"Also des isch er jetzt": Joachim Gauck in Freiburg

Bernhard Amelung

Botschafter, Sicherheitsbeamte, Touristen und Schaulustige stehen am Nachmittag auf dem Münsterplatz. Alle warten sie auf Joachim Gauck, der auf einer sogenannten Informations- und Begegnungsreise auch in Freiburg vorbeischaut. fudder-Autor Bernhard Amelung sagt uns, wie's war.



Äthiopien, Indonesien, Kenia, und, und, und. 150 Botschafter und Vertreter internationaler Organisationen verlassen das Historische Kaufhaus am Münsterplatz. Sie laufen durch ein Spalier von Polizisten, in zivil gekleideten Mitarbeitern des Bundeskriminalamts und aufgeregten Schaulustigen. "Wann kommt er denn endlich?", fragt eine Frau in den Sechzigern. Er - das ist Bundespräsident Joachim Gauck, der heute, am 1. Juli 2013, zusammen mit dem diplomatischen Korps eine Informations- und Begegnungsreise nach Südbaden macht.




Die Frau und mit ihr alle anderen Wartenden muss sich in Geduld üben. Gernot Erler, Dieter Salomon, Winfried Kretschmann, Robert Zollitsch - sie alle treten vor dem deutschen Staatsoberhaupt ins Freie. Sie geben den anwesenden Journalisten kurze Interviews. Erzbischof Zollitsch spricht über Freiburg und die Atmosphäre im Münster. "Schade, dass der schönste Turm der Christenheit eingerüstet ist", meint Ministerpräsident Kretschmann. "Die Stimmung ist entspannt, wie auf einem Betriebsausflug", sagt Freiburgs Oberbürgermeister Salomon. Und: "Nein, er kommt nicht raus. Er kommt nicht auf den Platz." Die Zaungäste, die meisten von ihnen im Rentenalter, sind enttäuscht. "Mir isch des jetzt egal. Ich muss jetzt in den Schatten", sagt ein Mann. Er dreht sich um und trottet über den Münsterplatz, den Diplomatinnen und Diplomaten hinterher.



Das Handy eines Sicherheitsbeamten klingelt. Männer in graufarbenen Anzügen wuseln durch die Menge. Unter ihnen ist auch Arne Braun, der stellvertretende Sprecher der baden-württembergischen Landesregierung. "Der Bundespräsident fährt mit dem Auto rüber", sagt er. Und dann: Joachim Gauck erscheint im Türrahmen des Historischen Kaufhauses. Er bleibt kurz stehen, schaut um sich und lacht. "Also des isch er jetzt", raunt ein Mann - Trekkinghose, Karohemd, Wanderrucksack von Deuter - seiner Frau ins Ohr. Die wenigen noch verbliebenen Wartenden klatschen kurz und versuchen, mit ihren Handys den Bundespräsidenten zu fotografieren.



Fotos macht auch eine Gruppe spanischer Touristen: vom Münster, vom Haus der Alten Wache, von der Staatskarrosse mit dem Kennzeichen "0-1". "Mira, un coche muy bueno", sagen sie. Sekunden später steigt Bundespräsident Joachim Gauck in das auf Hochglanz polierte Auto ein. Die Türe schließt. Der Motor startet. Der BMW setzt sich in Bewegung und fährt über den Münsterplatz in Richtung Straßenbahn.

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