaggregat in der Hildastraße 5, von 18 bis 23 Uhrdie Vernissage "Late Bloomers" statt. Info

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