Alexander Bonde: "Die Berge im Schwarzwald komme ich hoch damit."

Joana Jäschke

Alexander Bonde, Mitglied des Bundestags, interessiert sich nicht für Autos. Trotzdem haben wir mit dem Grünen-Politiker über seinen Wagen gesprochen: Er fährt einen Toyota Prius, ein Hybrid-Auto. Was der Prius an seinem Fahrverstil verändert hat und was seine Ehefrau, die CDU-Politikern Conny Mayer-Bonde, vom Energiestreber-Auto hält, erzählt er im fudder-Interview.

 

Herr Bonde, erinnern Sie sich noch ans Auto-Quartett?

Ja, ich erinnere mich gut. Aber ich habe das immer lieber mit Schiffen gespielt.

Spielen wir eine Runde: Wie gut kennen Sie ihr Auto?

Ich muss ehrlich gestehen, wenn wir jetzt über lauter technische Daten reden, da kenne ich mich überhaupt nicht aus. Die Liebe an technischen Details bei Autos ist mir bisher immer abgegangen.

Versuchen wir es trotzdem: Wie viel PS hat ihr Auto?

Ich hab keinen blassen Schimmer. Die Berge im Schwarzwald komme ich hoch damit.

Beschleunigung von 0 auf 100- was schätzen Sie?

Auch das ist im wahren Leben ziemlich wurscht. Ich bin selten auf der Flucht!

Die CO2-Emission – kennen sie wenigstens die?

Das weiß ich, das sind 103 Gramm pro Kilometer.

Das müssen Sie als Grüner wohl wissen! Der Verbrauch auf Hundert Kilometer?

4,2 Liter sind es laut Hersteller-Berechnung, wobei dies unter realen Bedingungen nicht immer stimmt. Das hängt extrem von der Fahrstrecke und vom Fahrverhalten ab. Ich wohne mitten im Schwarzwald und bei großen Steigungen verbrauche ich mehr Energie, als wenn ich im flachen Land geradeaus fahre.

Können Sie uns Ihr Auto mal beschreiben?

Mein Auto sieht aus, wie ein Toyota Prius eben so aussieht. Ob man damit Schönheits-Design-Preise gewinnt, weiß ich nicht. Ansonsten hat er so ein helles grün-metallic.

Ein Grüner mit einem Ökoauto in grün. Das ist ja lustig. Haben Sie denn eine besondere Beziehung zu ihrem Auto? Hat es vielleicht sogar einen Namen?

Ich habe ein sehr unemotionales Verhältnis zu Autos und mein Prius hat auch keinen Namen. Für mich muss ein Auto irgendwie funktionieren: Es muss groß genug sein, dass ich den Kinderwagen hinten rein bekomme und dann sollte es noch einen niedrigen Verbrauch und einen einigermaßen verträglichen CO2- Ausstoß haben.

Wie fährt sich denn so ein Hybrid-Auto?

Den Prius fahre seit September 2006, vorher hatte ich einen Kleinwagen. Ein Öko-Auto fährt man wie jeden anderen Wagen auch. Man muss zwischendrin keine okkulten Handlungen vollführen. Das Umschalten zwischen Benzin- und Elektromotor läuft automatisiert, man muss weder Super-Autofahrer sein noch Umweltautofahren studiert haben, um damit klarzukommen.

Also ist es dasselbe Fahrgefühl wie bei jedem anderem Auto?

Einen Unterschied zu meinem vorherigen Auto merke ich: Seitdem ich diese Anzeige habe, wie viel Sprit ich gerade verbrauche, hat sich meine Fahrweise noch mal deutlich ökologisiert. Man hat dann eben doch immer einen halben Blick drauf, wie viel man gerade verbraucht.

Gehört es sich als Grünen-Politiker, ein Öko-Auto zu fahren?

Ich schwätz' da keinem der Kollegen rein. Aber wenn man als Grüner auf ein Auto angewiesen ist und vor der Entscheidung steht ein neues zu kaufen, sollte man auf den Umweltaspekt achten. Ich glaube, dass nicht nur Grüne, sondern wir alle Interesse daran haben müssen, mit unserer Umwelt schonender umzugehen. Das heißt weniger fahren wenn möglich – und wenn es ohne Auto nicht geht, dann bitte unter ökologischen Bedingungen.



Ihre Frau ist ja keine Grüne, sondern CDU-Politikerin – war sie gleich mit der Autowahl einverstanden?

Es war klar, dass ich das kinderwagentaugliche Familienauto kaufen muss, da sie sich geweigert hat, ihren schwarzen VW Beetle aufzugeben. Sie hat die Kofferraum-Frage damit zwar auf mich abgeschoben, war aber nicht abgeneigt, dieses Problem mit einem umweltfreundlichen Auto zu lösen. Sie fährt es auch gerne und hat auch richtigen Spaß daran zu schauen, wie viel sie verbraucht.

Es gibt ja auch andere Ökoautos – warum haben sie sich für ein Hybridauto entschieden und nicht für eines mit Erdgas oder Pflanzenöl?

Für mich war der Punkt: Wie ist der Zugang zu Kraftstoffen? Ich wohne in einer ländlichen Region, wo nicht an jeder Ecke eine Erdgas-Tankstelle steht. An konventionelle Treibstoffe kommt man überall im Schwarzwald – so tue ich etwas für die Umwelt, indem ich meinen Verbrauch reduziere.

Noch umweltfreundlicher wäre es natürlich immer Zug zu fahren, oder?

Sicher! Ich fahre ja auch nicht mit dem Auto nach Berlin, das wäre ökologischer Wahnsinn. In Berlin brauche ich auch kein Auto, aber in meinem Wahlkreis hier unten im Schwarzwald bin ich viel auf dem Land unterwegs. Leider komme ich mit der Bahn da nicht immer überall hin – und vor allem nachts nicht mehr nach Hause. Da muss dann der Prius her.

Wie sieht denn die Zukunft aus?

Wir müssen alternative Formen der Mobilität suchen und brauchen neue Technologien, nicht nur in der Frage wie wir unseren Verbrauch senken – da ist der Prius schon ein guter Anfang. Neben Verkehrsvermeidung und öffentlichen Verkehrsmitteln müssen wir Alternativen zum Öl finden, sonst fahren wir, bis der letzte Tropfen Öl weg ist und schauen uns dann alle blöd an.

Personalien

Alexander Bonde, Jahrgang 1975, ist seit 2002 Mitglied des Bundestages für die Grünen und Vorsitzender der Landesgruppe Baden-Württemberghttp://fudder.de/" titel="">. Er wohnt in Baiersbronn. Website& Wikipedia