Als Statistin beim EHC-Musikvideodreh von Maxxwell

Gina Kutkat

Einmal in einem Musikvideo mitspielen: Das wollte fudder-Autorin Gina schon immer. Am Samstag ging ihr Wunsch in Erfüllung: Die Schweizer Hardrockband Maxxwell kam in die Franz-Siegel-Halle, um das Video für die neue Hymne des EHC Freiburgs zu drehen. Mitten drinnen, auf glattem Eis und in schwerer Montur: Gina.



"Und Action!" Da ist es, das Kommando. Etwas unsicher laufe ich los, die Schlittschuhe drücken, die übergroßen Handschuhe machen es mir unmöglich, den Schläger souverän zu halten, unter der Eishockey-Ausrüstung schwitze ich wie ein Mann, ein böser Schmerz zieht sich durch meinen Rücken und irgendwie habe ich das Gefühl, meiner Rolle als ausgewählter Eislaufgrazie nicht wirklich gerecht zu werden. "Super gemacht, da ist ganz viel Dynamik drin," ruft Videofilmer Jörg Hennecke uns zu. Puh, so schlimm kann es also nicht gewesen sein.


Wir drehen heute im Eisstadion ein Musikvideo für den EHC Freiburg. Die Hardrockband Maxxwell aus der Schweiz hat den Song "Slapshot" eigens für den EHC geschrieben. In der kommenden Saison soll er die neue Hymne des Eishockeyvereins werden. Einen Tag lang hat das Videoteam für die Aufnahmen Zeit - das ist für ein Musikvideo nicht viel. Deswegen stehe ich samstags schon um halb acht in der Kabine des EHC, um mich für den Dreh umzuziehen.

Es riecht hier nach Sport, nein Männersport, und automatisch atme ich durch den Mund. Was für die EHC-Spieler zur täglichen Routine gehört, ist für mich eine Mammutaufgabe. Vor mir liegt eine große Sporttasche, in der sich eine komplette Eishockey-Ausrüstung befindet. Ich weiß nicht, womit ich anfangen soll. Zögerlich streife ich mir die viel zu großen Schutzhosen über, während aus der Kabine der Nachwuchsspieler die Wankelmut-Version von Asaf Avidans Song "One Day" schallt, dann folgt der Schulterschutz. "Den Geruch wirst du den ganzen Tag nicht wegbekommen", sagt EHC-Kapitän Patrick Vozar,  und ich stecke meine Nase erst gar nicht in die Handschuhe, die er mir reicht.



In voller Montur stehe ich mit Sabine, Ina und zwei Eiskunstläuferinnen auf dem Eis: Wir drehen die Schlussszene des Videos, in der es darum geht, dass die Band Maxxwell vom EHC vermöbelt wird, am Ende jedoch die Frauen die Sieger sind. Ein paar EHC-Spieler sind auch dabei. Jörg Hennecke sagt uns, was zu tun ist: "Ihr fahrt jetzt auf die Kamera zu und freut euch so richtig über euren Sieg, werft die Schläger weg und nehmt die Helme ab. Die EHC-Spieler liegen besiegt auf dem Eis. Und los!"

Auf Kommando jubeln konnte ich noch nie, aber ich gebe mein Bestes. Ich rufe "Juhuuuu" und "Yaaaaaay" und komme mir sehr blöd vor. Neben mir schwebt die Eiskunstläuferin graziös über das Eis, dreht eine Pirouette und schüttelt ihr Haar wie keine Zweite - mein Gefühl wird nicht besser. "Das machen wir noch drei Mal, dann ist die Szene im Kasten." Warum ich mir das antue? Ich wollte schon immer mal in einem Musikvideo mitspielen. Neben "ein Konzert organisieren", "ein Buch schreiben" und "eine Sendung moderieren" ist das ein wichtiger Punkt auf meiner Lebens-To-Do-Liste. Deswegen bin ich mir auch nicht für den nächsten Shot zu schade. Es werden von uns Einzelszenen gedreht. Zum Glück habe ich die meisten Hemmungen schon abgelegt, und es ist gar nicht mehr so schlimm, von allen beobachtet auf die Kamera zuzufahren, mit ihr zu flirten und mit einer absurd aufgelegten Freude den Helm abzustreifen.



Danach heißt es erst einmal Warten, denn die Band baut ihr Set auf dem Eis auf. Wir stehen rum, bis ein paar EHC-Spieler mit einem Puck aufs Eis kommen und anfangen zu spielen. Ab und zu wird er auch mir zugespielt, und ich muss an die Zeiten zurückdenken, in denen ich mit Schrubber und Besen und meinen zwei besten Freundinnen auf einem Oldenburger Baggersee meine ersten Eishockeyerfahrungen sammelte.

Für die nächste Szene sollen wir um die Band herumfahren, das Bild kreuzen und uns "besonders dynamisch und zackig" bewegen - zwei Eigenschaften, die meinem momentanen Körpergefühl so ziemlich widersprechen. Vier, fünf Mal wird "Slapshot" laut aufgedreht, und etwa zehn EHC-Spieler sausen mit uns durch die Halle. Sie sind dreimal so schnell wie ich, und ich fühle mich wie ein Flamingo auf einem Pinguinkongress.

Insgesamt stehe ich vier Stunden lang auf dem Eis und habe am Ende Schmerzen an Körperstellen, die ich noch gar nicht kannte. Unterschätzt habe ich nicht nur das Eishockeyspielen, sondern auch, wie aufwendig es ist, ein Video zu drehen.

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