Alex Walke: Ich bin nicht gerade der Breiteste

David Weigend

Der Torhüter des SC Freiburg ist erst 23, bald Vater von zwei Kindern und ein entspannter Gesprächspartner. Hier soll es nicht darum gehen, dass er Richard Golz verdrängt hat. Das spricht für sich. Nein, Alexander Walke nimmt Stellung zu seinem früheren Cannabiskonsum, zur Skatrunde im Mannschaftsbus und er sagt, wie er zur Causa Finke steht.



Alex, du hast heute Vormittag trainiert. Was stand auf dem Programm?

Lauftests und Slalomläufe mit Ball an den Lichtschranken. Wir haben Schnelligkeit trainiert. Die Sprintzeiten werden jeweils nach zehn Metern und nach 30 Metern gemessen. Auf zehn Metern bin ich 1, 62 Sekunden gelaufen und für 30 Meter habe ich glatt vier Sekunden gebraucht. War auch schon mal schneller.

Wer sind zur Zeit die schnellsten bei euch?

Wilfried Sanou und Jonathan Pitroipa.

War das Remis in Burghausen für dich ein gewonnener oder ein verlorener Punkt?

Aufgrund der ersten Halbzeit würde ich sagen: zwei Punkte verloren. Dann sind wir direkt nach der Halbzeit in Rückstand geraten. Insofern war der Punktgewinn dann doch wieder glücklich.

Am Sonntag spielt ihr gegen Kaiserslautern. Kein unwichtiges Match. Anstoß ist um 14 Uhr. Was machst du am Vormittag?

Ich stehe zwischen 7 Uhr und 7.30 Uhr auf. Da wird es im Bauch schon ein wenig kribbeln. Wir treffen uns wie immer um 9 Uhr am Stadion. Da wird die Nervosität nachlassen. Wir gehen draußen ein wenig laufen, um den Kreislauf auf Trapp zu bringen. Danach essen wir gemeinsam. Bei den Kabinen gibt es  auch Schlafmöglichkeiten. Ich lege mich meist in einen Liegestuhl, schließe die Augen und höre Musik. Madonna, R'n'B, auch schnellere Sachen.

Rituale bei Auswärtsfahrten im Mannschaftsbus?

Ich sitze hinten am Kartenspieltisch und spiele Skat, mit Sascha Riether, Martin Braun und Dennis Bührer. Wir spielen zum Zeitvertreib und mit minimalem Einsatz.



Du hast bereits einen zweijährigen Sohn. Stimmt es, dass du noch ein weiteres Familienmitglied erwartest?

Ja, demnächst soll es soweit sein.

Du bist 23. Respekt.

Ich fühle mich schon jung für einen zweifachen Vater. Und ich finde das gut so, auch wenn das zweite Kind jetzt nicht unbedingt geplant war. Bei vielen Paaren ist die Frage des Kinderkriegens ja auch eine finanzielle. Man wartet, bis man 30 ist und mit beiden Beinen fest im Berufsleben steht. Ich habe das Privileg, dass ich mir momentan um Geld keine Sorgen machen muss.

Welche Werte willst du deinen Kindern in der Erziehung vermitteln?

Selbstdisziplin und Höflichkeit. Darauf hat mein Vater bei mir auch sehr viel Wert gelegt.

Im Spiel gegen Aue ist dir ein Schnitzer unterlaufen. Wie lange knabbert sowas an dir?

Das hat mich noch etwa einen Tag lang nach dem Spiel beschäftigt. Dieser Patzer war für mich natürlich leichter zu verarbeiten, weil wir das Spiel letztlich gewonnen haben. Im ersten Moment habe ich mich darüber natürlich aufgeregt. Sowas darf dir normalerweise nicht passieren. Aber du musst nach so einem Patzer auch schnell wieder auf Konzentration umstellen.

Dein Vertrag läuft am Ende der Saison 2007/2008 aus. Hat der Trainerwechsel einen Einfluss darauf, ob oder wielange du beim SC bleibst?

Nein, das hat damit nichts zu tun. Ich werde meinen Vertrag erfüllen.

Einige meinen, der neue Trainer stehe bei euch vor einer schweren Aufgabe. Was wirst du an Volker Finke und seiner Arbeit mit euch vermissen?



Finkes Umgang mit der Mannschaft wird nicht leicht zu ersetzen sein. Seine Ehrlichkeit rechne ich ihm sehr hoch an, besonders in den letzten Wochen. Er kommt immer zu mir und sagt mir ins Gesicht: "Das finde ich gut und das nicht." So sollte es sein. Auch als wir in der Hinrunde schlecht gespielt haben, hat der Trainer uns klar gemacht, dass er an uns glaubt und hundertprozentig hinter uns steht.

Wie beurteilst du die Haltung der Vereinsführung gegenüber Finke und seiner Entlassung?

In der Hinrunde haben alle gerufen: "Der Trainer muss weg!" Jetzt, nachdem wir erfolgreich sind, heißt es: "Der Trainer muss bleiben!" Der Verein hat sich nunmal für die Entlassung entschieden und das müssen wir respektieren.

Ausschlaggebend für diese Entscheidung war in erster Linie eure Leistung.

Klar, wir haben eine beschissene Hinrunde gespielt. Im Endeffekt sind wir Spieler daran Schuld, dass es jetzt so gekommen ist. Es tut mir leid, dass Finke gehen muss. Meine Leistung war auch nicht gerade berauschend vor der Winterpause.

Hättest du dir gewünscht, dass Finke bleibt?

Ja. Er hat mich aus Bremen geholt und ich habe ihm viel zu verdanken. Er hat mich spielen lassen, was ja vorher auch nicht klar war. Sicherlich gibt es andere Spieler im Kader, die nicht so oft zum Einsatz kommen. Die haben zu dem Thema vielleicht eine andere Meinung.

Du sprichst gerade an, dass der Fortgang deiner sportlichen Karriere 2003 auf der Kippe stand. Der Grund war, dass dir bei einer Dopingkontrolle Cannabiskonsum nachgewiesen wurde. Du musstest unter anderem 10 000 sfr Strafe zahlen. Ganz schön happig.

Ich habe nun mal diesen blöden Fehler gemacht und das sind die Konsequenzen, die ich zu tragen habe. Ich muss damit leben. Im Grunde bin ich froh, dass ich nochmal eine Chance bekommen habe. Damals habe ich in Bremen gespielt. Normalerweise sagt ein Verein in dieser Situation: "Nimm deine Sachen und sieh zu, dass du verschwindest."

Das Cannabis als Droge eingestuft wird, ist nachvollziehbar. Aber als Dopingmittel?

Klar ist Cannabis nicht leistungsfördernd, im Gegenteil. Ich konnte ja danach nicht weiter schießen oder höher springen. Natürlich gibt es da Relationen im Vergleich zu anderen Dopingmitteln. Aber es ist nunmal eine Droge und insofern war die Strafe für mich auch angemessen.



Hat dir die ganze Geschichte eine persönliche Einsicht gebracht?

Ich habe das gemacht und wurde danach gleich erwischt. Und ich bin gar nicht mal traurig deswegen. Vielleicht wäre es sonst anders gekommen. Vielleicht hätte ich sonst damit weitergemacht. Man kommt da ja schnell in einen Trott rein. Ich bin in dieser Hinsicht allgemein sehr vorsichtig geworden. Was man nicht kennt, das fasst man nicht an.

Der damalige U20-Nationaltrainer Uli Stielike hat dich hart kritisiert und unter anderem eine lebenslängliche Länderspielsperre gefordert. Wer waren deine Fürsprecher?

In Bremen wurde damals eine Sitzung abgehalten. Thomas Schaaf und Klaus Allofs haben sich für mich stark gemacht. Denen habe ich es zu verdanken, dass ich heute noch spielen darf.

Ich sehe, du musst los zum Nachmittagstraining. Legst du eigentlich Extrarunden im Kraftraum ein?

Nein, ich bin ja auch nicht gerade der Größte und Breiteste. Mir ist die Geschmeidigkeit am wichtigsten. Ich bin kein Pumpertyp.