Alles Schnösel? Jura im Studiengangcheck bei fudder

Isabella Decker

Jeder Germanist wird Taxifahrer, jede Psychologie-Studentin hat einen Knacks: Vorurteile über Studierende gibt es viele. fudder erklärt, womit sich Freiburger Studiengänge wirklich beschäftigen und was an den Klischees dran ist. Heute: Jura.

Worum geht’s

Die juristische Fakultät der Uni Freiburg gehört seit deren Gründung zum Grundbestand und bildet zurzeit etwa 2.000 Jurastudierende aus. Das klassische Jurastudium lässt sich mit einer Regelstudienzeit von neun Semestern durchlaufen und wird durch das erste juristische Staatsexamen abgeschlossen. Gelehrt werden zunächst die Grundlagen des Rechts, also z.B. was rechtlich passiert, wenn ich mir am Kiosk ein Eis kaufe. Im weiteren Studienverlauf setzt man sich mit konkreten rechtlichen Bestimmungen in den unterschiedlichen Feldern auseinander.

Gender Check

Die Anzahl der weiblichen und männlichen Studierenden ist in Freiburg relativ ausgeglichen. In den letzten Jahren zeichnete sich eine leichte Mehrheit weiblicher Studentinnen ab. (Sommersemester 2018: 1107 männliche Studenten, 1244 weibliche)

Ein Vorurteil, das völlig erfunden ist

Das Gerücht, dass Jurastudierende nur Paragraphen auswendig lernen, hält sich wacker, dabei ist da nicht viel Wahres dran. Nicht umsonst tragen die Jurastudierenden immer dicke rote Bücher mit Dünndruckpapier mit sich herum. Diese "roten Bibeln" enthalten die deutschen Gesetze und somit das Handwerkszeug der Juristen.

Da man die Gesetzestexte mit in die Prüfung nehmen darf, muss auch nichts davon auswendig gelernt werden. Viel wichtiger ist es richtig mit dem Gesetz zu arbeiten. Normen müssen korrekt ausgelegt werden und auf die richtigen Verknüpfungen kommt es an.

Ein Vorurteil, an dem was dran ist

Juristen lernen viel und feiern hart. In Freiburg belagern die Jurastudierenden nicht nur den zweiten Stock der UB, sondern sie sind in allen vier Stockwerken zahlreich vertreten. Denn es ist wahr, das Jurastudium ist vor allem gegen Ende nichts mehr für Faulenzer. Der Umfang des Stoffes, welcher im ersten juristischen Staatsexamen verlangt wird, ist enorm. Hierfür muss ordentlich gepaukt werden. Doch ist die Klausur erst mal geschrieben oder die Hausarbeit abgegeben, weiß der angehende Jurist auch wie er sich gebührend für die Anstrengungen der letzten Wochen belohnt. In großen Gruppen zieht er dann lautstark durch die Straßen und holt all die Partynächte nach, die er durch die Lernphase verpasst hat.



Wo sind Jurastudierende anzutreffen

Wenn der Student der Rechtswissenschaften nicht gerade in der UB lernt, dann macht er vermutlich eine Pause im Libresso oder sitzt auf dem Platz der Weißen Rose vor dem Café Senkrecht oder Europa Café.

Das nervt

Welches Denken definitiv einer Korrektur bedarf, ist die Vorstellung, dass Juristen arrogante, egoistische Schnösel sind. Der Jurastudierende in Freiburg kleidet sich mehrheitlich nicht in Hemd, Segelschuhen und Burberry Schal, sondern bevorzugt einen schlichten und unkomplizierten Look. In den meisten Jahrgängen bleibt auch das Schwärzen von wichtigen Seiten eines wesentlichen Aufsatzes oder das Verstecken von Büchern ein Gerücht. Die Jurastudierende sind hier politisch offen, aufgeschlossen und versuchen auch einfach nur ihr Studium auf die Reihe zu bekommen.

Warum man Jura studieren sollte

Dadurch, dass sich die Studierenden mit komplexen Sachverhalten auseinandersetzten, wird das analytisches Denken geschult und verstärkt. Zudem bildet sich ein Problembewusstsein aus und es wird gelehrt wie diese Probleme auf die effektivste Art zu lösen sind. Diese Fähigkeiten ermöglichen nach gefühlt 100 Jahren Studium vielfältige Arbeitsmöglichkeiten unabhängig von den klassischen juristischen Berufen. Wer sich also noch nicht ganz festlegen möchte und den Taschenrechner lieber zu Hause lässt, ist mit einem Jura Studium gut beraten.

Work-Life-Balance

Während in den ersten Semestern noch das schöne Studentenleben voll ausgelebt werden kann, muss gegen Ende ordentlich Freizeit eingebüßt werden.
Im Jurastudium ist die Rechnung daher ganz einfach: Je mehr Semester du auf dem Buckel hast, desto mehr ist die UB dein Zuhause.

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