"Alles wird Extase und Euphorie": Die Freiburger Band Crevaz im Interview

Jannis Jäger

Crevaz haben im Januar ihre erste EP veröffentlicht. "Heteronomy" ist der Name des Werkes. fudder hat die Post-Hardcore Formation gefragt, wie man als Band zusammenwächst und was die Mitglieder fühlen, wenn sie auf der Bühne stehen.

Was hat es mit eurem Bandnamen auf sich?

Unser Bandname leitet sich von dem englischen Wort "crevasse" ab, das für Gletscherspalte steht, aber auch einfach für einen tiefen Riss. Es steht für etwas kaltes, das schmilzt. Einen Abgrund.

Dieser metaphorische Bezug passt sehr gut zu unserer Musik.

Habt ihr die Produktion eurer ersten EP als etwas Besonderes empfunden?

Ja, auf jeden Fall. Im Januar ist unsere EP "Heteronomy" herausgekommen. Die Arbeit daran war eine intensive Zeit für uns. Diese Songs bilden eine Art Quintessenz unserer bisherigen Bandgeschichte. Wir hatten alle unsere eigenen musikalischen Einschläge und als wir uns zusammengetan haben, hat das etwas ausgelöst. Wir haben uns gegenseitig beeinflusst, voneinander gelernt und irgendwann waren wir an einem Punkt, wo es einfach gestimmt hat. Die Songs auf der EP wurden alle an diesem Punkt geschrieben. Da haben wir sehr viel Leidenschaft und Herzblut hineingesteckt.
Die Band

Crevaz, das sind Emilie (Gesang), Leonard (Gitarre), Niclas (Bass) und Philipp (Drums). Seit 2017 machen die vier Freiburger zusammen Musik und ordnen sich selbst in ein Alternative/ Post Hardcore Genre ein. In der Vergangenheit haben sie bereits Konzerte am ZMF in Freiburg und im Rahmen der SchoolJam-Tour 2019 auch in Hamburg und Berlin gespielt. Im Januar diesen Jahres kam ihre erste EP "Heteronomy" heraus.

Ist "Heteronomy" eine Konzept-EP?

Nein, das nicht. Die Songs gehen nicht ineinander über und erzählen keine Geschichte. Bei der Auswahl ging es uns nur darum, Stimmigkeit und Abwechslung zu schaffen. Die Songs von der EP stammen aus der Zeit, in der wir uns als Band richtig eingespielt hatten.

"Guidance" war der erste. Stilistisch markiert er einen neuen Punkt, obwohl wir uns musikalisch natürlich immer weiterentwickeln und das auch wollen. Man trifft ständig auf neue Einflüsse, entwickelt sich am Instrument weiter, Prioritäten verschieben sich vielleicht, so verändert sich die Musik und darauf freuen wir uns.

Wie habt ihr euch zusammengefunden?

Wir studieren alle miteinander und haben uns einmal spontan zum jammen getroffen. Auf einer persönlichen Ebene hat es gleich gestimmt und wir alle waren begeistert vom Songwriting. Dann haben wir uns ausprobiert, angepasst, Impulse gegeben und Kompromisse geschlossen. Bei aller Unterschiedlichkeit können wir uns alle auf einen groben Pop-Rock und Hardcore Bereich einigen. Daraus steuert jeder seinen Teil bei. So ist unser Sound entstanden.

Wer schreibt bei euch die Texte?

Die Texte schreibt unsere Sängerin Emilie. Sie hat eine sehr bildhafte und poetische Sprache. Es geht ihr beim Schreiben um eine Art Entwicklung der Menschheit. Sie will verstehen, warum die Welt so eingerichtet ist, wie sie es ist. Für Emilie ist das der erste Schritt, um etwas zu ändern. In den Texten geht es um Schmerzen und Ängste aber auch um Hoffnung und Vertrauen. Was die Themen angeht, befindet sie sich aber auch noch in einer Phase, in der sie noch am Graben ist. Es wäre wirklich cool, wenn die Texte wirklich irgendwann helfen können.

Was zeichnet euren Stil aus?

Musikalisch ist es ein Mix aus ruhigen, atmosphärischen Parts und einer gewissen Härte. Das zu vereinen zeichnet unseren Stil aus. Aber etwas sehr Wesentliches ist Emilies Gesang. Ihre Stimme und was sie damit macht. Sie hat etwas sehr Vielseitiges, sehr ruhige, zarte, leise Passagen und solche voller Kraft, in der sie es richtig hinausschreit. Ihre Texte, auf diese Weise gesungen und auf allem gebaut, was wir instrumental schaffen, ist das was uns charakterisiert.

Mittlerweile wissen wir, dass keiner von uns ersetzbar ist. In jeder anderen Konstellation würde sich das Klangbild total verändern. Am ende sind die Songs das Resultat aus der Kreativität von allen, als Band. Die musikalische Individualität von jedem von uns macht viel aus.

Was passiert an euren Konzerten?

Emilie dachte zuerst, sie müsse sich auf die Band konzentrieren. Aber dann hat sie gemerkt, dass dieser Part einfach steht und sie mehr mit der Crowd kommunizieren kann.Sie will eine Brücke zwischen Band und Publikum schaffen, das kann sehr intim werden. Es wird egal ob man als Musiker ein ruhiger Typ ist oder extrovertierter. Alles wird Extase und Euphorie. Das hängt auch damit zusammen, wie professionell wir an unseren Instrumenten werden. So können wir unser kreatives Geschöpf besser transportieren. Es ist toll, wenn das funktioniert. Wir sind sehr dankbar wenn wir sehen, da sind 50 Leute und haben einfach Bock auf unsere Musik. Man will ja auch Leute erreichen. Verbundenheit zum Publikum, das Klangbild, die Muster die man entworfen hat – wenn die Leute sich darauf einlassen, fallen auch viele Masken und man ist irgendwie nackt miteinander. Das ist ziemlich cool. Die feiern dann nicht uns, sondern wir feier uns alle zusammen. Das ist super schön.

Habt ihr musikalische Vorbilder?

Natürlich. Wir haben aber mehr als nur musikalische Einflüsse. Es gibt Bands die man einfach feiert, Elemente die man für sich entdeckt und schaut wie man sie aufnehmen kann.

Das Songwriting ist stark von dem beeinflusst, was man viel hört. Stil und Sound können einen da auch ganz unterbewusst beeinflussen.

Man fragt sich manchmal, was macht diese band jetzt aus und wie kann ich das für mich nutzen oder sprengen oder wie auch immer.

Was war das beste, das ihr bis jetzt als Band erlebt habt?

Alles seit November. Vor allem unsere Release Show war der Wahnsinn. Aber ein anderes Highlight waren die Studioaufnahmen. Wir haben schon viel miteinander gemacht aber da saßen wir sechs Tage lang aufeinander. Das war eine sehr intensive Zeit, mit Höhen und Tiefen. Aber so etwas schweißt einen zusammen und das spürt man dann beim Songwriting und bei den Auftritten.

Was ist euer größter Traum?

Es wäre schön, wenn wir irgendwann erfolgreich genug wären, um uns ganz auf unsere Musik zu konzentrieren. Damit meinen wir nicht, dass wir irgendwelche Megastars werden wollen. Aber einen gewissen Ehrgeiz haben wir schon.


Konzertdaten

Sonntag, 05. Mai, KTS Freiburg

Samstag, 18. Mai, Jugend-und Kulturzentrum K3 in Villingen-Schwenningen

Mittwoch, 19. Juni, Schlosskeller in Emmendingen

Samstag, 13. Juli, Die Stadtmitte in Karlsruhe

Mehr Infos findet ihr auf der Website der Band und auf ihrer Facebookseite.