All the good men

Carolin Buchheim

Wie gut, dass wir fudderites keine EchtenJournalisten? sind. Als EchterJournalist soll man ja immer ein wenig Abstand zu dem halten, über das man berichtet, damit man objektiv bleiben kann.

Wären wir EchteJournalisten, dann wären wir Samstagabend auf höchst unprofessionelle Art und Weise und auf ganzer Linie gescheitert, beim Konzert von The Robocop Kraus im Swamp-Club: Wir hüpften nämlich das gesamte Konzert über mit seligem Grinsen im Gesicht in der ersten Reihe herum, und zwar so doll, dass wir noch heute vor Muskelkater und Fußschmerzen kaum gehen können. Aber dieser Abend war den Schmerz wert. Ein Rückblick mit Video!


Den fünf Herren der Robocop Kraus eilt nicht ohne Grund der Ruf voraus, nicht nur eine der besten sondern DIE beste Liveband Deutschlands zu sein. Und das sind sie. Wirklich. Ganz ehrlich. Wir haben ja schon so einiges erlebt, was Konzerte angeht, aber so was wie Samstagabend dann doch noch nicht.

Der Swamp Club im Auditorium der Jazz- und Rockschule war vollgepackt mit Fasnet-Verweigerern und glücklicherweise luftschlangenfrei, Vorgruppe gab es keine, brauchte es auch nicht, denn kaum hatten Thomas Lang und Kollegen die Bühne betreten, rockte ebendiese auch schon, und mit ihnen die Leute davor.

Jetzt kommt der Punkt, an dem EchteJournalisten objektiv beschreiben würden, wie sie denn waren, die Herren Robocop Kraus.

EchteJournalisten ohne große Musikleidenschaften würden jetzt, -ziemlich fehlgeleitet- schreiben , dass die Robocop Kraus die 'fränkischen Franz Ferdinand' seien, die 'Jungs' gute 80 Minuten 'Britpop' gespielt hätten, und in der ersten Reihe ein Mädchen in einem schwarz-weiss gestreiften T-Shirt stand, dass dem Sänger immer wieder an die Beine gefasst hat.

EchteJournalisten mit ein paar Musikleidenschaften würden vielleicht schreiben, dass Thomas Lang's Bühnenhabitus, -gestik und -mimik Paul Smith von Maximo Park ähneln, all das jedoch, im Gegensatz zu Herrn Smith, total ungekünstelt und inszenierungsfrei passiere und dass Drummer Hans Christian Fuss so enthusiastisch spielte, dass sein Crash umfiel und er während der letzten Zugabe seinem Leadsänger durchs Publikum hinterherlaufen musste, weil der die letzten Teile des Drumsets durch die Menge trug.



EchteJournalisten mit vielen Musikleidenschaften und ausgeprägter popkultureller Vorbildung würden - der Coolness halber - den Gig wohl gar nicht großartig beschreiben, sondern stattdessen den musikalischen Werdegang der Herren aus Nürnberg nacherzählen, ihre Prägung durch Hardcore, Postpunk, New Wave und Pop beschreiben und wahrscheinlich über die Bedeutung des Krawalligen, Zickigen, Hysterischen und Randalesquen in der Musik der Robocop Kraus sinnieren und am Ende nur andeuten, dass man als Abwesender was wirklich Außergewöhnliches verpasst habe.

Aber da wir ja keine EchtenJournalisten? sind können wir uns das alles sparen, und einfach schreiben wie wir es fanden, so vollkommen nicht objektiv halt: wir fanden es grandios, absolut grandios.

Da wir ja keine EchtenJournalisten? sind, mussten wir auch nicht objektiv in einer hinteren Ecke des Swampclups herumstehen und beobachten oder mitschreiben, nein, wir konnten ganz schamlos und subjektiv in der ersten Reihe herumhüpfen, die Songs mitgröhlen mitsingen und uns freuen, dabei zu sein.

Da passierte was, etwas ziemlich seltenes, ziemlich einzigartiges, zwischen den fünf jungen Herren auf, und den paar hundert Leuten vor der Bühne, und das ist selten. Wir haben uns ein bisschen in diese Band und ihren Sound und ihre Performance verknallt. In Matthias Wendl, der es schafft, dass seine eine Gitarre klingt wie ein halbes dutzend. In Bassist Tobias Helminger, der einer dieser Bassisten ist, denen man beim Spielen ansieht, dass sie sich im Klaren sind, dass ohne eine gute Basslinie gar nichts geht, und die deswegen Alles geben. In Hans Christian Fuss dessen wunderbares Crashumspielen und Durchdiemengerennen wir ja schon erwähnt haben. In Markus Steckert sowieso, denn die Keyboards und das Gefiepe sind für den Sound dieser Band ja essentiell. Und natürlich auch in Thomas Lang und seine Exaltierheit und sein Gekreisch und seine so schnuckige Art irgendwie britisch zu singen. Und überhaupt: eine Band die im Kollektiv Rhythmen klatscht und es schafft, dass ein paar Hundert Leute nach 80 Minuten verschwitzt grinsend glückselig durch die Gegend taumelt, die kann man nur lieben.



Mehr hätten wir gern von diesen Herren. Vielleicht ein Konzert pro Quartal, quasi als Grundversorgung. Sollte doch sicher machbar sein, denn das am Sonntag war immerhin das dritte Konzert der Vieltourer in Freiburg. Scheint ihnen also nicht so ganz schlecht zu gefallen hier bei uns.

Uns hat eine Kleinigkeit nicht gefallen: Das angenervt guckende Pärchen, das vorne rechts in der ersten Reihe stand, und vollkommen unbeweglich das gesamte Konzert so guckte, als wären sie zur Teilnahme gezwungen worden. Sorry, dass wir Euch immer wieder angerempelt haben, beim hüpfen, und Euch zwangsläufig auf die Füße getreten sind. Ach nee: nicht Sorry. Beim nächsten Robocop Kraus Konzert solltet ihr vielleicht einfach mal ganz hinten stehen, in der letzten Reihe, da stört Euch dann auch niemand bei der Spaßverweigerung.

Im Anschluss an das Konzert fand zum letzten Mal der Speedsalon statt, nur das das was da passierte kein Speedsalon, sondern irgendwas anderes war, irgendwas mit ziemlich viel Elektro. Nichts gegen Elektro, mögen wir ja auch sehr gerne, aber im Anschluss an so ein Konzert verlangte es uns und den Rest des Publikums sehr offensichtlich nach lauten, schnellen Gitarren. Schade. Wir finden: die Popsociety wäre der bessere Abspann für diesen Abend gewesen. Tschüss Speedsalon. Du hättest einen glorreicheren Abschied verdient.