Als Schavan zur exzellenten Uni gratulierte, klatschte nur der Rektor

Christian Deker

Bundesministerin Dr. Annette Schavan war nicht nur nach Freiburg gekommen, um der Frau des Rektors zum Geburtstag zu gratulieren. Sie wusste auch ein Loblied auf deren Gatten zu singen, ihren “lieben Herrn Professor Jäger”. Dieser fand in der Begrüßung außerordentlich lobende Worte für den hohen Gast. Endlich habe die Bildung den Stellenwert in der Politik, den er sich immer gewünscht hätte. Er sprach im Zusammenhang mit der Exzellenzinitiative gar vom “Beginn einer neuen Epoche der Hochschulpolitik”. Mit leicht angeschlagener Stimme sprach Schavan nun zum Thema “Herausforderungen und Perspektiven der Bildungs- und Forschungspolitik”. In einem Querschnitt durch verschiedene Vorhaben und Projekte zeigte sie den anvisierten Weg in Sachen bundesrepublikanische Bildung und Forschung. Beherzten Einsatz zeigte Schavan, nachdem sie der Uni Freiburg zum guten Abschneiden in der Exzellenzintiative gratuliert hatte. Zunächst kam nämlich nur ein vereinsamtes Klatschen aus der ersten Reihe: Außer Rektor Jäger schien niemand den Mut zu haben, den Erfolg zu bejubeln. Schavan zeigte mit dem Verweis auf ihre angeschlagene Stimme Schlagfertigkeit und bat um eine Trink-Pausen-Füllung durch Applaus. Auf Kommando brandete dieser dann sofort auf. Studentische Proteste waren bei Schavans Besuch natürlich vorprogrammiert. Es zischten Luftballons durch den Saal, Transparente wurden in die Höhe gereckt. Unter dem Logo der Deutschen Bank las man den Schriftzug “Bank gegen Bafög”. Auf einem anderen Transparent “Schavan abschaffen”. Schließlich ertönten einzelne Rufe mit der Forderung nach mehr Mitbestimmung, verfassten Studierendenschaften und dem Rücktritt der Ministerin.

Jäger verstand es aber nebenbei auch, die hinteren Reihen zu ärgern. So stellte er gleich zu Anfang die These auf, “alle exzellenten Menschen” hätten einen Bezug zur Freiburger Uni ? so auch Schavan, die mit dem ehemaligen Freiburger Rektor Bernhard Welte ein Buch herausgegeben hat. Später sprach er (wie schon so oft) von “unserer Elite-Uni Freiburg”. Allerdings war es doch überraschend, dass sich von studentischer Seite nicht mehr Protest regte. Immerhin ist Schavan seit langem eine Verfechterin der Studiengebühren und war an deren Einführung in Baden-Württemberg nicht gerade unbeteiligt. In der anschließenden Diskussion zeigten die “Störer”, dass sie auch sachlich sein können. Die Fragen nach verfassten Studierendenschaften und angekündigten Stipendien brachten Schavan ganz schön ins Schleudern. Auch einige Professoren kamen zu Wort: Warum die Geisteswissenschaften bei der Exzellenzinitiative benachteiligt würden, warum dadurch Frauen noch mehr benachteiligt würden. Und warum zusätzliche Ungerechtigkeit zu Lasten der renommierten, aber finanzschwachen Unis durch die Exzellenzinitiative in die Welt käme. Schavan argumentierte, dass alle Ausgleichssysteme der Vergangenheit zum Auseinandergehen der Schere geführt hätten. Es gebe kein gerechteres Instrument als den Wettbewerb. Dennoch sprach sie sich für eine Stärkung der Geisteswissenschaften und eine Förderung der Frauen aus. Für letzteres werde sie in diesem Jahr noch Vorschläge machen. Zum Schluss forderte Schavan mit strengem Ton in der Stimme einen Abiturienten auf, “nicht mit Leidensmiene zu sagen, dass man wegen 500 Euro im Semester nicht studieren kann”.