Alfred Melcher: Rasenmeister beim SC Freiburg

Christian Heigel & Florian Schäffler

Die Heimstärke des SC Freiburg habe auch etwas mit der Qualität des Rasens zu tun, sagt Alfred Melcher. Er ist Greenkeeper beim Sportclub. Melchers Grünwissen hat ihm nun auch einen Job bei der Euro 08 verschafft. Ein Portrait mit einem Video, in dem Melcher Tipps zur Rasenpflege gibt.



Der normale Fußballfan bekommt den Greenkeeper seines Lieblingsvereins eher selten zu sehen. Höchstens mal in der Halbzeitpause. Und wenn man von Uli Hoeneß absieht, der vor einigen Jahren forderte, Lothar Matthäus dürfe noch nicht mal Greenkeeper im Münchner Stadion werden, dann ist die Rede von diesem Berufsstand in Fußball-Deutschland eher selten. Dabei sind die Rasenpfleger in der Branche ähnlich begehrt wie manche Spieler. Manche Vereine kaufen sich gegenseitig nicht nur Spieler, sondern auch Greenkeeper weg. Alfred Melcher kam einst von Bayer Leverkusen zum SC Freiburg.


Aber wie kommt man überhaupt zu diesem Beruf? Alfred Melcher interessierte sich von Anfang an für Fußball. Klar, wenn man in Mönchengladbach zu Zeiten von Günter Netzer aufgewachsen ist. Nach dem Abi machte er ein Landwirtschaftsstudium und später die Weiterbildung zum „Fach-Agrarwirt für Golfplatzpflege“. Jetzt ist er in seinem Traumjob angekommen: „Die perfekte Mischung von Grün und Fußball“.

Die Rasenpflege ist eine Wissenschaft für sich. Und der Greenkeeper spricht Rasenlatein: Begriffe wie Vertikutieren (Ausdünnen der Grasnarbe), Aerifizieren (Belüften der Grasnarbe) oder Vertidrainieren (Regulierung der Wasserzufuhr) gehören zum Standard. Statt Unkraut bekämpft Melcher Ungräser.

Wenn er Fußball schaut, dann schaut er immer zuerst auf das Grün unter den Füßen der Spieler. Sein Blick von der Seitenlinie bleibt dann an der Stelle hängen, an der nach einer Grätsche ein Rasenstück geflogen ist, auch wenn sich das Spiel mittlerweile längst woandershin verlagert hat. In der Halbzeit müssen er und seine Mitarbeiter dann ausbessern und verrutschte Rasenstücke wieder in Position bringen.

Den Rasen vom Dreisamstadion nicht zum Acker werden zu lassen, so lautet Melchers Mission. Die Rahmenbedingungen dafür sind nicht schlecht: „Wir haben einen Standortvorteil durch das offene Stadion mit viel Luft und Schatten.“ Lob gibt’s auch von den Spielern: „Die wissen, dass sie hier auf hohem Rasen-Niveau spielen.“ Nur vor ein paar Jahren bemängelte mal ein Spieler, der Rasen sei zu hoch gewesen. Das kann aber auch an dessen kurzen Beinen gelegen haben. Doch bei aller Bescheidenheit ist sich Alfred Melcher seiner Verantwortung bewusst: „Unser Rasen macht auch unsere Heimstärke aus.“

Das hat sich rumgesprochen. Und ihm jetzt sogar einen Auftrag bei der Euro 2008 eingebracht: „So einen Job machst du nur ein Mal im Leben.“ Eigentlich soll er bei den Spielen in Wien seine österreichischen Kollegen beraten, wie der Rasen zwischen den Spielen gepflegt wird. Doch Melcher ist ein Anpacker. Er stellt sich ein auf Nachtschichten im Ernst-Happel-Stadion. Dort will er den Deutschen den perfekten Rasen bereiten, beim Vorrundenkick gegen Österreich und womöglich auch beim Endspiel.