Als Azubi ins Ausland: Mit dem Parlamentarischen Patenschafts-Programm in die USA

Maren Windfelder

Egal ob Auslandsemester oder Auslandspraktikum - für Studierende gibt es viele Möglichkeiten, ihren Bildungshorizont zu erweitern. Anders sieht es da bei Auszubildenden aus: Der ständige Wechsel zwischen Praxis und Schule macht es schwierig, ins Ausland zu gehen. Doch auch für Azubis gibt es Angebote. Wir stellen euch zwei Programme dafür vor. Heute: Das Parlamentarische Patenschafts-Programm, mit dem die beiden Freiburger Eva Bug und Dominic Fischer in den USA waren.



Als die Azubi-Kolleginnen und -Kollegen von Eva Katharina Bug nach dem Ende der gemeinsamen Ausbildung als Biologisch-technische Assistenten in den Beruf einstiegen, stieg Eva ins Flugzeug. Im Rahmen des Parlamentarischen Patenschafts-Programm lebte und arbeitete die heute 26-jährige Freiburgerin ein Jahr in New Mexico. Dort arbeitete sie Teilzeit in einem Forschungslabor der Universität New Mexico und besuchte außerdem Unikurse in Biologie und Popular Culture. Vor allem das Arbeitsklima hat Eva sehr beeindruckt. „Das Arbeitsverhältnis im Labor war angenehmer als in Deutschland. Man wird viel mehr gelobt und geschätzt“, sagt sie.


Heute, sechs Jahre später, arbeitet Eva im Forschungslabor des Neurozentrums der Universität Freiburg. Sie findet es schade, dass es für junge Berufstätige und Auszubildende so wenige Möglichkeiten gibt, Auslandserfahrung zu sammeln. „Bevor ich in die USA gegangen bin, habe ich oft Absagen bei Jobs bekommen, mit der Begründung, dass mein Englisch zu schlecht sei.“

Durch einen Zeitungsartikel erfuhr Eva während ihrer Ausbildung vom Parlamentarischen Patenschafts-Programm (PPP). Eigentlich ist das PPP primär ein Austauschprogramm für Schülerinnen und Schüler im Alter von 15 bis 18 Jahren. Aber das PPP bietet in jedem Jahr auch 75 Berufstätigen mit abgeschlossener Berufsausbildung die Chance, in die USA zu gehen.


Auch der Freiburger Veranstaltungskaufmann Dominic Fischer, 27, war Teilnehmer des Programms; auch er verbrachte ab dem Herbst 2009 ein Jahr in New Mexico. Dominic ist auch heute noch vom PPP begeistert: „Dieses Programm hat mein Leben sehr zum Positiven verändert, es hat meinen Horizont wahnsinnig erweitert", sagt er. Er bewarb sich während seiner Ausbildung für das Auslandsjahr und wurde im Vorstellungsgespräch von der damaligen Bundestagsabgeordneten Christina Schröder als Teilnehmer ausgewählt.

Normalerweise verbringen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Programms ein halbes Jahr an der Uni und ein halbes Jahr in einem Praktikum in einem Betrieb; Dominic und Eva waren allerdings sogenannte Part-Teilnehmer; sie studierten das gesamte Austauschjahr in Teilzeit und arbeiteten parallel.

Das PPP gibt es bereits seit 30 Jahren. Es wurde damals gemeinsam vom deutschen Bundestag und dem Kongress der Vereinigten Staaten von Amerika gegründet. Das Programm basiert auf einem gegenseitigen Austausch, das heißt, jedes Jahr gehen 360 deutsche Teilnehmer - die meisten davon Schülerinnen und Schüler - in die USA; 350 amerikanische Teilnehmer kommen nach Deutschland. Ziel des Programms ist die Förderung der deutsch-amerikanischen Beziehungen und der interkulturelle Austausch. Uni, Reise, Versicherungs- und Gastfamilienkosten werden vom deutschen Bundestag und amerikanischen Kongress übernommen.

Evas größte Sorgen vor ihrer Abreise galten eventuellen Problemen mit der englischen Sprache. Doch ihr fiel das Englischsprechen gar nicht so schwer: „Ich war total überrascht, wie schnell sich meine Englischkenntnisse verbessert haben. In der Schule habe ich jedes Jahr um meine vier gekämpft, und in den USA habe ich nach ein, zwei Monaten das Allermeiste verstanden, und immer weniger Fehler gemacht“, sagt Eva. Auch beim Praktikum im Forschungslabor an der Uni habe ihr die Fremdsprache kaum Probleme bereitet, da ihr Chef sehr tolerant gewesen sei.

Da an der Universität in New Mexico kaum Kurse im Marketing oder Eventmanagement angeboten wurden, musste Dominic keine fachbezogenen Kurse wählen, sondern durfte sich seine Seminare frei auswählen. Er entschied sich für Kurse im Bereich Intercultural Communication und International Relations.

Die Zeit an der Universität gefiel ihm sogar so gut, dass er sich zurück in Deutschland dazu entschied, seinen Bachelor nachzuholen. Mittlerweile hat Dominic sich mit der Firma Magnify selbstständig gemacht und beschäftigt sich mit Städtetourismus. "Ohne den Austausch in der USA wäre dazu aber nie gekommen", sagt er. "Das Jahr in den USA hat mir den Mut gegeben zu studieren und mich selbständig zu machen."



Während des Austauschs wohnte Dominic bei einer Gastfamilie. „Meine Gastfamilie hat mich so super in die Familie eingegliedert, dass ich nie das Gefühl hatte ein Fremder zu sein. Ich habe mich immer als ein Teil der Familie gefühlt.“ In seiner Freizeit unternahm er sehr viel mit seinen neuen Angehörigen, vor allem mit seinem Gastbruder. Auch heute noch schreiben und telefonieren Dominic und seine amerikanische Gastfamilie noch regelmäßig. „Natürlich läuft das nicht bei jedem so optimal ab. Ich hatte schon sehr viel Glück“, sagt er.

Dominic zieht eine sehr positive Bilanz aus dem Jahr. Am faszinierendsten war für ihn die Gastfreundschaft der Amerikaner. „Man denkt eigentlich, dass sich die deutsche und amerikanische Kultur stark ähneln. Das tun sie auch in vielerlei Hinsicht, aber bezüglich der Gastfreundschaft und Offenheit gibt es dann schon sehr große Differenzen. Da liegen die Amerikaner einfach vorne“, sagt Dominic.

Bei Eva hat das Jahr in den USA vor allem die Lust aufs Reisen geweckt - und noch viel mehr verändert. „Ich war vorher ein sehr ruhiger Mensch", sagt sie. "Aber wenn man ein Jahr im Ausland ist, muss man auf Leute zugehen, sonst lernt man niemand kennen. Am Anfang ist das eine totale Überwindung, aber man gewöhnt sich dann daran und nach einer Weile macht es auch Spaß.“



Das PPP

Das Parlamentarische Patenschafts-Programm vermittelt primär einen Austausch zwischen Deutschland und den USA für Schülerinnen und Schüler im Alter von 15 bis 18 Jahren. Das Programm bietet allerdings auch einen Austausch für junge Berufstätige mit abgeschlossener Berufsausbildung an, die nicht älter als 24 Jahre sind.

Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Programms werden als „Mini-Botschafter“ für Deutschland angesehen. Deshalb sieht das PPP einen langen und etwas zähen Bewerbungsprozess vor. Neben den üblichen Bewerbungsunterlagen wie Lebenslauf und Anschreiben, müssen die Bewerber auch an einem Englischtest teilnehmen, und ein Vorstellungsgespräch mit einem Bundestagsabgeordneten (dem späteren Paten) hinter sich bringen.

Dabei werdem die Bewerberinnen und Bewerber nach allgemeiner Politik und dem aktuellen Wirtschaftsgeschehen befragt, und müssen überzeugend darstellen, warum sie genau die Richtigen für das Programm sind.

Die Kosten für das Programm teilen sich der Deutsche Bundestag und der amerikanische Kongress. In der zweiten Hälfte des Jahres, der Praktikumsphase, müssen die Teilnehmer der Gastfamilie einen kleinen Teil ihres Verdienstes abgeben. Bewerbungen sind ab Anfang Mai bis September für das Jahr 2014/2015 möglich.

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