Altgriechische Unsitten

Lorenz Bockisch

Schon gewusst, warum eine Strafe drakonisch sein kann? Diese sprichwörtliche Bezeichnung für Bestrafungen, die über das Maß des menschlich Erträglichen hinausgehen, ist nach dem Gesetzesschreiber Drakon benannt, der vor über 2500 Jahren alle in Athen üblichen Strafen und Bestimmungen für Gesetzesübertritte aufschrieb.

Im Jahr 621 v.Chr. war er der Erste, der die damals üblichen körperlichen Züchtigungen, die größtenteils sehr schmerzhaft waren, kodifizierte. Er selbst dachte sich keine dieser Methoden aus, weshalb es eigentlich ihm gegenüber unfair ist, übertriebene Strafen nach ihm zu benennen.


Im Gegenteil war Drakon sogar einer der Urväter des modernen Strafrechts, indem er zum Beispiel als erster zwischen vorsätzlicher und unbeabsichtigter Tötung unterschied. Auch schaffte er ältere, noch brutalere Strafen ab. Nichtsdestotrotz sei hier ein nicht ganz jugendfreies Beispiel erzählt, das auch in seinem Strafkatalog enthalten war: Die Rettichstrafe.

Dabei sollte ein ertappter Ehebrecher nicht nur körperliche Schmerzen erleiden, sondern auch psychisch gedemütigt werden. Ein Ehebrecher musste dabei nicht unbedingt verheiratet gewesen sein. Eine nichteheliche "Entehrung" einer Dame reichte aus, dass ihr männlicher Vormund die Rettichstrafe verlangen konnte. Dabei wurde dem Delinquenten ein Rettich in den Anus eingeführt, nachdem ihm die Schamhaare mit heißer Asche versengt wurden.

Aua.