Alles halb so wild: Damien Jurado im White Rabbit

Dana Ghafoor-Zadeh

Am Dienstagabend kam Damien Jurado nach Freiburg. Im White Rabbit stellte der Sänger sein neues Album "Maraqopa" vor. fudder-Autorin Dana hat sich nach wochenlanger Vorfreude in das Konzert gestürzt und wurde von Damien Jurados melancholischen Indieklängen hypnotisiert:



Ich möchte meine Füße in den Sand eingraben und den Kopf an die Schulter des Gitarristen legen. Das Lagerfeuer ist hörbar in der ruhigen vollen Stimme, den Schlägen und dem Zupfen auf den Saiten der Akustikgitarre. Als ich die Augen aufmache, brennt im Raum allerdings nichts. Trotzdem war es da. Ich bin ganz kurz weg gewesen, war verzaubert.


Ganz zuletzt knistert es im Raum. Die Stimmung ist erfüllt von Damien Jurado und er spielt „Sheets“. Für mich, für alle und für niemanden. Er scheint kaum zu merken, dass er nicht allein ist im Raum. Mit geschlossenen Augen, das Gesicht nach unten gerichtet, sitzt er auf dem Barhocker, schließlich verlassen von seiner Band, ganz allein und singt. Das ist es. Hierfür sind wir hier.

Vollkommen unaufgeregt beginnt Damien Jurado plötzlich vor den Zugaben mit den Zuhörern zu reden. Etwa achtzig Personen sind heute Abend ins White Rabbit gekommen. Er entschuldigt sich, verliert wenige Worte über die anstrengende Tour, und das Publikum lacht erleichtert. Die Schwere und die Anspannung, die nun schon seit einer Stunde im Raum liegen, scheinen endlich einen Grund zu finden. Die Worte vor der Zugabe sind gleichzeitig seine ersten, abgesehen von einem leise gehauchten „thank you“, mit dem er auf den Applaus des Publikums reagiert. Den Blick hebt er nicht. Dann ist der Raum erfüllt von der Stimme des Musikers aus Seattle.

Fünf Wochen sind Damien Jurado und Band schon auf Tour, um das neue Album „Maraqopa“, eine Zusammenarbeit mit Richard Swift, vorzustellen. Sie hatten kaum freie Tage, und das sieht man. Distanziert und müde wirkt Damien Jurado. Kein Scheinwerferlicht ist auf ihn, den Sänger, gerichtet. Erschöpft streicht er sich zwischen den Liedern über das Gesicht. Ich frage mich, was hat dieser Mensch durchgemacht, dass er so schrecklich traurig, so schmerzerfüllt aussieht. Geht es ihm nicht gut? Kann man ihm irgendwie helfen?



In weißem Shirt und brauner Jacke steht er auf der Bühne, scheint irgendwie auf der Durchreise zu sein und gar nicht erst ablegen zu wollen. Ohne Worte beginnt das Konzert.

Seine Band tritt auf, das Publikum sammelt sich erwartungsvoll und ungewöhnlich still vor der Bühne. Fast unsicher wirken einige Zuschauer. Die emotionsgeladene Musik und die fast sterile Präsentation, frei von jeglichem Kontakt zwischen den Musikern, schaffen eine eigenartige Stimmung. Als hätten sie sich zufällig hier zusammengefunden und versehentlich gleichzeitig angefangen zu spielen. Glamour hat nur das orange glitzernde Schlagzeug.

Aber dann versteht das Publikum irgendwie. Damien Jurado scheint zu sagen: Kommt runter, entspannt euch, es ist alles halb so wild. Die vorderen Reihen setzen sich auf den Boden und hören zu. Hören Damien Jurados empfindsame klare Kopfstimme im Kontrast zu seinem tiefen etwas rauchigen Klang in den Textpartien seiner Lieder. Ich fühle mich in den Bann gezogen, will noch viel länger hier sitzen und viel mehr von dieser Melancholie erfahren.

Sie spielen „Working Titles“ einfach perfekt. Eine stille Übereinkunft. Irgendwie sind sie verbunden. Bevor er seine Band für den zweiten Teil des Konzerts, seinen Solopart, in den Backstagebereich entlässt, steht er auf. Er spielt mit dem Rücken zum Publikum, wendet sich seinen Bandkollegen zu und lässt uns so doch noch einen kleinen Einblick in ihr Geheimnis der Harmonie.

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