Alexa Feser im Jazzhaus: Quasi Heimspiel für die Sängerin

Ralf Strittmatter

Für die No Angels oder Ricky Martin sang sie früher die Background-Vocals, jetzt steht sie endlich selbst im Vordergrund. Am Freitagabend hat Alexa Feser im Jazzhaus gespielt - zwischen Eurovisions-Vorentscheid und Echo-Preisverleihung. fudder-Autor Ralf Strittmatter war in Schmuselaune:



Mit geschlossenen Augen sitzt Feser am Klavier und singt von den Höhen und Tiefen des Lebens. Manchmal reißt es sie von ihrem Hocker, häufig dann, wenn sich im Text zwischen all der Melancholie ein Lichtblick findet. Über die ganze Bühnenbreite animiert die 35-jährige Soulsängerin ihre Fans, schaut ihnen direkt in die Augen und fordert sie zum Mitsingen auf. Bereitwillig nimmt das Publikum die vorgegebene Gesangslinie auf.


Das Konzert sollte bereits eine Woche früher stattfinden, dann kam Alexa Feser allerdings der Vorentscheid zum Eurovision Songcontest dazwischen und der Auftritt wurde kurzerhand vertagt. Vielleicht nicht die schlechteste Entscheidung, der noch recht unbekannten Sängerin. Ob es an der TV-Promo gelegen haben mag oder nicht: Das Jazzhaus war zum Feser-Konzert letztendlich erstaunlich gut besucht.

Etwas plakativ ist es schon, wenn Fesers Band darüber Wetten abschließt, ob die männlichen Besucher im Publikum "schwul oder vergeben" sind. In Freiburg besteht das Publikum größtenteils aus "fleißigen Schmusern", wie Feser feststellt – also ein Pärchen-Ding. Entsprechend gestaltet sich das Ambiente im Jazzhaus: gefühlvolle Klaviertöne zu gedämpftem Licht und LED-Candlelight auf der Bühne.

Spätestens als die Wiesbadenerin bei ihrem Song "Peter Pan" mit Kopftuch und Augenklappe verkleidet einen Ausflug ins Publikum unternimmt, weiß man, dass ihr der Auftritt im Jazzhaus Freude bereitet. Sie könne sich Freiburg gut als ihre neue Heimat vorstellen, sagt die Wahlberlinerin bei ihrer Ansage zum Song "Ich bleibe".

Ihre "Mama" wohnt schließlich auch schon hier. Für Feser sei es quasi ein "Heimspiel". Trotzdem ist es für sie "irgendwie komisch", während ihrer Show immer wieder auf das Gesicht der Mutter zu stoßen, die sichtlich stolz den Auftritt am Bühnenrand verfolgt.



Fesers Songs handeln vorwiegend von Liebe, Glück und davon, seine Träume nicht aufzugeben. Die Sängerin spricht aus eigener Erfahrung. Erst seit vergangenem Jahr findet ihre Musik mit dem aktuellen Album "Das Gold von Morgen" in einer breiten Öffentlichkeit Beachtung. Zuvor stand Feser als Background-Sängerin für die No Angels oder Ricky Martin eher im Hintergrund. Ihr erster Versuch, selbst als Künstlerin Fuß zu fassen, scheiterte 2008 mit dem Album "Ich gegen mich".

Zum Abschluss spielt Feser mit der Zugabe "Sterne" einen bisher unveröffentlichten Song. Normalerweise mache sie das nicht gerne, weil sie dabei immer Angst habe, ob das neue Material vom Publikum gut angenommen wird. Das Stück entpuppt sich mit dem stampfenden Beat der Bass-Drum als richtige Dance-Nummer. Den Freiburgern scheint es zu gefallen, wie ihr rhythmisches Klatschen beweist.

Fazit: Fesers Songs sind sehr emotional und nicht unbedingt was für den Freitag-Abend-Partygänger. Mit dem soften Repertoire will die Sängerin gemeinsam mit ihrem Publikum schlicht das Dasein feiern - in einer, wie sie sagt, "nicht einfachen Zeit". Wenn man so will ist ein Feser-Konzert etwas zum Träumen und das am besten in vertrauter Zweisamkeit.