Alin Coen Band: Alles ganz schön ruhig

Gina Kutkat

Als "dunkelschön" hatte Jan Frisch, Gitarrist der Alin Coen Band, ihre Musik im Interview beschrieben. Wie gut diese Bezeichnung passt, zeigte sich gestern Abend im gut gefüllten josfritzcafé. Die Alin Coen Band spielte zum zweiten Mal in Freiburg und sorgte mit ihren hübschen Popsongs auch diesmal wieder für eine kuschelig-warme Stimmung.

Eine kleine Frau mit praktischem Kurzhaarschnitt steht hinter einer Gitarre, die so groß ist, dass sie fast dahinter verschwindet. Alin Coen mag auf den ersten Blick etwas unscheinbar wirken, wäre da nicht diese erstaunliche Stimme. Angenehm zart schmiegt sie sich den folk-poppigen Songs an und verliert auch nicht ihre Märchenhaftigkeit, wenn Alin sich an ihr Publikum wendet. Hübsche Arrangements, dunkel-schöne Songs und eine Stimme mit Wiedererkennungswert. Schön ist das Wort, das über diesem Abend schwebt. Schön, allerdings zwischenzeitlich auch ein bißchen schön langweilig.


Die junge Hamburger Musikerin spielte gestern Abend bereits ihr zweites Konzert in Freiburg und fand es "toll, wieder hier zu sein." Markanteste Änderung seit ihrem Gig im März zeigt sich in der aktuellen Bandbesetzung: Durch Jan Frisch an der Gitarre, Philipp Martin am Bass und Fabian Stevens ist aus dem akustischen Solo-Projekt ein basisdemokratischer Musikverein geworden. So bezeichnet sich die Band zumindest selbst. Die Musiker, die sich in Weimar beim Studium kennengelernt haben, ergeben auf der schmalen Bühne im josfritzcafé ein stimmiges Gesamtbild. Man sieht und hört, dass die Chemie zwischen ihnen stimmt.

Begleitet durch leise und zart gezupfte Gitarren, einem jazzigen Bass und zurückgenommene Beats besingt Alin Coen in ihren Songs das schmerzhafte Mysterium Liebe. Intelligente Songs, die ein bißchen Pop und ein bißchen Folk enthalten und ansonsten ziemlich zurückgenommen sind. Alin beginnt auf Englisch zu singen, macht weiter mit ein paar deutschen Stücken und mischt gegen Ende auch eine französischsprachige Nummer unter: "Fenêtre". Doch ganz gleich ob Deutsch, Englisch oder Französisch, die Themenkomplexe sind in allen Stücken dieselben. Lieben, verlassen werden, Hoffen und Scheitern.



Es sind diese intimen Texte, mit denen Alin ihren Zuhörern ganz nah kommt. Das überwiegend weibliche Publikum kann sich mit ihnen identifizieren, leise wird mitgesummt, mitgewippt und mitgeschwelgt. In der ersten Reihe haben es sich die Zuhörer auf dem Boden bequem gemacht und lauschen gebannt der filigranen Persönlichtkeit hinter dem Mikrofon, die sich zwischen den Songs als sympathisch-lustige Pausenfüllerin erweist. "Wir haben uns immer gewünscht, dass das Publikum uns auf die Frage 'Wie geht's euch so' einmal mit 'Geht so' antwortet", sagt Alin und gibt der Videofilmerin ein Zeichen. Das Freiburger Publikum macht mit und antwortet sogar im Dialekt: "s' goht so."

Würdevoll und authentisch präsentiert die Alin Coen Band ihre Songs in der wohlig-warmen Atmosphäre des josfritzcafés, immer voller Elan und Eleganz. Da nehmen sich auch die neuen, etwas minimalistischer angehauchten Songs, nicht aus. Der Begriff Wohlfühlmusik gehört verboten, aber hier stimmt er. Musik, die sich zurücknimmt. Alles schön trocken gehalten. So wollen sie es haben und auch, wenn es für einige manchmal ein bißchen zu fad ist, konnte die Alin Coen Band mit diesem Konzert wieder ein bißchen tiefer in die Herzen ihrer Fans wandern.

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