Allan Garnelis: Unebenheiten des Boulevards

David Weigend

Durch den Aufmacher der Bildzeitung vom 30. Januar ist der Elzacher Hobbysänger Allan Garnelis nicht nur in die Schlagzeilen gekommen, sondern auch in eine Art Medienbeschleuniger. Jetzt, da sich die Wogen geglättet haben, lässt Allan den ganzen Trubel noch mal Revue passieren.



29. Januar 2007: Besuch von Bild

Ich stand am Elzacher Bahnhof und wollte zur Arbeit fahren. Da hat eine Frau von RTL (der Sender, auf dem "Deutschland sucht den Superstar" läuft) bei mir auf dem Handy angerufen. Jemand von der Bildzeitung habe sich bei ihr gemeldet und um meine Telefonnummer gebeten wegen einem Interview. Ich habe mir nichts weiter gedacht und mein Okay gegeben.

Wenig später meldete sich die Stuttgarter Bildautorin Birthe Arff. Um 17.30 Uhr stand sie dann mit einem Fotograf vor unserem Kollnauer Proberaum auf der Matte. Sie war Mitte, Ende 30, er Anfang 30. Die Visite dauerte etwa 90 Minuten. Zuerst hat mich der Mann fotografiert. Er hat versucht, da es schon dunkel war, geeignetes Licht zu erzeugen. Via Laptop hat er die Fotos gleich nach Hamburg in die Redaktion geschickt. Diese Bilder wurden im Übrigen sowieso nicht für den Artikel verwendet.

Eigentlich hat Birthe gar nichts groß gefragt. Sie hatte einen Ausdruck vom fudder-Artikel dabei und hat darauf Bezug genommen: "War das wirklich so heftig? Wurdet ihr echt in diesem Theater eingesperrt?" Ich habe daraufhin nun wirklich nichts Negatives gesagt. Im Gegenteil, ich habe betont, dass es doch normal sei, während einer TV-Aufzeichnung die Leute zusammen zu halten, damit nicht alle auseinander laufen.

In der Bild-Schlagzeile des nächsten Morgens stand dann: "Wir wurden sogar eingesperrt." Das habe ich nie gesagt.
Nun ja, die Interviewsituation war ansonsten entspannt. Ich habe den beiden noch den Proberaum gezeigt. Als sie weg waren, habe ich mich schon gefragt, warum meine eher unaufgeregten Statements den Stoff für den morgigen Bild-Aufmacher hergeben sollten. Das war mir alles recht suspekt.



30. Januar 2007: Der Boulevard blickt ins Elztal

Gleich am Morgen, als ich zum Brötleausfahren bin, habe ich mir eine frische Ausgabe der Bild vom Stapel gezogen. Das war in Niederwinden. Ich musste erstmal lachen. Im ersten Moment fand ich es zwar reißerisch, aber okay. Nachdem ich den Bericht vollständig gelesen hatte, fand ich die Geschichte doch ziemlich daneben. Mit diesem Eindruck setzte ich mich ins Auto, um Brötchen auszufahren.

Der erste Anruf kam um 6.30 Uhr, ein Radiosender namens "Antenne 1". Radio Regenbogen hatte bereits um 5.30 Uhr bei meinem Onkel angerufen. Die wollten meine Nummer. Mein Onkel wusste gar nicht, um was es geht. Zurück zu Antenne 1. Die wollten eine halbe Stunde später ein Interview mit mir organisieren, mit den Moderatoren "Ostermann und Schatzi". Die haben dann Fragen gestellt wie: "Muss denn ein Star noch Brötchen verteilen?"

Das war das einzige Interview, das ich gegeben habe. Das Telefon hat ständig geklingelt. Keine Ahnung, wo die alle meine Nummer her hatten. Als ich vormittags heimkam, war mein Anrufbeantworter bereits voll: Blitz, Akte 07 ("Wir haben von ihrer Story gehört und wollen da gern nochmal mit Ihnen drüber sprechen, bitte rufen Sie uns doch zurück, piep") und so weiter. Unter den Anrufern war vielleicht ein seriöser dabei, von der Kernerredaktion. Den habe ich zurückgerufen und er hat schnell verstanden, dass es da eigentlich nichts zu erzählen gibt, weil die Bildzeitung aus einer Mücke einen Elefanten gemacht hat.

Den ganzen Nachmittag war ich dann mit Abwimmeln beschäftigt. Allen Medienvertretern, die anriefen, habe ich erzählt, was ich ursprünglich im fudder-Interview gesagt habe und was die Bildzeitung daraus gemacht hat. Das war schon unangenehm.



31. Januar 2007: Fehleranalyse

Andererseits: man darf von der Bildzeitung leider auch nicht mehr erwarten. Die Headlines waren bewußt missverständlich formuliert. "Unser Jubel ist nur gespielt", das stimmt in dieser Ausschließlichkeit natürlich nicht. Klar mussten wir uns auf Zuruf nochmal freuen, weil unser erster Jubel vielleicht nicht passend auf Kamera festgehalten war. Aber das heißt ja nicht, dass unser Jubel ausschließlich gespielt war. Und dass diese Castings nicht live sind, müssten die Leute doch eigentlich schnallen.

Die dritte Bild-Headline lautete: "Die Finalisten stehen schon längst fest." Das Wort "Finalisten" ist in diesem Zusammenhang falsch, denn die Finalisten sind die letzten drei. Die stehen natürlich nicht fest, weil sie die Zuschauer aus den letzten 20 Kandidaten per Telefonanruf selektieren. Das wird auch notariell beglaubigt. Der Satz hätte korrekt heißen müssen: "Die letzten 20 Kandidaten stehen etwa einen Monat vorher fest." Der ganze Bericht ist schwammig formuliert. Ich habe nur gesagt: am dritten Tag in Berlin, als noch 40 Kandidaten übrig waren, sind 20 von ihnen rausgeflogen, darunter ich; die anderen 20 kommen in die Shows.

Die Bildzeitung ist ein großer Werbepartner von RTL. Fast täglich ist in dieser Zeitung etwas über DSDS zu lesen. Dennoch glaube ich nicht, dass diese Geschichte von RTL selbst forciert wurde, unter dem Motto: "Bringt uns auf den Titel, sei es mit einer Negativschlagzeile, Hauptsache, die Einschaltquote steigt weiterhin." Es ist denkbar, aber ich weiß es nicht.

Ich habe mich bei der RTL-Pressesprecherin gemeldet und die Sache klargestellt. Klar waren die von der Geschichte nicht begeistert, aber ein "juristisches Nachspiel", das die Bildzeitung als Folge meiner "Enthüllungen" herbeischrieb, gab es nicht. Deswegen haben sich viele in meinem Freundeskreis bereits Sorgen gemacht. Mir wurden sogar schon bestimmte Anwälte empfohlen. Meine Mutter hat voll Angst gekriegt.



1. Februar 2007: Autogrammwünsche im Nahverkehr

Eine Woche lang klingelten pausenlos Handy und Telefon. Stuttgarter Zeitung, Berliner Zeitung, was weiß ich. Voll der Rummel. Im Zug kamen Schulkinder zu mir, so kleine Mädels: "Kriegen wir ein Autogramm?" Ich bekomme auch Fanpost per e-mail. Ebenso handgeschriebene Briefe mit Fotos und so, wobei dieses Interesse in erster Linie die DSDS-Sendungen selbst verursachten. Jeden Morgen laufe ich an der Zeitungsseite vorbei, die meine Arbeitskollegen auf die Kühlschranktür der Bäckerei in Niederwinden geklebt haben. Allan-Croissants gibt es immerhin noch keine.

An Fasnacht habe ich an der Theke gearbeitet, im Ochsen in Elzach. Da kamen schon sehr viele Händeschüttler und Gruppen, die ich mit meinem Autogramm bepinseln musste. Den Sektkonsum bei diversen Frauengrüpple habe ich vermutlich um 400 Prozent gesteigert.

Was noch schöner ist: Ich bin mit einer Band in Kontakt gekommen, die durch die Sendung auf mich aufmerksam geworden ist. Das könnte ein richtig geiles Projekt werden, an dem auch Musiker aus den USA beteiligt sind. Geht so in die Rock-Pop-Richtung.
Meine Lehre aus dem Ganzen: "Sprich nie wieder mit Menschen von der Bildzeitung."

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